AZ-Interview Babbel: "Ich habe noch weiße Flecken"

Markus Babbel: Ein Hoffenheim-Logo fehlt noch: Babbels Arm (l.) mit den Wappen seiner bisherigen Vereine. Foto: dpa

Ex-Bayer Markus Babbel, erst seit Februar Trainer in Hoffenheim, will sich auch das TSG-Logo als Tattoo stechen lassen – und seinen Mentor Heynckes ärgern

 

AZ: Hallo Herr Babbel!

MARKUS BABBEL: Ein Servus nach München!

Am Samstag sind Sie mit Hoffenheim zu Gast beim FC Bayern. Schon wieder – denn im Herbst waren Sie schon einmal in der Allianz Arena, mit Hertha BSC setzte es ein 0:4.

Ja, eine schöne Packung war das. Ich werde es wieder versuchen, auch wenn ich bisher als Trainer gegen den FC Bayern nicht viel gerissen habe.

Ein Gutes hatte Ihr 0:4 – vor dem Anpfiff. Bayern-Trainer Jupp Heynckes hat Ihnen das „Du” angeboten.

Ich bin ein großer Bewunderer von Jupp Heynckes, er ist einer meiner großen Förderer. Zuletzt ist er ja wie Phönix aus der Asche zurückgekehrt nachdem er beinahe schon in Rente war. Ein sehr angenehmer Mensch, ein absoluter Vollprofi. Die Bayern haben mit ihm momentan den besten Trainer, den ich mir vorstellen kann. Er hat mich zum Bundesligaprofi gemacht.

Wann war das?

1991, ich war noch 18 Jahre alt. Am ersten Spieltag mussten wir bei Werder Bremen antreten, bei uns waren einige Innenverteidiger verletzt. Am Abend vor dem Spiel musste ich auf sein Zimmer kommen, er fragte: „Trauen Sie sich das zu?” Ich habe genickt.

21 Jahre später könnten Sie mit einem Sieg die Bayern und Jupp Heynckes noch tiefer in die Krise stürzen.

Natürlich haben wir vor, den Bayern empfindlich weh zu tun. Aber eine große Krise sehe ich da nicht. Bei den letzten Niederlagen, vor allem in Leverkusen, hat man immer verpasst, das erste Tor zu machen. Vom Engagement her hat mir das sehr, sehr gut gefallen. Dass dort in München derzeit etwas dicke Luft ist, das weiß ich. Aber Bayern hat noch die Chance, Meister zu werden. Jede Diskussion um Heynckes verbietet sich aus meiner Sicht. So wie ich Heynckes kenne, geht das auch schnell wieder in die andere Richtung – hoffentlich nicht schon am Samstag.

Sie haben in Stuttgart und bei Hertha Erfahrungen gesammelt, nun in Hoffenheim. Ihre Familie lebt in München, Sie pendeln. Wann arbeiten Sie denn mal als Trainer in München?

Wenn 1860 einen Trainer braucht... Nein, ein Spaß. Ich habe hier in Hoffenheim eine tolle Aufgabe, tolle Bedingungen und viel Spaß. Ich denke nicht jeden Tag daran, Bayern-Trainer zu werden und warte täglich auf einen Anruf, auch wenn ich 16 Jahre dort gespielt habe.

Also tragen Sie das Bayern-Gen in sich. Können Sie die Bedeutung erklären?

Die Quintessenz ist: Es zählt nur Platz eins. Man will immer das Maximale erreichen, Platz zwei ist nicht gut genug. Das haben wir schon in der Jugend gelernt. Selbst bei Hallenturnieren vor den Toren Münchens sind wir noch während der Siegerehrung ausgepfiffen worden. Als Kind hat mich das irritiert, verletzt. Aber dann sagst du dir: Euch zeigen wir’s. Und wenn alle gegen einen sind, dann erst recht. Später bei den Profis bedeutete ein zweiter Platz, dass es eine verlorene Saison war.

Aber es schmeichelt Ihnen, dass Sie als Bayern-Trainer gehandelt werden?

Wenn das der Fall ist, weiß ich, dass ich in meinem bisherigen Job nicht ganz blind gewesen sein kann.

Aktuell fehlt noch ein Tattoo der TSG Hoffenheim. Ihr Ritual ist es ja, sich von jedem Verein eine Erinnerung stechen zu lassen.

Ich hatte dafür noch keine Zeit. Der Tätowierer meines Vertrauens ist in Regensburg. Das werde ich in Ruhe im Sommerurlaub machen lassen: Platz ist ja, ich habe noch weiße Flecken.

 

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