AZ-Interview Danilo Barthel: "Wir wollen bei Bayern eine Ära prägen"

Münchens Danilo Barthel spielt seit 2016 für die Basketballer des FC Bayern. Foto: Matthias Balk/dpa

Danilo Barthel, Kapitän der Bayern-Basketballer, spricht in der AZ vor dem Auftakt der Playoffs über die Titelchancen, seine Bilanz der bisherigen Saison und ein mögliches NBA-Engagement.

 

München - Der 27-Jährige Danilo Barthel kommt aus Heidelberg und spielt seit 2016 für die Basketballer des FC Bayern, die er mittlerweile auch als Kapitän anführt.

AZ: Herr Barthel, wo sind Sie am Samstag um 17.20 Uhr?
DANILO BARTHEL: Noch zuhause. Wir haben tatsächlich schon mal überlegt, doch noch ins Stadion zu gehen und mit unseren Fußballern die Meisterschaft zu feiern. Aber unser erstes Playoff-Spiel gegen Braunschweig um 20.30 Uhr ist einfach zu wichtig. Da ist ein Arena-Besuch nicht drin. Wahrscheinlich halte ich um 20 nach 5 noch meinen Nachmittagsschlaf, bevor ich dann gegen 18 Uhr zum Audi Dome aufbreche. Aber natürlich fiebere ich mit und hoffe, dass die Bayern den Titel holen.

Vor Ihrem Wechsel nach München 2016 spielten Sie fünf Jahre für die Frankfurt Skyliners, schlägt Ihr Herz da nicht auch noch für die Eintracht?
Klar, sehr sogar. Ich habe früher viele Spiele der Eintracht im Stadion gesehen, habe jetzt auch die tolle Saison verfolgt. Am liebsten wäre mir, die Bayern werden Meister und die Eintracht fährt dennoch wieder nach Europa.

Droht im Viertelfinale FC Bayern gegen Braunschweig Gefahr?

Anders als im Fußball ist nach 34 Spieltagen bei Ihnen aber nicht Schluss, eigentlich geht es mit den Playoffs jetzt erst richtig los. Im Viertelfinale gegen Braunschweig droht aber nicht viel Gefahr, oder?
Das hieß es vor einem Jahr auch, als wir als klarer Favorit ins Viertelfinale gegen Frankfurt gegangen sind, bevor wir nach drei Spielen 1:2 hinten lagen und erst im fünften Spiel ins Halbfinale eingezogen sind. Playoffs haben ihre eigenen Regeln. Und eine überragende Saison bringt uns gar nichts, wenn am Ende nicht der Titel rausspringt.

Die Fußballer peilen den siebten Titel in Serie an, Sie würden jetzt erstmals den Titel verteidigen. Dabei haben Sie wie im Vorjahr mit 31 Siegen und nur drei Niederlagen die Hauptrunde dominiert. Können die Bayern im Basketball eine ähnliche Macht in der Liga werden wie im Fußball?
Ich denke, im Basketball ist es nicht so einfach, sich so lange ganz vorn zu behaupten. Bestes Beispiel ist Bamberg. Die erleben nach so vielen Erfolgen jetzt auch eine Schwächephase, einfach weil sie einen Neuaufbau hinbekommen müssen. Aber natürlich ist unser Anspruch, immer ganz vorne zu sein. Wir sind der FC Bayern. Da muss das Ziel sein, eine langfristige Dominanz zu schaffen. Wir wollen eine Ära prägen.

"Für die nächste Saison müssen wir unsere Chancen besser nutzen"

Sie haben das berühmte Bayern-Gen ja schon gut verinnerlicht.
Ich verwende den Spruch vom „Mia san mia“ nicht so oft, aber es stimmt irgendwie schon. Man spürt dieses Selbstbewusstsein im ganzen Verein, diese Erwartungshaltung, diese Selbstverständlichkeit, gewinnen zu müssen. Das ist sicher auch ein enormer Druck, aber sich genau diesem Druck zu stellen, ist auch eine große und sehr reizvolle Herausforderung.

International ist zu Europas Spitze dagegen noch Luft. Immerhin haben Sie in der EuroLeague mitreißende Spiele geliefert, etwa bei den dramatischen Heimsiegen gegen Fenerbahce und Barcelona, und am Ende nur um einen Punkt die Playoffs verpasst. Aber was fehlt für ganz oben?
Ganz einfach noch die Erfahrung. Das war für uns eine gute erste Euroleague-Saison, in der wir als Mannschaft sehr viel gelernt haben. Da sind spielerisch natürlich noch viel größere Hochkaräter dabei als bei uns in der Bundesliga. Es herrscht auch ein ganz anderer Spielstil, an den wir uns erst gewöhnen mussten. Für nächste Saison muss es einfach heißen, dass wir unsere Stärken noch konsequenter umsetzen, unsere Chancen noch besser nutzen müssen. Effizienter werden und abgezockter, dann kann es vielleicht mal was werden mit den Playoffs.

"Bei Bayern zu spielen, hebt dich auf ein ganz anderes Level"

Sie meinten einmal, der FC Bayern hätte Sie auch mental stärker gemacht. Inwiefern?
Es gibt einfach einen gewissen Punkt in der Karriere, da geht es auf diesem Niveau nicht mehr nur darum, sich physisch weiterzuentwickeln, sondern vor allem mental. Und das geht nirgendwo besser als bei Bayern. Sich jeden Tag im Training mit Spielern auf Top-Niveau zu messen, in der Bundesliga oder vor allem eben in der EuroLeague gegen die Besten Europas. Allein all die internationalen Spiele in dieser Saison gegen Teams wie Fenerbahce, ZSKA Moskau, Real, Barcelona: Dadurch kommst du weiter, holst dir Selbstvertrauen und den Ehrgeiz, es das nächste Mal noch besser zu machen, wenn du mal verlierst. Bei Bayern zu spielen, hebt dich auf ein ganz anderes Level.

Was hat sich denn für Sie selbst verändert, nachdem Sie 2018 die Kapitänsbinde von Anton Gavel übernommen haben? Stehen Sie da noch mehr in der Verantwortung?
Sicher, ja. Aber Verantwortung zu übernehmen, muss doch auch der Wunsch eines jeden Spielers sein. Ich tue immer alles in der Mannschaft und auf dem Feld, um das Vertrauen des Trainers in mich zu rechtfertigen.

Geschäftsführer Marko Pesic sagte noch vor einem Jahr, falls Sie sich so rasant weiterentwickeln, wird sicher auch einmal die NBA ein Thema. Wie schaut’s aus, gibt es schon Anfragen?
Natürlich bin ich offen für die NBA, aber ich bin jetzt nicht darauf fokussiert und mache mir auch gar keinen großen Druck. Ich spiele im Hier und Jetzt, und ob und wenn ja, wohin die Reise geht, wird die Zukunft zeigen. Und Kapitän beim Deutschen Meister zu sein, mit so einer tollen Truppe und großen Perspektiven für die Zukunft, das ist jetzt ja auch nicht so schlecht. Ich lebe jetzt seit drei Jahren hier und fühle mich nicht nur im Verein, sondern auch in der Stadt superwohl. München ist großartig, allein das Glockenbachviertel, in dem ich lebe. Oder der Englische Garten. Oder die Isar. Lässt sich schon aushalten hier.

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