AZ-Interview Ausflug an den Chiemsee: Die besten Tipps

Autorenprofil Ruth Schormann
Die scheinen auch recht glücklich zu sein: Zwei Möwen fliegen vor dem Sonnenuntergang über den Chiemsee bei Seebruck. Foto: Matthias Balk/dpa

Andrea Hasse, Lehrerin aus Westfahlen, lebt seit 30 Jahren in München. Nun hat sie, gemeinsam mit ihrem Mann Harald, das Buch "Glücksorte am Chiemsee" geschrieben. Die AZ hat mit ihr gesprochen.

 

AZ: Frau Hesse, Sie haben mit ihrem Mann ein Buch über Glücksorte geschrieben – was bedeutet Glück denn für Sie?
ANDREA HESSE: Glück ist der Moment, in dem ich mich rundum wohlfühle, im Hier und Jetzt aufgehoben, eins mit meiner Umwelt. Natürlich ist Glück kein Ort. Es ist ein Gefühl, das in der Begegnung mit Menschen und Orten immer wieder aufs Neue entsteht. Und von solchen Glücksmomenten hatten wir sehr viele am Chiemsee. 80 davon haben wir im Buch festgehalten. Zum Nachlesen und Nachfühlen.

"Nicht umsonst nennt man ihn Bayerisches Meer"

All diese Orte haben gemeinsam, dass sie sich rund um den Chiemsee befinden. Was fasziniert Sie als Wahl-Münchner ausgerechnet an diesem Gewässer so? Starnberger oder Ammersee sind doch auch schön…
Klar. Aber der Chiemsee ist der einzige See mit der Anmutung eines Meeres. Nicht umsonst nennt man ihn auch bayerisches Meer. Besonders faszinierend ist der unglaubliche Blick auf das gigantische Alpenpanorama, dem man quasi nirgendwo entkommt. Überhaupt die Einbettung in eine malerische, wenn nicht sogar magische Landschaft – einfach betörend. Das ist einzigartig.

Glück kann man nicht kaufen, heißt es ja. Trotzdem finden sich unter den Tipps auch einige Läden. Welche sind Ihre liebsten und warum?
Sofort verliebt habe ich mich in den English Corner Shop in Eggstätt. Dort gibt es – Brexit hin oder her – so witzige, bunte und ausgefallene Sachen. Mein Mann schwärmt vom Anderlbauer Hofladen in Frasdorf, weil es dort so tolle Käsespezialitäten gibt. Was diese Orte so ganz besonders macht, sind die Geschichten dahinter. Und die sind wirklich erzählenswert. Gerade deshalb sind, ehrlich gesagt, alle klasse.

Empfehlungen für wenig Geld?

Andere der beschriebenen Orte sind kostenlos – was empfehlen Sie also Glückssuchern mit kleinerem Reisebudget?
Picknick einpacken und einfach losgehen! Der Bankerlweg in Aschau ist so einzigartig, ebenso der Postkartenweg in Prien. Und die Klosterseerunde in Seeon, und und und...

Sie kennen den Chiemsee jetzt nach Jahrzehnten wohl in- und auswendig, aber wohnen nicht dort. Warum eigentlich?
Mein Mann würde sofort dorthin ziehen. Ich brauche dagegen die pulsierende Großstadt. Wenn wir jetzt auch nur für Stunden am Chiemsee sind, sind die Sinne geschärft. Jedes noch so kleine Detail wird registriert und kommt in seiner einmaligen Schönheit zum Tragen. Auch ist es nur ein Katzensprung bis zum Chiemsee.

Gibt’s für Sie denn auch Glücksorte in München selbst, falls Sie es mal nicht raus an den See schaffen?
Logisch. Der Englische Garten – vor allem im nördlichen Teil – ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis. Oder der Wiener Platz in Haidhausen, mit den kleinen Geschäften und Lokalen. Die Lach- und Schießgesellschaft, das Lustspielhaus, die Kammerspiele. Auf jeden Fall auch unser Lieblingsitaliener, aber die Adresse wird nicht verraten, er ist schon jetzt so gut besucht.

Diese Ausflüge emphielt Andrea Hesse

...für Familien.
Die Hefteralm. Die ist nur zu Fuß zu erreichen und oben ist es einfach herrlich: die Ruhe, der Blick, die Tiere für die Kinder und viele selbst gemachte Leckereien wie Brot und Käse, einfach köstlich. Ein Erlebnis für alle.

...für Sportler.
Das Natur-Freischwimmbad in Aschau mit natürlich abfallendem Kiesstrand, langen Schwimmbahnen und freiem Blick auf Schloss Hohenaschau, Wald und Berge.

...für Ruhesuchende.
Der Rundweg über die Herreninsel ist absolut empfehlenswert. Abseits der Königshäuser geht es sehr gemächlich zu. Der Weg führt an der wunderschönen, romantisch gelegenen Bucht Pauls Ruh vorbei, die ihrem Namen alle Ehre macht. Boot fahren, dann eine gute Stunde am Ufer entlang und später vielleicht noch eine Brotzeit irgendwo auf der Insel.

...für Kulturinteressierte.
Das Heimatmuseum in Prien, dort erfährt man viel über Land und Leute, Sitten und Gebräuche. Oder das Künstlerhaus Exter in Übersee-Feldwies, wo mal der Künstlersitz vom Maler und Bildhauer Julius Exter war, den man auch den Farbenfürsten nannte.

...für Feinschmecker.
Die Schlosswirtschaft Wildenwart ist ganz was Feines, das meinen auch der Guide Michelin und der Internationale Slow-Food-Verein. Und wir können das nur bestätigen.

...für Chiemsee-Kenner.
Viele der Glücksorte sind Geheimtipps, die selbst Menschen, die dort leben, nicht kennen. Man muss eben ganz genau hinschauen. Das BlumenCafé in Aschau mit seinem Zaubergarten ist was Besonderes. Und auch der Chieminger Dorfladen ist einen Besuch wert.

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