AZ in der Asservatenkammer Hier lagern Drogen, Geld, Waffen - und Sedlmayrs Schreibmaschine

In der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft lagern Waffen, Drogen - und unter anderem auch ein Elefantenfuß. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Im Keller der Staatsanwaltschaft lagern tausende Beweismittel – und seit 28 Jahren eine legendäre Schreibmaschine.

München - Mordwaffen und Drogen ruhen in den unterirdischen Räumen der Staatsanwaltschaft, aber auch ungewöhnliche Asservate wie ein ausgehöhlter Elefantenfuß und eine – sehr wahrscheinlich – gefälschte Giacometti-Skulptur lagern in den Regalen.

In der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft München I werden mehr als 150.000 beschlagnahmte Gegenstände gehütet wie Augäpfel. Sie werden erfasst, aufbewahrt und bewacht, bis die dazu gehörigen Ermittlungsverfahren abgeschlossen sind. "Wenn ich nicht immer wieder was rausgeben würde, dann würde es unsere Räume sprengen", sagt Anton Jofer (58).

Auf der "Brother" tippte der Privatsekretär ein gefälschtes Testament

Doch ein Gegenstand wird bis heute in einem unscheinbaren Karton in einem Regal in aufbewahrt – obwohl das Verfahren seit Jahrzehnten abgeschlossen ist und die Verurteilten seit Jahren wieder auf freiem Fuß sind: Es ist die Brother-Schreibmaschine von Walter Sedlmayr.

Seit 28 Jahren kam sie nicht ans Tageslicht, wurde nie mehr benutzt. Als Sedlmayrs Privatsekretär den Volksschauspieler am 14. Juli 1990 tot in dessen Schwabinger Wohnung fand, war die Schreibmaschine zum letzten Mal in Gebrauch.

Der Privatsekretär setzte sich daran, zog Briefpapier mit Seldmayrs Blankounterschrift hervor und begann zu tippen: „MEIN LETZTER WILLE“. Dabei setzte er sich als Alleinerben ein.

Der Schwindel flog schnell auf. Die Schreibmaschine blieb ein Beweismittel – und kam nie mehr raus aus ihrer Schachtel in der Asservatenkammer. Im Gegensatz zur Mordwaffe, einem Hammer, der heute im Polizeimuseum ausgestellt ist, interessierte sich nie wieder jemand für sie.

Oft stecken tragische Geschichten hinten den Asservaten

Die Schreibmaschine ist der vermutlich älteste Gegenstand, den Anton Jofer und seine elf Mitarbeiter hüten. Der 58-Jährige kennt die Asservatenkammer wie kaum ein zweiter: Seit 21 Jahren ist er dabei, mittlerweile als Chef.

Die meisten beschlagnahmten Gegenstände sind Alltagsdinge wie Handys und Notizen. Aber es gibt auch spektakuläre Funde: doppelseitig geschliffene Messer und geladene Waffen, als Kosmetikstift getarnte Elektroschocker oder gigantische Stoßzähne aus Elfenbein.

"Man darf sich nicht zu sehr mit den Hintergrundgeschichten beschäftigen, sondern muss sich auf den Gegenstand konzentrieren", sagt Anton Jofer. Denn oft stecken auch tragische Geschichten hinten den Asservaten, gerade wenn es um Suizid oder Mord geht.


Sechs-Augen-Prinzip und begehbare Tresore

Den größten Anteil der sichergestellten Gegenstände machen Drogen aus: fast 30 Prozent. Danach folgen Geschäftsunterlagen (6 Prozent) und Waffen (3 Prozent). Die wertvollsten Gegenstände wie Geld werden in begehbaren Tresoren verwahrt. "Der größte ist etwa 40 Quadratmeter groß", erklärt Jofer "und durch mehrere Schlösser gesichert."

Einmal, da war der Amtsinspektor erst ganz frisch dabei, bekam er einen richtigen Schatz in seine Obhut. "Das war ein Rohdiamant aus Südafrika", erinnert sich Jofer. Er zeigt mit seinen Händen, wie riesig er war – so groß wie ein Kinderkopf. "Der war 800.000 D-Mark wert", sagte Jofer. Der Diamant war am Flughafen beschlagnahmt worden. Nach dem Prozess wurde er an die Besitzer in Afrika zurückgegeben.

Für sehr wertvolle Gegenstände wie Gemälde berühmter Maler gibt es heute separat bewachte, ausgelagerte Orte. Aber sicher sind die Dinge auch bei Anton Jofer: "Jede Bewegung wird dokumentiert!" Bei der Entgegennahme von Wertvollem gilt das Sechs-Augen-Prinzip. Und zusätzlich werden die 25 Räume rund um die Uhr bewacht. Abhanden kommt da so schnell nichts.


Hinter der Stahltür

In der Asservatenkammer gibt es drei Türen, die besonders gesichert sind. Hinter dem Stahl wird neben Waffen, Geld und Schmuck vor allem Rauschgift aufbewahrt.

Asservaten-Chef Anton Jofer präsentierte gestern verschiedene Arten von Betäubungsmitteln, die derzeit dort aufbewahrt werden.

Vom Haschisch-Block bis zur "Kräutermischung" – über ein Viertel aller Asservate fallen in die BTM-Gruppe und werden nach dem jeweiligen Verfahren verbrannt.


Der himmelblaue Gecko

In jedem Jahr fallen in München 40 bis 50 Strafverfahren in Sachen Naturschutz an. Das Gesetz stellt insbesondere den Kauf und Verkauf von streng geschützten Tier- und Pflanzenarten unter Strafe.

In der Regel sind es die Zollbehörden, die Ermittlungsverfahren einleiten. Aber auch die Online-Käufer werden von den Behörden verfolgt. Oft wissen sie nicht, was sie da kaufen. Aber das Gesetz langt bereits bei fahrlässigem Handeln hin.

Derzeit ebenso gefragt wie illegal: der Kauf von Kleintieren wie dem himmelblauen Zwergtaggecko oder der griechischen Landschildkröte.


Armes Sparschwein

Das ist echt gemein und ziemlich dreist: Ein Einbrecher hat die Polizei um ihr Sparschwein gebracht.

Der Mann war in die Wohnung seines urlaubenden Cousins eingebrochen und hatte sich dort ein schönes Wochenende gemacht. Nach seiner Festnahme schnappte er sich in einem unbeobachteten Moment ein Sparschwein vom Wachtresen der Polizeiinspektion Mittenwald. Auf der Toilette zertrümmerte er das Schweinderl der Stiftung der Polizeigewerkschaft, sackte die 192,28 Euro ein und versteckte die Porzellanscherben.

Er wartet noch auf seinen Prozess.


Richter beleidigt

Deutsche Gesetze werden nicht akzeptiert. Das ist der gemeinsame Nenner einer heterogenen Bewegung, die unter den Begriffen Reichsbürger und Selbstverwalter firmiert.

3.500 Reichsbürger gibt es in Bayern, manche werden kriminell. Seit Januar 2017 registrierte die Staatsanwaltschaft 80 Verfahren, in denen es bei knapp der Hälfte der Fälle zur Anklagerhebung gekommen ist.

Die Palette der Delikte reicht dabei von versuchter Erpressung über Urkundenfälschungen bis hin zur Beleidigung von Richtern.


26 Löwen-Verfahren

Der 30. Mai 2017 und die Folgen: Staatsanwältin Anne Simon hat immer noch damit zu tun, die Krawalle beim Relegationsspiel in der Allianz Arena zwischen den Löwen und Jahn Regensburg aufzuarbeiten. 26 Verfahren – ausschließlich gegen Männer – hat die Staatsanwaltschaft auf den Tisch bekommen. Die verfolgten Delikte: besonders schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, Verstoß gegen das Versammlungsgesetz.

Die meisten Verfahren sind abgeschlossen. Mit am härtesteten erwischte es Löwen-Fan Lukas B. (25). Er bekommt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten aufgebrummt. Die Haft wird zwar zur Bewährung ausgesetzt, aber er muss zusätzlich die Kosten für die Randale übernehmen: 10.721 Euro für zwei zerstörte Fangnetze, dazu kommt eine Geldstrafe von 1.200 Euro.

Fünf Prozesse stehen noch aus. Der nächste startet am 5. Juli.

 

8 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading