AZ-Filmkritik "Vorwärts immer" - In der Banalitätsfalle

Otto (Jörg Schüttauf) ist der wohl beste Honecker-Darsteller der DDR. Besser als das Original? Foto: 2017 Nadja Klier / DCM

"Vorwärts immer" ist eine schlimme Klamotte über ein Double von Erich Honecker.

 

Dreizehn Jahre und über 50 Drehbuchfassungen soll es bis zur Fertigstellung gedauert haben. Ach, hätten Ko-Autor und Produzent Philipp Weinges und Regisseurin Franziska Meletzky doch noch ein Jährchen mehr Arbeit investiert, vielleicht wäre dann aus dieser peinlichen Klamotte eine wirklich bissige Komödie geworden. Obgleich das bei dem Plot – ein Doppelgänger pfuscht Erich Honecker in die Politik – auch nicht sicher ist.

Das filmische Elend von "Vorwärts immer!" beginnt mit dem Plan der Tochter (Josefine Preuß) des DDR-Schauspielers Otto Wolf, illegal in den Westen "rüber zu machen". Das gefällt dem eigentlich systemkritischen Papa nun gar nicht, er zerreißt wutentbrannt ihren gefälschten Pass, nicht wissend, dass die Stasi ihn dabei fleißig beäugt.

Das starrköpfige Mädel muss also in Leipzig ausgerechnet am denkwürdigen 9. Oktober 1989 ein neues Dokument besorgen und gerät unter die "Wir sind das Volk" skandierenden Montags-Demonstranten. Die Soldaten der Nationalen Volksarmee stehen schon in den Startlöchern, es droht ein Blutbad. Da kommt Wolf, dem begnadeten Honecker-Imitator mit Nuschelqualität und seinen Theaterkollegen eine wahnwitzige Idee: Während Honecker in Wandlitz auf der Jagd ist, soll er als dessen Double bei den greisen Bürokraten im Zentralkomitee dafür sorgen, dass der Schießbefehl aufgehoben wird.

Aneinanderreihung alberner Sketche

Mit Hut auf dem Kopf und einem mulmigen Gefühl im Magen macht sich Jörg Schüttauf in seiner Doppelrolle auf, das Politikspiel neu zu justieren und darf dabei auch die sonst so spröde Margot Honecker becircen, die ganz neue (erotische) Seiten an ihrem biederen "Alten" entdeckt. Bis sich der Echte und der Falsche gegenüberstehen, vergeht viel lähmende Zeit. Die wird auch nicht lustiger dadurch, dass Schüttauf die Treppe im Staatsratsgebäude herunter fällt oder Figuren wie Egon Krenz und Erich Mielke (dargestellt von "heute show"-Reporter Alexander Schubert und André Jung) an Knallchargen erinnern, Stasi-Männer an grenzdebile Befehlsempfänger.

Die Aneinanderreihung zumeist alberner Sketche trifft nur selten die politischen Absurditäten und Abgründe, verfängt sich heillos in der Banalitätsfalle. Das vorhandene schauspielerische Potenzial, auch von Jakob Matschenz und Devid Striesow, verpufft. So einen Klamauk haben die friediche Revolution und der Tag der Entscheidung nicht verdient.


Kino: Sendlinger Tor, Monopol
Regie: Franziska Meletzky (D 2016, 98 Min.)

 

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