AZ-Interview 96-Boss Kind: Slomka und 1860? „Das passt“

Der 72-jährige Kind (r.) ist Unternehmer und langjähriger Präsident von Hannover 96. Mirko Slomka (l.) trainierte die Niedersachsen von 2010 bis 2013. Foto: dpa

Im AZ-Interview spricht 96-Boss Martin Kind über den ehemaligen Hannover-Trainer Mirko Slomka, der beim TSV 1860 Trainerkandidate ist. „Er weiß, was er will“.

 

München - Der langjährige Präsident von Hannover 96 Martin Kind spricht im AZ-Interview über den Trainer-Kandidaten Mirko Slomka. Von 2010 bis 2013 trainierte Slomka die Niedersachsen.

Herr Kind, Sie haben bei Hannover 96 lange mit Mirko Slomka zusammengearbeitet. Wie halten Sie von ihm?

Ich kenne Mirko Slomka sehr lange. Er war jahrelang A-Jugend-Trainer, später Co-Trainer unter Ralf Rangnick. Gemeinsam haben wir den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Er stand für die erfolgreiche Zeit bei Hannover 96. Unter ihm und Jörg Schmadtke haben wir zweimal Europa League gespielt. Slomka ist ein sehr offener, kommunikativer und freundlicher Mensch. Er weiß aber sehr genau, was er will und was er nicht will.

Wie würden Sie seine Stärken als Trainer beschreiben?

Seine Ergebnisse haben ihm recht gegeben. Seine taktischen Fähigkeiten, seine Offenheit für Veränderungen im Sinne der Mannschaftsbetreuung prägen ihn. Er versucht, sich stets weiterzuentwickeln. In unserer erfolgreichen Phase war Slomka sehr kommunikativ, hat versucht, die Spieler auf diesem Weg mitzunehmen.

Nun steht er im engsten Kandidatenkreis beim TSV 1860. Slomka und die Löwen – würde das passen?

Slomka und Sechzigs Sportchef Oliver Kreuzer kennen sich aus Hamburg. Das ist für mich eine gute Voraussetzung. Ein Sportdirektor muss von dem überzeugt sein, was er entscheidet. 1860 München ist eine gute Adresse, nach wie vor! Alle, die im Sportmarkt tätig sind, wissen, dass es Höhen und Tiefen gibt. 1860 ist ein Traditionsverein mit Phasen der Irritation, auf dem Weg der Professionalisierung. Für eine solche Professionalisierung steht gerade auch Slomka. Ich glaube, das passt.

Wie beurteilen Sie als Gegner der 50+1-Regel denn die Abhängigkeit des Vereins von Investor Hasan Ismaik, der Slomkas Amtsantritt absegnen muss?

Ich denke, der Investor hat bei seinem Einstieg die deutschen Rechtsnormen und Verbandsrechtsnormen nicht wirklich verstanden. Das hat in der Anfangsphase zu Fehldeutungen seiner Einflussmöglichkeiten geführt. Dafür sollte man Verständnis haben. Mancher Engländer oder Russe würde die 50+1-Regel auch nicht verstehen. Jetzt sollten alle schrittweise und gemeinsam stabile Strukturen entwickeln. Um aus diesen heraus in Ruhe professionell zu arbeiten.

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Im vergangenen Sommer herrschte großes Chaos, jetzt scheint Ismaik eine Politik der Annäherung zu betreiben.

Es geht doch allen Vereinen so: In der Krise ist es immer schwierig, neue Strukturen zu entwickeln. Ich habe den Eindruck, dass der Prozess bei 1860 deutlich eingeleitet und die Rolle des Investors vollumfänglich akzeptiert wurde – in dem Wissen, dass es ohne ihn nicht weitergegangen wäre.

Wie könnte es Slomka schaffen, länger auf dem Trainerstuhl zu sitzen als seine zahlreichen Vorgänger?

Das hört sich immer ganz schlimm an, dass so viele Trainer bei den Löwen beschäftigt waren. Aber: Die Trennungen sind immer ergebnisorientierte Entscheidungen. Wenn die vereinbarten Ziele nicht erreicht werden, muss man die Konsequenzen ziehen. Slomka hat auf Schalke erfolgreich gearbeitet und wurde – für mich völlig unverständlich – trotz Tabellenplatz drei oder vier gefeuert. Eine Entlassung auf einem Abstiegsplatz wäre nachvollziehbar gewesen. Viele Klubs und wir alle haben doch das Problem, dass der Druck oft zu groß wird. Ob bei Schalke oder Sechzig, man kann einem Verein nur empfehlen, alle Entscheidungen mit Realismus und Vernunft zu treffen. 

 

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