AZ-Interview BBL-Boss Holz: "Wir müssen bei Saisonbeginn mit Zuschauern spielen"

"Das war schon die richtige Entscheidung, hier nach München zu gehen. Der FC Bayern ist da leistungsfähig", sagt BBL-Boss Holz. Foto: firo/Augenklick

BBL-Boss Holz spricht hier über das Final10, Bayern als Gastgeber und den Liga-Neustart.

 

München - AZ-Interview mit Stefan Holz: Der 53-Jährige ist seit 2015 Geschäftsführer der Basketball Bundesliga (BBL).

AZ: Herr Holz, wie fällt Ihr Zwischenfazit beim Meisterturnier der Basketball Bundesliga (BBL) in München aus?
STEFAN HOLZ: Es könnte nicht besser sein. Das Wichtigste ist erst mal: Es gibt bislang keinen Infektionsfall. Wir können das Turnier also hoffentlich auch zu Ende spielen. Dazu gibt es guten Sport mit teilweise überraschenden Ergebnissen. Die Spieler sind im Quarantäne-Hotel zufrieden. Und es gibt eine enorme Medienresonanz.

Wie sieht die genau aus?
Wir haben noch keine harten Zahlen, außer die Reichweiten von Magenta Sport. Dem Eindruck nach haben wir aber eine ganz andere Präsenz als normalerweise – zum Beispiel bei den öffentlich-rechtlichen Medien, den Printmedien und den digitalen.

Wie beurteilen Sie die Rolle des FC Bayern Basketball als Turniergastgeber?
Perfekt. Das ist alles top. Es läuft und funktioniert alles. Das war schon die richtige Entscheidung, hier nach München zu gehen. Der FC Bayern ist da leistungsfähig.

Holz: Wir arbeiten an einer Zuschauer-Rückkehr

Sie sprechen die überraschenden Ergebnisse an. Titelverteidiger Bayern ist raus, das vielleicht größte Überraschungsteam ist Ulm, oder?
Das ist ja auch der Charme dieses Turniers, dass jedes Spiel wichtig ist. Und es auch im Viertelfinale zu einer solchen Konstellation kommen kann wie Bayern gegen Ludwigsburg: Der Erste gegen den Zweiten der abgebrochenen Hauptrunde. Auf Ulm bin ich jetzt mal gespannt. Sie sind sehr stabil, ausgeglichen und überzeugend bislang.

Ist es vorstellbar – ohne die außergewöhnlichen Umstände der Corona-Krise – in Zukunft an einer ähnlichen Turnierform festzuhalten. Möglicherweise im Pokal?
Nein. Wir fangen nicht damit an, den Pokal jedes Jahr wieder auf links zu drehen. Den Modus haben wir ja gerade erst geändert. Das hier ist eine Notsituation mit einem Konzept, das für diese Situation genau richtig ist. Aber auch nur dafür.

Wie sehen Ihre Erwartungen für die restliche Playoffphase noch aus?
Die Haupterwartung und das Allerwichtigste ist, dass wir ohne Infektion bis zum Finale am nächsten Sonntag durchkommen, damit wir das Turnier sauber zu Ende spielen können. Ansonsten erwarte ich noch richtig enge, heiße Spiele.

Können Sie einen Ausblick geben, wann und wie die neue Saison starten kann?
Das diskutieren wir gerade alles mit den Klubs. Klar ist aber, dass Geisterspiele nur etwas für diese Notsituation sind und definitiv kein Dauerzustand. Wir möchten die neue Saison auch eigentlich nicht mit Geisterspielen wieder anfangen. Wir müssen im Prinzip schon bei Saisonbeginn wieder zumindest mit einem gewissen Teil an Zuschauern spielen. Daran arbeiten wir. Aber das liegt ja nicht in unserer Hand und ist am Ende auch nicht unsere Entscheidung.

Das Ausland schaut genau auf die BBL

Das internationale Interesse am Finalturnier ist groß. Von wem wurden Sie konkret angesprochen?
Gerade die europäischen Basketballligen und auch die Fiba (Welt-Basketballverband, d. Red.) haben uns kontaktiert. Wir geben unsere Erfahrungen gerne weiter. Wir hatten am Mittwoch eine Telefonkonferenz der europäischen Ligen, da wurde ich gebeten, diese Erfahrungen ein wenig zu skizzieren. Da gab es viele Nachfragen. Ich kann mir schon vorstellen, dass unser Konzept eine Vorlage sein kann.

Wie finden Sie das Konzept der NBA, die in ähnlicher Turnierform in Disney World in Florida weiterspielen möchte?
Das ist im Prinzip dasselbe wie bei uns, nur größer. Wir haben 250 Leute in der Blase der aktiven Zone, in der NBA sind das 1600. Da habe ich schon Respekt davor.

Abschließend: Wie sieht Ihr Geheimtipp für den kommenden BBL-Champion aus?
Es ist ein heißes Format. Am Ende wird es auch auf die Kraft ankommen. Alle zwei Tage ein Spiel mit zunehmender Ermüdung und gleichzeitig steigender Intensität. Es ist auch die Frage, wer hier verletzungsfrei durchkommt und wer am Ende die nötige Power und Tiefe hat.

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