AZ-Gespräch "Ich würde nichts anderes machen wollen" - Eine Sanitäterin erzählt

Susanne Hierold (36) ist seit 17 Jahren bei den Maltesern in Niederaichbach. Foto: cm

Susanne Hierold ist Rettungsassistentin: Seit 17 Jahren kümmert sie sich um Menschen.

 

Weil sie damals nicht einfach zur Bundeswehr konnte, machte Susanne Hierold erst einmal die Ausbildung zur Rettungsassistentin. Es war nur als Mittel zum Zweck gedacht. Heute ist sie seit 17 Jahren bei den Maltesern in Niederaichbach und könnte sich keinen anderen Beruf für sich vorstellen. Sie hat sich für die AZ an besondere Momente erinnert, die sich in ihr Gedächtnis gebrannt haben.

AZ: Frau Hierold, was war denn Ihr schönstes Erlebnis als Rettungsassistentin?

SUSANNE HIEROLD: Am schönsten ist es, wenn man wirklich helfen kann. Leider werden wir auch oft zu Einsätzen gerufen, bei denen es nicht nötig gewesen wäre. Wenn wir kommen müssen, nur weil das Knie etwas zwickt, verlieren wir bei einem anderen Einsatz wertvolle Minuten, weil die Kollegen aus einer anderen Wache anrücken müssen.

Bei meinem schönsten Erlebnis dachte ich auch an eine Übersprungshandlung der Patienten. Wir wurden zu einer Frau gerufen, die kurz vor der Entbindung stand. Meistens handelt es sich nur um starke Wehen, die Frauen kommen noch leicht ins Krankenhaus und es dauert noch Stunden, bis das Kind kommt. Als wir aber vor Ort ankamen, war klar: Allerhöchste Eisenbahn - der Kopf des Kindes war schon zu sehen.

Eine Viertelstunde später war das Baby auch schon auf der Welt. Mutter und Kind waren wohl auf und gesund. Hier konnten wir wirklich helfen und ich hielt quasi das Ergebnis meiner Arbeit danach noch auf dem Arm.

Das klingt nach einem bewegenden Moment. Wollen Sie auch noch von einer negativen Erfahrung erzählen?

Unsere Devise ist, nichts mit nach Hause zu nehmen. Man sollte die Erfahrungen am besten mit der Uniform ablegen. Aber es gibt selbstverständlich Einsätze, an denen man zu knabbern hat. Vor einigen Jahren ist ein Jugendlicher mit seinem Motorrad tödlich verunglückt. Als wir am Unfallort ankamen, konnten wir nichts mehr tun. Wenige Minuten später trafen die Eltern der Jungen ein und wir konnten nur noch die Nachricht überbringen, dass ihr Sohn gestorben ist. Die beiden brachen vor Ort zusammen und schrien. Wir sind auch immer als Seelsorger unterwegs, aber in diesem Fall hat mich dieses Schicksal sehr bewegt. Es hilft immer, mit den Kollegen zu sprechen. Gott sei Dank sind solche schlimmen Unfälle aber nicht die Regel. Oft erleben wir auch einfach nur Skurriles.

Zum Beispiel?

Manchmal kommt es vor, dass Leute kollabieren und einfach umfallen. Aber es lässt sich nun mal nicht planen, wo jemand hinfällt. Hier erleben wir es oft, das Leute nach dem Sturz eingeklemmt sind und wir sie erst einmal befreien müssen. Ein Kollege war bei einem Einsatz, bei dem ein Mann bewusstlos wurde und mit seinem Auge direkt auf die Klobürste fiel. Aus einem "harmlosen" Kreislaufkollaps kann so schnell eine schlimme Verletzung entstehen. Skurril finde ich daran, dass die Wahrscheinlichkeit so gering ist, aber solche Dinge immer wieder passieren.

 

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