AZ fragt Sportjurist Ismaik-Rauswurf? - "1860 hat ganz schlechte Karten"

, aktualisiert am 26.07.2017 - 11:05 Uhr
Ein Großteil der Fans hat genug von ihm, er will aber weitermachen: Löwen-Investor Hasan Ismaik. Foto: Rauchensteiner/Augenklick//dpa

Der TSV 1860 will seinen Investor loswerden. Der Sportjurist Michael Lehner bewertet den Fall Ismaik – und sieht den Löwen-Investor klar im Vorteil.

 

München - Der TSV 1860 und Hasan Ismaik – echte Liebe ist das nicht. Schon der Einstieg des Investors im Jahre 2011 war umstritten, in den folgenden sechs Jahren lag man regelmäßig miteinander im Clinch. Bald streitet man womöglich vor Gericht über die Scheidung. "Den Eigenernährer vor die Tür setzen? Das könnte schwierig werden", sagt Dr. Michael Lehner der AZ. Nach dem Antrag von Ulla Hoppen auf Beendigung des Kooperationsvertrags erklärt der auf Sportrecht spezialisierte Anwalt: "In einem Rechtsstreit hat 1860 ganz schlechte Karten, Ismaik loszuwerden."

Der Grund: "Selbst wenn der Kooperationsvertrag gekündigt wird, bleibt er mit 60 Prozent der Anteile Hauptgesellschafter der ausgegliederten Fußballfirma." Einen etwaigen Anteilsentzug könne es nur bei "sehr schweren Verfehlungen" geben, was Lehner als "sehr unwahrscheinlich" bezeichnet – und übrigens selbst dann nicht "für lau", sondern "für einen Gegenwert, der den Marktwert der Anteile widerspiegeln müsste." Der ist durch den doppelten Abstieg allerdings stark gesunken.

Geldgeber ist nicht zu Ausgaben verpflichtet

Eine Hauptpflichtverletzung durch die Verweigerung der Lizenzzahlungen für Liga drei, wie es Hoppen erklärte, sehe Lehner nicht: "Der Geldgeber ist ja nicht verpflichtet, für immer und in unendlicher Höhe Geld zu geben. Das ist eine wirtschaftliche Entscheidung."

Seine Prognose: "Mit Juristerei ist da gar nichts zu lösen, es gilt vielmehr im Falle eines Rechtsstreits, der sich über zwei Instanzen mehrere Jahre hinziehen kann, das Motto: außer Spesen nichts gewesen. Entweder man findet einen gemeinsamen Weg für die Zukunft oder man vollzieht eine einvernehmliche Trennung."

Ismaik, der kürzlich eine Klage gegen die 50+1-Regel einreichte, hat einen Anteilsverkauf mehrfach rigoros ausgeschlossen. Übrigens: Lehner sehe auch durch Ismaiks Klage gegen jene von ihm bisher akzeptierte Regelung, die seinen Einfluss mindert, keinen Verstoß: "Wenn jemand im Nachhinein sein Recht sucht, kann ihm das nicht verboten werden." Was sich allerdings verbietet: Der Glaube, die Hassliebe zwischen 1860 und Ismaik könne einfach so enden.

 

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