AZ-Interview Dejan Kovacevic: "Bayern wird nicht nur in Deutschland dominieren"

Dejan Kovacevic versucht Bayerns Maodo Lô zu blocken. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Dejan Kovacevic wurde bei den Bayern-Basketballern zum Profi und spielt nun für Braunschweig, den ersten Playoff-Gegner des FCB. In der AZ spricht er über die Unterschiede der Klubs – und der Städte.

 

München - Der Münchner Dejan Kovacevic spielt mit Braunschweig in der ersten Runde der BBL-Playoffs gegen den FC Bayern - die AZ hat mit ihm gesprochen.

AZ: Willkommen zuhause, Herr Kovacevic. Am Samstag gastieren Sie mit den Löwen Braunschweig im ersten Viertelfinal-Playoff beim FC Bayern. Freuen Sie sich auf die Rückkehr in die alte Heimat?
DEJAN KOVACEVIC: Und wie. Meine Familie, meine Eltern, meine Freundin, die werden am Samstag auch in der Halle sein. Das wird sicher noch eine Extra-Motivation für mich. Ich bin ja gebürtiger Münchner, bin in der Stadt groß geworden, hab beim TSV Forstenried mit Basketball angefangen. Später war ich beim TSV Fürstenfeldbruck, bin immer mit der S-Bahn zum Training, und über den MTSV Schwabing kam ich dann 2013 mit 16 Jahren zu den Bayern. Da habe ich dann auch schnell gemerkt, wie professionell dieser Klub schon in der Jugend arbeitet.

Inwiefern?
Unser Trainer Felix Czerny war vorher am Basketball-Internat Urspring tätig und hat Trainingsideen beziehungsweise -ansätze von dort übernommen. Erstes Training war 6.30 Uhr morgens, eine Stunde, dann ging es raus aus der Halle und rein in die Schule. Nachmittags wieder Training. Da wurde einem viel abverlangt, das war aber ganz wichtig für meinen Werdegang.

Darum entschied sich Kovacevic für den Bayern-Abgang

Sie haben dann auch das Abitur gemacht.
Ja, in München, am Thomas-Mann-Gymnasium. Schnitt 3,1. Naja.

Immerhin. War Ihren Eltern das wichtig, dass Sie neben der Arbeit an der Basketball-Karriere auch das Abi machen?
Nicht nur meinen Eltern, auch dem FC Bayern. Wenn du Probleme in der Schule hattest, durftest du nicht mittrainieren und mitspielen, sondern musstest den Stoff nachholen und vor allem auch dem Team erklären, warum du beim nächsten Spiel der Mannschaft nicht helfen kannst, sondern stattdessen für die Schule pauken musstest. Das hat extrem motiviert. Ich hab dann ja auch kurz studiert.

Und was?
Was jeder macht. BWL. 08/15. Hab es aber abgebrochen, weil die Trainingsintensität immer größer wurde. Ich würde aber gerne nochmal an die Uni gehen, vielleicht auf Lehramt studieren. Man weiß nie, was in der Profikarriere alles daherkommt. Eine schwere Verletzung reicht schon, da ist es ganz gut, ein zweites Standbein zu haben.

In der Bundesliga-Mannschaft des FC Bayern hatten Sie nur ganz wenige sporadische Einsätze, 2017 gingen Sie nach Würzburg. Hatte es für Bayern noch nicht gereicht?
Nein. Bei Bayern ist es ganz schwer, als Jugendspieler reinzukommen. Das ist so ein Top-Top-Top-Niveau mit lauter gestandenen Profis im besten Basketballalter zwischen 25 und 30, da habe ich gemerkt, dass ich Zeit brauche, dass es der richtige Schritt ist, erst woanders Erfahrung zu sammeln.

2018 wechselten Sie dann nach Braunschweig. Wie lebt es sich denn da?
Es ist natürlich weit weg von München, meine Familie war in dem einen Jahr vielleicht dreimal auf Besuch da. Es ist ein ganz anderes Leben, natürlich ist München die schönste Stadt der Welt. Aber andererseits könnte ich mir gerade kein besseres Umfeld vorstellen. Die Mitspieler im Team haben mich großartig aufgenommen, wir sind ein verschworener Haufen. Ich fühle mich rundum wohl. Dazu kommt, dass in München dauernd was los ist und man ständig abends weggehen kann. Das gibt es in Braunschweig halt nicht. Das hilft, sich auf Basketball zu konzentrieren. Sagen wir, die Möglichkeit, sich ablenken zu lassen, ist nicht so groß wie in München.

Kovacevic: Darum ist Bayern so stark

Rechnen Sie sich eine Chance aus gegen die Bayern?
Gut, wir fahren nicht nach München und sagen, jetzt hauen wir die Bayern mal eben so raus. Wir sind klarer Außenseiter, keiner erwartet etwas von uns, aber vielleicht ist genau das unsere Chance. Schauen wir mal, wie sich das erste Spiel entwickelt.

Die Bayern haben wie im Vorjahr mit 31 Siegen aus 34 Spielen die Hauptrunde dominiert, schicken sich an, den Meistertitel heuer zu verteidigen, was macht das Team so stark?
Sie haben eine enorme Tiefe im Kader, von der Nummer 1 bis zur 12, das sind alles Top-Spieler von europäischem Spitzenformat, die in jedem Euroleague-Team eine Bereicherung wären. Kann man gut vergleichen mit den Fußballern der Bayern, da ist die Ersatzbank nicht schwächer als die Startelf, weil der Kader gespickt ist mit 22 gleichwertigen Spielern.

Dann werden die Bayern nicht nur im Fußball, sondern auch im Basketball auf Jahre hinaus die Bundesliga dominieren?
Oja, garantiert. Und nicht nur die Bundesliga. Diese Saison haben sie in der Euroleague die Playoffs noch knapp verpasst, aber in den nächsten Jahren werden sie sich ganz sicher in Europas Spitze etablieren. Der Anspruch des FC Bayern ist es immer, der Perfektion so nahe wie möglich zu kommen. Ich sehe die Bayern in den nächsten Jahren in den Final Four der Euroleague.

Dann auch wieder mit Ihnen im Team?
Das ist natürlich mein Traum, eines Tages als gestandener Spieler zum FC Bayern zurückzukehren, und als Stammspieler vor meiner Familie und meinen Freunden in heimischer Halle gegen Real Madrid zu spielen. Aber ich weiß auch, es ist ein langer und harter Weg, auf dem ich viel Glück haben muss, auf dem ich vor allem jeden Tag hart an mir arbeiten muss. Aber wer weiß, wenn alles klappt, dann passiert das eines Tages auch.

Sie gelten als großer Fußball-Fan, bleibt Samstagnachmittag noch Zeit, sich die Meisterfeier der Bayern in der Allianz-Arena anzuschauen?
Unser Spiel beginnt erst 20.30 Uhr, da werde ich das Spiel gegen Frankfurt zumindest im Fernsehen verfolgen. Ich hoffe, die Bayern machen es deutlich und können richtig feiern. Und abends feiert dann natürlich Braunschweig im Audi Dome.

 

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