Chefin des Mietervereins im AZ-Interview Beatrix Zurek über Münchner Mieten: "Existenzielle Fragen"

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Beatrix Zurek: "Das Luxussegment ist in München gut bedient und wird es auch weiterhin bleiben." Foto: Münchner Mieterverein

Was die Vorsitzende des Mietervereins jetzt erlebt – und worauf sie nach der Krise hofft. AZ-Interview mit Beatrix Zurek.

 

München - AZ-Interview mit Beatrix Zurekt. Die SPD-Politikerin ist Chefin des Mietervereins München.

AZ: Frau Zurek, der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München nimmt an, dass der Zuzug durch die Corona-Krise zurückgehen wird. Teilen Sie diese Vermutung?
BEATRIX ZUREK: Das ist ganz schwer abschätzbar. In der Regel bleiben interessante Wirtschaftsräume auch weiterhin interessant.

Aber Entspannung auf dem Mietmarkt würde ein geringeres Wachstum schon bringen, oder nicht?
Was wir ja haben, ist ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Wir haben da einen Bedarf, der auch durch einen verminderten Zuzug nicht zurückgehen wird. Das ist ja auch der Irrglaube, der bei einigen Wachstumskritikern kursiert.

Beatrix Zurek: "Es muss weiter gebaut werden"

Bitte erklären Sie das.
Wir haben ja nicht nur Zuzüge, sondern auch ein Binnenwachstum. Wir brauchen deshalb auch weiterhin bezahlbaren Wohnraum. Deshalb muss weiter gebaut werden und die Bestandsmieten müssen weiter gedeckelt werden. Diese Probleme werden nicht durch einen geringeren Zuzug zurückgehen.

Und der Luxusmarkt? Wird der leiden?
Das Luxussegment ist in München gut bedient und wird es auch weiterhin bleiben. Die, die wirklich viel Geld haben, werden sich weiterhin teure Wohnungen leisten können. In diesem Bereich brauchen wir definitiv keinen neuen Wohnungsraum.

Beatrix Zurek: "Tragisch, dass es erst einer Krise bedarf"

Vermuten Sie, dass Modelle wie Airbnb nach Corona – zumindest vorübergehend – weniger erfolgreich sein werden?
Das ist durchaus möglich. Schon allein, weil einfach weniger Leute die Stadt besuchen. In Städten wie Dublin ist dies offenbar schon zu beobachten. Dort scheinen wieder mehr Wohnungen auf dem normalen Mietmarkt angeboten zu werden. Natürlich ist es tragisch, dass es dafür erst einer Krise bedarf.

Also eine Chance für die Münchner Mieter?
Dabei kommt es jetzt entscheidend darauf an, zu welchen Preisen die Wohnungen dann vermietet werden. Ich hoffe natürlich, dass sich viele Vermieter von Airbnb-Wohnungen dazu entschließen, den normalen Mietmarkt wieder zu bedienen. Aber die Mieter sind da jetzt auch selbst gefragt.

Beatrix Zurek: Das sind die Mieter-Fragen in der Corona-Krise

Inwiefern?
Wer jetzt eine Wohnung anmietet, sollte schauen, ob die Mietpreisbremse gilt. Denn die gilt auch für möblierte Wohnungen. Nur der Neubau ab 1. Oktober 2014 ist ausgenommen.

Wie bekommen Sie die aktuelle Notlage der Mieter beim Mieterverein zu spüren?
Es geht plötzlich weniger um die Frage, ob meine Betriebskostenrechnung zu hoch ist – sondern mehr um wirklich existenzielle Fragen. Zu Corona und Miete erreichen uns aktuell sehr vielfältige Themen.

Zum Beispiel?
Was passiert, wenn ich meine Wohnung gekündigt habe? Wie muss ich eine Wohnungsübergabe regeln? Oder: Welche Rechte habe ich, wenn ich wegen Corona nicht einziehen kann?

Erwarten Sie bald viele Fälle von Mietern, die rausgeschmissen wurden, weil sie ihre Miete nicht mehr zahlen konnten?
Ab dem Frühsommer erwarten wir die durchaus. Hier kommt es aber auch drauf an, was auf Bundesebene in Sachen Hilfen nun entschieden wird.

Ihr erster Tipp für Mieter, die das befürchten?
Haben Sie keine falsche Scheu, sondern sprechen Sie zunächst mit Ihrem Vermieter über Ihre Probleme, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken. Es gibt auch in München ganz viele vernünftige Vermieter, die Verständnis zeigen werden und mit Ihnen eine Lösung finden.


Der Mieterverein München ist auch in der Corona-Krise weiterhin für Münchens Mieterinnen und Mieter da. Derzeit finden Gespräche allerdings nicht persönlich, sondern ausschließlich telefonisch, per Mail oder über das Onlineberatungsportal auf www.mieterverein-muenchen.de statt.

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