AZ-Filmkritik "Zoolander 2": Albern bis zur Glitterbombe

Nein, sie verlassen hier nicht die gerade zu Ende gegangene Jean-Paul-Gaultier-Ausstellung in München: Ben Stiller und Owen Wilson als Mode-Freaks Foto: PPG

„Zoolander 2“: Ben Stiller ist nach 15 Jahren zurück als Supermodel im Modeklamauk.

 

So weit, so normal in der Socia-Media-World: Justin Bieber stellt bei Instagram ein Selfie mit Duckface ein, und das mediale Echo ist unerhört. Allerdings machte der Popstar das Foto mit seinem letzten Atemzug: Er wurde brutal niedergemetzelt, und seine geschürzten Lippen geben einen Hinweis auf seinen Mörder.

Entschlüsseln kann diesen Hinweis nur einer: Derek Zoolander. Das dümmste Model aller Zeiten versucht sich 15 Jahre nach seinem ersten Kinoauftritt an einem Comeback – und kommt damit 14 Jahre zu spät: „Zoolander 2“ ist eine anstrengende Retro-Comedy, in der Autor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller Ben Stiller alles eine Nummer größer macht als im ersten Teil.

Den Anschluss hat der Film trotzdem verpasst. Vor 15 Jahren war Derek Zoolander ein Weltstar, 2016 kennen ihn nur noch zwei Prozent aller Schulabgänger. Genauso viele wie – so erklärt es der Film – schon von einem Faxgerät gehört habe. Das mag daran liegen, dass sich Zoolander seit Jahren versteckt. Die Karriere ist im Eimer, seine Frau ist tot, und der Sohn wurde ihm vom Jugendamt weggenommen, damit Derek Junior nicht verhungert. Zoolander Senior hatte es einfach nicht geschafft, Spaghetti weich zu kriegen.

So dumm kann man eigentlich nicht sein, außer man ist Teil eines „Dumm und Dümmer“-Films. Dass sich der Humor und die Sehgewohnheiten in der Zwischenzeit grundlegend verändert haben, ignoriert Ben Stiller mit bemerkenswerter Konsequenz.

Zoolander wird trotzdem von einem sehr modernen Modemacher reaktiviert. Auch sein alter Erzfeind und Kumpel Hansel (Owen Wilson) taucht wieder auf. Irgendwie geraten beide in ein Komplott, in dem es um die Eitelkeiten der Modebranche geht. Eine wichtige Rolle spielt wieder der schurkische Modezar Mugato (Will Ferrell), der aus dem Fashion-Gefängnis heraus finstere Pläne schmiedet.

Neu dabei ist die von Penélope Cruz gespielte Geschmackspolizistin Valentina aus Interpols Fashion-Abteilung: Die ist alarmiert, dass immer mehr Popstars ermordet werden, und bittet Derek und Hansel um Hilfe. Die sind freilich vor allem damit beschäftigt, sich lächerlich zu machen in einer Welt, die sie noch viel weniger verstehen als vor 15 Jahren.

Stiller hat den Film mit viel Bombast und viel Comedy-Action inszeniert – als eine Art Bond-Persiflage mit maximaler Dümmlichkeit, die sich in Glitter auflöst. Garniert wird der Spuk von zahlreichen Gastauftritten: Lenny Kravitz, Billy Zane, Kim Kardashian, Kanye West, Lewis Hamilton, Katy Perry, Willie Nelson und nicht zuletzt Sting, der ein überraschendes Vaterschaftsbekenntnis macht. Das alles ist ein bisschen zu viel des Guten. Man kann sich bei „Zoolander 2“ nur amüsieren, wenn man sich darauf einstellt, dass der Film maximal albern ist.   


Kino: Cinemaxx, Mathäser, sowie Museum (OV), R: Ben Stiller (USA, 99 Min.)

Verlosung: Zum Start verlosen wir drei Fanpakete mit je zwei Kinokarten und einem Kapuzenpulli. Wer gewinnen will, schreibt bis Samstag, 20.02.2016 an kultur@az-muenchen.de, Stichwort „Zoolander“

 

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