AZ-Filmkritik "Yesterday": Wer sind eigentlich die Beatles?

Jack Malik (Himesh Patel) war völlig erfolglos – bis ein Stromausfall das globale Gedächtnis löschte und die Beatles spurlos verschwanden. Foto: Universal

"Yesterday" ganz ohne die Fab Four? Ein globaler Stromausfall macht’s möglich und beschert dem erfolglosen Jack eine irre Karriere.

 

Sein ganzes junges Leben hat Jack Malik (Hamesh Patel) davon geträumt, als Singer-Songwriter groß rauszukommen. Aber jetzt geht er auf die Dreißig zu, jobbt als Regalauffüller im Supermarkt und singt sich am Wochenende immer noch in halb vollen Provinz-Pubs die Seele aus dem Leib. Dann wird Jack während eines globalen Stromausfalles von einem Bus angefahren. Zwei Zähne fehlen, als er im Krankenhaus aus der Bewusstlosigkeit wieder aufwacht.

Bald muss Jack feststellen, dass dem Rest der Welt sehr viel mehr abhanden gekommen ist. Als er aus dem Hospital entlassen wird, schenken ihm seine Freunde eine neue Gitarre. Zur Einweihung des Instruments spielt Jack "Yesterday" von den Beatles und schaut danach in die ehrfürchtig schweigende Runde.

Mit offenem Mund und Tränen in den Augen haben die Freunde seiner Darbietung gelauscht. Ob er das selbst geschrieben habe, fragen sie und versichern noch nie etwas von einer Band namens "Beatles" gehört zu haben. Zuhause am Computer ist auch Google keine große Hilfe.

"Yesterday" ist ein leichtfüßiger Feel-Good-Movie

Weder die Band noch Namen wie Paul McCartney, John Lennon, George Harrison oder Ringo Star bringen irgendwelche Treffer. Die Beatles sind aus dem Gedächtnis der Welt gelöscht und Jack, der während des mysteriösen Stromausfalles bewusstlos war, ist der einzige, der sich an die Fab Four und ihre Musik erinnern kann.

Aus einer kleinen, originellen Prämisse schneidern Regisseur Danny Boyle ("Slumdog Millionaire") und Drehbuchautor Richard Curtis ("Notting Hill") ein leichtfüßiges Feel-Good-Movie, das die musikalischen Retro-Sehnsüchte der Jetzt-Zeit, wie sie sich im Erfolg von "Bohemian Rhapsody" und "Rocket Man" materialisieren, gleichermaßen bedient und karikiert. Denn natürlich kann der britische Provinzbarde nicht widerstehen und kurbelt mit den geklauten Beatles-Songs die eigene Karriere an. Kein geringerer als Ed Sheeran sieht Jacks Auftritt in einer TV-Show und nimmt ihn als Supporting Act mit auf Tour.

Nach einem Auftritt in Moskau ("Back in the USSR") und einem neuen Album geht die Karriere des Imitators durch die Decke. Nur wenn er nach seinen Inspirationen gefragt wird, gerät er ins Schleudern. Mit "Yesterday" gelingt es Boyle und Curtis einen humorvollen, frischen Blick auf das Werk der Beatles zu legen.

"Yesterday" ist kein Film für Klugscheißer

Unübersehbar atmet der Film den freudvoll-melancholischen Geist, der auch die Musik der legendären Band auszeichnete. Curtis hat sich mit brillanten romantischen Komödien wie "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", "Notting Hill" und "Love, Actually" in die Filmgeschichte eingeschrieben und diese aufrichtig menschenfreundliche Haltung weht ebenfalls durch "Yesterday" – auch wenn die Liebesgeschichte zwischen Jack und Ellie (Lily James) etwas zu übersichtlich geraten ist.

Sicherlich ist "Yesterday" kein Film für Klugscheißer. Die Prämisse des partiellen globalen Gedächtnisverlusts hält natürlich einer genaueren Logikprüfung nicht stand. Wer hier die Spaßbremse spielen will, findet genug Ansatzpunkte.

Alle anderen, die auch gern einmal ein Auge zudrücken, werden mit einer herzallerliebsten und sehr britischen Komödie belohnt, die ihr williges Publikum beschwingt in den Sommeralltag entlässt.


Kinos: Astor Cinema Lounge im Bayer. Hof (Dt), City Kinos (Dt, OmU), Cinema (OV), Leopold (Dt), Monopol (Dt), Rio (Dt), Royal (Dt) Museum Lichtsp. (OV)

Regie: Danny Boyle, (GB/USA , 117 Minuten)

 

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