AZ-Interview Adelinde Knorr, die Showdesignerin und ihre Models

Die Showdesignerin Adelinde Knorr stellt für unsere Anwärterinnen auf den Titel "Schönen Münchnerin" immer wieder außergewöhnliche Shows auf die Beine. Beim Casting im pep hat sie mit den diesjährigen Kandidatinnen das erste Mal gearbeitet. Foto: Jens Hartmann/AZ

Adelinde Knorr ist beim AZ-Modelcontest "Schöne Münchnerin" mit ihrem Team seit vielen Jahren für die Catwalk-Shows verantwortlich. Die AZ traf die Showdesignerin zum Interview.

 

München - Spätestens, wenn die Abendzeitung wieder nach der Schönen Münchnerin sucht, steht auch ein Treffen mit der Showdesignerin Adelinde Knorr an. Sie choreographiert für den Wettbewerb Kundenevents und lässt sich für's Finale außergewöhnliche Shows einfallen. Zu ihren Kunden zählen auch Modegrößen wie Marc Cain oder Puma und Events wie die IAA. Wir wollten im Interview von ihr wissen, wie sie zu dem Job kam und was ihre Arbeit ausmacht, immerhin begann ihre Laufsteg-Karriere auch als Model.

AZ: Frau Knorr, was macht eine Showdesignerin?
ADELINDE KNORR: So wie ein Modedesigner ein Outfit entwirft, versuche ich in Absprache mit den Designern, der Show ein Gesicht zu geben: Dazu gehört die perfekte Musik zu suchen, die Mädchen auszuwählen, welcher Typ Frau, wie sollen die Models gehen. Aber ich kümmere mich natürlich auch um das Setting. Ich habe sehr gerne Einfluss auf das Ambiente der Show, aber das in enger Absprache mit dem Designer und seiner Kollektion.

Wie wird man Showdesigner?

Wie kommt man dazu, Showdesigner zu werden?
Ich habe lange als Stylistin gearbeitet. Musik und Tanz waren schon immer meine Favoriten und es war mir sehr wichtig, diese verschiedenen Komponenten zu einem außergewöhnlichen Ganzen zu kombinieren. Showdesignerin bin ich geworden, als eine gute Freundin, die Modedesignerin Gabriele Blachnik, mir angeboten hat, eine Show für sie zu konzipieren und durchzuführen.

Ich bin als Model früher selber Shows gelaufen. Die Zutaten einer Show kannte ich. Trotzdem hatte ich sehr großes Herzklopfen selbst eine Show auf die Beine zu stellen. Ich hatte aber unglaubliches Glück, denn die Designerin hatte eine wunderschöne Kollektion und tolle Mädchen gebucht. Ich wiederum hatte das richtige Gefühl für die passende Musik und eine toIle Technikfirma im Background. Die erste Show war so gelungen, dass ich gesagt habe, da will ich weitermachen.

Und dann haben Sie sich selbstständig gemacht?
Als Stylistin war ich bereits freiberuflich tätig und habe dann parallel Shows gemacht. Irgendwann habe ich entschieden, ich konzentriere mich nur noch auf die Shows. Zuerst waren es reine Fashion- oder Sport-Shows, aber dann kamen auch noch andere Präsentationen dazu, wie zum Beispiel für die Automobilindustrie. Ein Auto mit Models, Tanz und Choreographie zu inszenieren, ist einer Fashion Show nicht ganz unähnlich.

Adelinde Knorr Showdesign ist ein Familienunternehmen.
Absolut. Bei mir ist es ganz natürlich gewachsen. Wenn ich gearbeitet habe, waren meine Kinder sehr oft bei den Shows dabei und um das Taschengeld aufzubessern, haben sie dann angefangen als Anziehhilfen zu arbeiten. Nach dem Studium hat sich dann meine Tochter Linda entschlossen bei mir einzusteigen. Sie ist jetzt als Ablaufregisseurin mit dabei, arbeitet aber auch für andere Shows.

Das ist eine gute Kombination. Ich bin auf der Bühne, schicke die Mädchen hinaus, kümmere mich um die Choreographie und Linda macht die Ablaufregie und koordiniert Licht und Ton.

Und ihr Mann fotografiert?
Ja, er fotografiert – aber nur backstage. Ich finde es total schön, was hinter der Bühne an Momenten passiert, auch an Freude und Spaß. Und diese Momente fängt mein Mann mit der Kamera ein.

Wie bereiten Sie sich auf eine Show vor?
Als Erstes findet ein Gespräch mit dem Kunden statt. Erstmal muss ich wissen, was will der Kunde. Was erwartet er sich, wie die Show aussehen soll. Wenn ich ein Gefühl dafür bekommen habe, fange ich an, über Musik und Models nachzudenken und natürlich auch über das Setting. Das eine ergibt das andere. Wenn ich beispielsweise kommerziellere Musik bei einer Show verwende, will ich nicht so androgyne Mädchen haben. Dazwischen sind Absprachen mit dem Kunden immer ganz wichtig. Schlimm wäre es, du machst die Generalprobe und der Kunde sagt dir dann, das habe ich mir anders vorgestellt. Aber das ist noch nie passiert.

Wie suchen Sie Musik für eine Show aus?
Wenn ich weiß, in welche Richtung die Show gehen soll, weiß ich, wie die Musik werden muss. Ist es eine kommerzielle Show, habe ich überhaupt kein Problem damit, die Charts durchzuhören. Wenn ich dagegen eine Show eines jungen Designers habe, suche ich eher avantgardistischere Musik, wie etwa elektronische Musik mit harten Beats. Ich schaue mir auch durchaus Designershows an, um Titel zu suchen, die mir gefallen und die zur Stimmung der Show passen könnten. Aber dazu braucht man Zeit. Manchmal, wenn ich keine Meetings habe, sitze ich im Büro und kümmere mich nur um die Musik. Das liebe ich. Sie sind auch für Unternehmen wie Escada, Puma oder Marc Cain tätig.

Wie schaffen Sie es, dass jede Show ihren eigenen Charakter bekommt?
Ich versuche, immer wieder herauszuarbeiten, was sagt das Produkt aus, was soll auf der Bühne passieren. Wenn man immer wieder den gleichen Kunden mit einem ähnlichen Style hat, ist es wichtig, dass man sich erneuert. Da muss ein neues Setting her, neue Ideen, ein neuer Look.

Was macht für Sie eine gute Show aus?
Perfektion. Wenn alles stimmt. Wenn man das Gefühl hat, die Mädchen gehen auf den Punkt zur Musik auf den Laufsteg, das Licht setzt ein, wenn sie nach vorne gehen, das Video wird oben abgespielt, die Musik wird immer größer und lauter und wenn man das Gefühl bekommt, es wird alles wirklich eins, dann ist es eine tolle Show!

Wie wichtig ist das Timing?
Timing ist alles. Ich stehe immer mit meiner Stoppuhr direkt hinter der Bühne und passe darauf auf, dass die Mädchen und Jungs ihren Einsatz nicht verpassen. Backstage ist es immer laut und man wird leicht abgelenkt. Aber mit der Stoppuhr weiß ich: Ok, nach 45 Sekunden muss das nächste Mädchen raus.

Bei den Shows für die "Schöne Münchnerin" haben Sie es oft mit wenig erfahrenen Models zu tun. Ist das eine besondere Herausforderung?
Ja. Ich coache die Mädchen, erzähle Ihnen, worauf sie achten müssen. Ich habe die Erfahrung gemacht, fast jedes Mädchen kann laufen lernen. Also bis zu einem gewissen Grad. Mir ist es aber auch sehr wichtig, dass die Mädchen Spaß haben, auch wenn sie eventuell nicht weiter kommen, sollen sie sich als Model fühlen. Es sollte eine tolle Erfahrung für die Mädchen sein. Für ein Model ist es essenziell, auf verschiedene Arten laufen zu können. Zum einen ganz normal mit High Heels, dann exaltiert oder genauso auch ganz cool. Der Gang kommt aber wiederum auf den Designer an.

Macht diese Wandlungsfähigkeit ein gutes Modell aus?
Wenn ein Designer bei seiner Show eine Frühjahr/Sommer Kollektion mit vielen Rüschenkleidern, Volants und Farben zeigt, kann es schon sein, dass ich zum Finale alle Mädchen hüpfend und springend raus laufenlasse. Auch das muss ein Mädchen können.

Wie behalten Sie bei aufwendigen Shows den Überblick?
Das geht nur mit einem gut eingespielten Team. So kümmert sich meine Tochter um die Organisation und Koordination während der Show.

Woher kommen die Inspirationen für Ihre Shows?
Die Ideen hole ich mir aus Musikstücken, Filmen und Musikvideos, aber auch aus meiner Dozententätigkeit für die Meisterschule für Mode. Diese jungen Leute haben so viele Einfälle, die ich als Inspiration nutzen kann, aber auch die vielen Shows, die ich mache, geben immer wieder neue Impulse. Die Idee, die ich für eine Show habe und dort vielleicht nicht umsetzen kann, nutze ich dann für eine andere. Ich versuche, jede Show einzigartig zu gestalten.

Sie sind in der ganzen Welt unterwegs. Wie sehen Sie München als Modestadt?
Ich würde mir wünschen, dass München zur Modestadt wird, was sie gerade nicht ist. Die Modestadt in Deutschland ist nun mal Berlin mit der Fashion Week. Mit den ganzen, an die Fashion Week angelehnten Messen ist diese Woche die wichtigste Orderzeit in Deutschland – früher war es Düsseldorf, ganz früher München.

Was würden Sie sich für München wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass die hier ansässigen Modefirmen durchstarten.

Wenn Sie wie heute eine Show für die Meisterschule für Mode machen, an der sie auch unterrichten, ist das ein Heimspiel?
Ein bisschen schon. Es ist eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Schülern. Wir entwickeln das ganze Jahr zusammen eine Kollektion, aber auch die Choreographie, die Fotos für die Plakate und die Videos, die vor den Shows laufen. Auch wie man sich Models sucht, mit Agenturen arbeitet oder sich um Haare und Make-up kümmert, versuche ich, den angehenden Modedesignern zu vermitteln.

Was gefällt Ihnen an ihrem Job besonders?
Es ist jedes Mal etwas Neues, jedes Mal eine Herausforderung.

 

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