AZ-Filmkritik "Zuhause ist es am schönsten": Italienische Emotionen

Paolo (Stefano Accorsi) startet ein Techtelmechtel mit seiner Cousine Isabella (Elena Cucci). Foto: Wild Bunch Germany / Capelight Pictures

In der Komödie "Zuhause ist es am schönsten" entwirft Gabriele Muccino ein Fresko familiärer Beziehungen.

Es hätte ein tolles Fest sein können, die Goldene Hochzeit von Alba und Pietro (Stefania Sandrelli und Ivano Marescotti). Das Paar will seine Liebe feiern und hat die Großfamilie ins Luxusdomizil auf Ischia eingeladen. Ein idyllischer Rahmen, prickelnde Romantik, Urlaubsfeeling.

Doch schon bald bröckelt die Harmonie, unter der Oberfläche brodelt es gewaltig. Dolcefarniente sieht anders aus. Aber einen Tag will sich die Horde zusammenreißen. Als wegen eines Sturms keine Schiffe fahren und die Mischpoke 48 Stunden länger auf der Insel bleiben muss, schwappen nicht nur die Meereswellen, sondern auch die Gefühle hoch, brechen die Dämme.

Sohn Carlo leidet unter den Schimpfkanonaden seiner Frau, die seine Ex und Tochter aus erster Ehe eifersüchtig beobachtet, Tochter Sara träumt von einem weiteren Kind, während ihr Gatte ständig mit der wütenden Geliebten in Paris telefoniert, Lieblingssohn Paolo, frisch vom Selbstfindungstrip in Patagonien zurück, geht bei seiner Cousine erfolgreich aufs Ganze. In lockerem Erzählrhythmus entwirft Gabriele Muccino ein Fresko familiärer Beziehungen und gleichzeitig ein Abbild der italienischen Gesellschaft, ein Leben zwischen Pathos, Lässigkeit und verzweifelter Glückssuche. Typisch für unsere Zeit und dennoch zeitlos.

Eine Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs ist hier Ausgangs- und Fluchtpunkt, aber auch Ort der Rückkehr. Für Muccino ist es nach zwölf Jahren Hollywood auch die Rückkehr in die Heimat und die gelingt ihm überzeugend mit Humor, Herz und Hirn. In diesem temporeichen, witzigen und leicht melancholischen Reigen mit klugen Kindern und unreifen Erwachsenen hat jeder sein Päckchen zu tragen und muss irgendwann Farbe bekennen. Gute Manieren, ade!

Insgesamt 19 Personen wuseln in dieser commedia all'italiana herum, speisen und zechen, streiten und lieben, belügen und beschuldigen sich, und wenn es gar zu garstig wird, haut ausgerechnet das schwarze Schaf der Sippe in die Tasten des lackschwarzen Klaviers. Beim gemeinsamen Schmettern alter Schlager herrscht kurz Waffenstillstand. Wenn sich am Ende die Wogen glätten und nach den Chaostagen jeder verändert in seinen Alltag zurückkehrt, mag man sie, diese liebenswerten Verrückten neben der Spur.

R: Gabriele Muccino (I, 108 Minuten)

Kinos: ABC, Theatiner

 

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