AZ-Gespräch Star-Köchin Poletto: "Ich will einen Genuss-Mann"

Fröhlich und entspannt: Cornelia Poletto am Herd beim Carpe-Diem-Lunch. Foto: Babirad

Nach einem Stern, dem eigenen Lokal und vielen TV-Sendungen fehlt der Hamburgerin nur noch ein Partner. Trotzdem ist sie glücklicher denn je.
Mit der AZ spricht sie über ihr köstliches Leben

 

Es brutzelt und brennt – und sie steht völlig entspannt zwischen Bergen von Scampi, Spargel und Gewürzen am Herd: Star-Köchin Cornelia Poletto (40), eine der wenigen Frauen, die es zu einem Stern und TV-Ruhm („Lanz kocht”) gebracht hat.

Im Studio D im Westend lädt die Getränke-Firma Carpe Diem zum Kombucha-Lunch. Für die 30 geladenen Gäste steht eine lange, frühlingshaft dekorierte Tafel bereit.
Annemarie Foidl, Präsidentin der österreichischen Sommeliervereinigung, erklärt, wie sich die Aromen des Wellness-Drinks durch ein Stück Tomate oder Käse verändern.

In der Zwischenzeit bereitet Cornelia Poletto ihr Essen zu. Sie rührt und rührt den Risotto-Reis, schmeckt ab und braucht mehr Butter. Zeit für ein Gespräch über ihr köstliches Leben.

AZ: Frau Poletto, was ist das beste bayerische Essen?

CORNELIA POLETTO: Weißwürste! Die liebe ich. Und ein klassischer Schweinsbraten. Als Hamburgerin mache ich den leider viel zu selten.

Dabei haben Sie Ihre kulinarischen Wurzeln in Bayern. Wie war Sterne-Koch Heinz Winkler als Chef?

Für seine Nettigkeit ist er nicht bekannt. Es war damals hart, unter ihm zu arbeiten. Ich musste immer aufpassen, auch ja seinem Niveau gerecht zu werden. Aber natürlich habe ich auch viel gelernt.

Das Wichtigste?

Ich halte Heinz für den größten Saucen-Koch. Außerdem hat er mir beigebracht, wie wichtig es ist, dass Wein und Essen zusammen passen. Heute verstehen wir uns sehr gut. Durch Heinz standen für mich danach alle Türen offen.

Warum gibt es in Ihrer Branche so wenig Frauen?

Koch ist ein knallharter Job. Es geht viel um Verzicht. Der Alltag verändert sich total – und damit auch der Freundeskreis. Man arbeitet immer am Wochenende, hat abends nie Zeit. Gerade die Sterne-Küche ist enorm anstrengend. Es geht um den absoluten Perfektionismus.

Sind Sie traurig, dass Sie keinen Stern mehr haben?

Nein, ich bin heute viel entspannter. Der Druck ist weg. Ich bin froh, dass ich meinen Feinkostladen mit kleinem Restaurant habe. Aber am glücklichsten macht mich meine zehnjährige Tochter Paola. Sie hat mir gezeigt, dass es nicht nur um den Beruf im Leben geht.

Wie kriegen Sie Kind und Küche hin?

Heute, da ich in München bin, passt mein Ex-Mann auf sie auf. Wir hatten ja das gemeinsame Sterne-Lokal. Trotz der Scheidung verstehen wir uns noch ganz gut.

Könnten Sie sich in einen Mann verlieben, der nicht kochen kann?

Klar! Das fände ich nicht schlimm, schließlich kriege ich das selbst ganz okay hin. Ich will lieber einen Genuss-Mann, der gerne isst.

Wie schaffen Sie es bei Ihrem Job, so schlank zu bleiben?

Leider kann ich nicht alles essen und nicht zunehmen. Ich muss da schon ein bisschen aufpassen. Aber von Diäten halte ich nichts. Ich gehe lieber joggen. Und wenn die Hose doch mal etwas mehr kneift, laufe ich schneller. Oft fehlt mir aber die Zeit.

Sie haben Ihre eigene Koch-Sendung, sind Stammgast bei „Lanz kocht” – geht es heute nicht mehr ohne Fernsehen?

Sich nur aufs Fernsehen zu verlassen und dafür sein Lokal aufzugeben – wie es ja viele Kollegen machen – halte ich für einen Fehler. Die TV-Karriere kann morgen vorbei sein. Und dann? TV-Shows sind für mich eine nette Nebensache.

Ist Markus Lanz der richtige Gottschalk-Nachfolger?

Mittlerweile finde ich ihn perfekt für „Wetten, dass. . ?”.

„Lanz kocht” soll aber deshalb eingestellt werden. . .

. . . Daran glauben wir alle noch nicht. Falls doch, kochen wir halt bei „Wetten, dass. . .?” hinterm Sofa weiter.

Ihr erstes Gericht?

Mit 18. Mein Stiefvater hat mir ein Witzigmann-Buch geschenkt. Ich habe Fasan probiert. Es hat irre trocken geschmeckt, aber die Soße war echt gut. Da bin ich auf den Geschmack gekommen.

Was gibt’s an Ostern?

Ich liebe Lammkeule. Aber diesmal sind wir in New York. Da lass ich mich zur Abwechslung mal bekochen.

 

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