AZ-Filmkritik "Was Männer wollen": Aufgebackene Semmeln

Taraji P. Henson und Tracy Morgan in der US-Komödie "Was Männer wollen". Foto: Paramount / Jess Miglio

Witz auf der nach unten völlig offenen Skala: "Was Männer wollen" – nämlich nur das Eine und Karrieremachen.

 

In Nancy Meyers harmloser Komödie "Was Frauen wollen" aus dem Jahre 2000 plumpste Mel Gibson samt Föhn in die Badewanne und konnte nach dem Stromschlag die Gedanken der Frauen hören. Ja, er wusste plötzlich, was Männer angeblich nie verstehen, nämlich "Was Frauen wollen" – und nutzte das zu seinem Vorteil.

In einer Art Remake aus weiblicher Sicht ist es die Sportagentin Ali Davis, die wie wild ackert und in enge Kleider zwängt, aber bei der Beförderung wieder übergangen wird. Nach mysteriösem Tee bei einer wundersamen Wahrsagerin und dem Party-Unfall mit einem aufblasbaren riesigen Penis wacht sie im Krankenhaus auf und kann Gedanken hören: die Gedanken von Männern.

Humor bei "Was Männer wollen" überschreitet Grenzen

Nach dem ersten Schock sieht sie die Sache positiv, erfährt so von der geheimnisvollen Pokerrunde der Kollegen, die sie dann gnadenlos abzockt. Das neue Wissen gibt auch dem Geschäft Auftrieb, verpflichtet sie durch "Einfühlungsvermögen" und eine Tasse Kaffee doch einen jungen und talentierten Basketballspieler als Klienten. Glotzt ein Macho sie an und überlegt, ob er nicht vor der Hochzeit mal eine Schwarze flach legen soll, haut sie ihn in die Weichteile.

Der Humor ähnelt dem der Farrelly-Brüder ("Verrückt nach Mary"), die gerne die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. So hüpft Ali beim Sex auf dem netten Kerl herum wie auf einem Trampolin, rüttelt und schüttelt ihn, reißt an den Ohren und rollt sich dann schnarchend ins Kissen: wohl eine etwas missglückte Spitze gegen egoistischen Männer-Sex.

"Was Männer wollen" wird immer plumper

Typisch für den Witz auf der nach unten offenen Skala ist die Szene, in der Ali morgens mit am Kostümchen hängenden (gebrauchten) Kondömchen im Büro auftaucht. Was ihr schwuler Assistent diskret in seiner Jackentasche verschwinden lässt.

Josh Brenner mimt diesen herrlich stoischen Typen mit Nonchalance und Ironie an der Seite der Energie geladen Afroamerikanerin Taraji P. Henson, die manchmal mit Overacting und schriller Lautstärke nervt. Adam Shankman ("The Wedding Planner") entwirft ein ziemlich ausgedientes Frauenbild. Obgleich es um Benachteiligung im Berufsleben geht, serviert er bekannte Klischees wie aufgebackene alte Semmeln. So mutieren kreischende Weiber, die sich vorm Traualtar in den Haaren liegen, weil Ali den Bräutigam der besten Freundin der Untreue bezichtigt, zu Karikaturen wie aus der Mottenkiste.

Die Botschaft der anfänglich putzigen, dann leider immer plumper werdenden Komödie: Männer sind Schweine und wollen nur das Eine, wenn sie nicht gerade auf Kosten der Kollegin an ihrer eigenen Karriere basteln.


Kino: Mathäser (auch OV), Museum (OV)

Regie: Adam Shankman (USA, 117 Min.)

 

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