AZ-Interview Darum ging Wladimir Kaminer unter die Seefahrer

Wladimir Kaminer: "Ich bin mittlerweile süchtig nach Kreuzfahrten, wegen der vielen Geschichten." Foto: Michael Ihle

Wladimir Kaminer über Kreuzfahrten als eine Mischung aus Empathie und Schweinerei und darüber, was er auf der Münchner Messe Free macht.

München - Die meisten kennen ihn wegen des Buches "Russendisko", aber Wladimir Wiktorowitsch Kaminer kann auch Kreuzfahrten. Vor seiner Lesung auf der Münchner Reisemesse Free haben wir den Deutsch-Russen gesprochen. Über Kreuzfahrten, Alkohol und Brandenburger.

AZ: Herr Kaminer, ist eine Messe der richtige Ort für eine Lesung?
WLADIMIR KAMINER: Die Leute überrascht das sicher. Aber umso spannender wird das bestimmt.

Nachdem Sie Ihr Buch "Kreuzfahrer" geschrieben haben, kamen weitere fünf Kreuzfahrten hinzu. Warum?
Diese Reisen auf Schiffen sind eine unendliche Quelle für Geschichten. Eine so große Mischung an Menschen würden Sie sonst nirgends auf der Welt antreffen. Enorm spannend.

Wann waren Sie zuletzt auf einer Kreuzfahrt?
Sonntag kam ich von einer zurück. Ich bin voller Eindrücke und kann es kaum erwarten, sie mit den Menschen auf der Reisemesse zu teilen.

Kaminer: "Da wurde die Arche Noah plötzlich Realität"

Auf welchem Schiff waren Sie?
Aida Nova, die musste ich ausprobieren. 10.000 Passagiere!

Wahnsinn, so groß wie eine schwimmende Kleinstadt.
Ja, wie eine Arche Noah, die keine Hoffnung hat, Festland zu finden. Das habe ich auch in meinem Buch so geschrieben. Und interessant fand ich, dass sie mit Flüssiggas angetrieben wird. Das sorgt für einen ökologischeren Fußabdruck.

Welche Reaktionen haben Sie bisher auf Ihr Kreuzfahrer-Buch bekommen?
Unter anderem hat mich ein Journalist angeschrieben, der gerade über den Ort Ueckermünde berichtete. Die Aida Nova ist dort in der Nähe gebaut worden. Da leben weniger Menschen, als auf der Aida Nova reisen. Der Journalist sagte zu mir: Der Ort wird wegen des Klimawandels bald unter Wasser stehen. Also wäre es nur logisch, wenn alle Ueckermünder auf dieses Schiff steigen und in die Karibik fahren. Da wurde die Arche Noah plötzlich zur Realität.

Kaminer: "Leute wollen das Leid der Welt vergessen"

Warum schippert man auf einer schwimmenden Kleinstadt durch die Welt?
Es trifft den Nerv der Zeit. Viele Leute leben immer besser in einer schlechter werdenden Welt. Sie geben sich Mühe, den Planeten nicht zu zerstören. Trotzdem verzichten sie nicht auf Komfort, nach dem Motto: Können wir die Welt retten? Nein. Dann wenigstens Stößchen. Wenn wir untergehen, dann mit Flüssiggas bitte.

Alkohol und Schifffahrt, war das auf Ihren Reisen auch so?
Am einfachsten ist der Zustand der Welt beschwipst zu ertragen. Kreuzfahrten sind eine Mischung aus Schweinerei und Empathie. Trinken ist nur Empathie.

Kann man auf Kreuzfahrtschiffen Atomschläge überleben?
Kommt darauf an, wo das Schiff gerade steht. Aida Nova fuhr von Gran Canaria nach Lanzarote und zurück. Die meiste Zeit standen wir an Land. Nur drei Stunden auf See!

Was bringt so eine Kreuzfahrt?
Die Leute wollen das Leid der Welt vergessen. Keine zerstörten Landschaften, keine Flüchtlinge, keine Kriege. Nur das weite Meer. Und das mit zwei Cocktails zum Preis von einem.

An welche Begegnungen erinnern Sie sich oft?
Brandenburger. Ich habe noch nie so viele Brandenburger gesehen wie in der Karibik.
 


Die Messe Free: Alles rund ums Reisen

Die Messe Free startet heute in Riem. Bis zum Sonntag können sich Interessierte hier über verschiedene Reiseziele informieren, sich Camping-Caravans ansehen und Radl ausprobieren.

Außerdem gibt es ein Veranstaltungsprogramm. Der Autor Wladimir Kaminer liest am Donnerstag, 21. Feburar aus seinem Buch über Kreuzfahrer. Um 12 Uhr steht er auf der Kreuzfahrtbühne (Halle A6), um 14 Uhr auf der BR Showbühne (Halle A4) und um 16.30 Uhr wieder auf der Kreuzfahrtbühne (Halle A6). Tickets für die Free kosten online 9 Euro, wer sie auf der Messe kauft, zahlt 12 Euro (Tagesticket). Täglich 10 bis 18 Uhr.

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