AZ-Filmkritik "Under the Silver Lake": Im Labyrinth der Bedeutungen

Andrew Garfield und Riley Keough. Foto: Weltkino

David Robert Mitchell verheddert sich in "Under the Silver Lake" im filmischen Rätsel.

 

Warum den Tag mit Arbeit vergällen, wenn man sich auf dem Balkon herum fläzen, Comics lesen oder durch die Jalousien mit dem Fernglas halbnackte Nachbarinnen beäugen kann? Dass der Vermieter sein Geld will und der Rausschmiss droht, das Auto auch bald verkauft werden muss, juckt den 33-jährigen Sam kein bisschen.

Erst einmal interessiert ihn nur die attraktive Sarah, die sich lasziv am Pool räkelt. Deren Herz gewinnt er dadurch, dass er ihren Hund mit Leckerli verwöhnt. Nachdem das Objekt der Begierde ihn nächtens zu sich einlädt, erwachen seine Lebensgeister. Als sie am nächsten Tag verschwunden ist, im leeren Appartement seltsame Zeichen an der Wand gekrakelt sind, stürzt er sich in ungewohnten Aktionismus, erhofft sich ein Abenteuer, das ihn aus Langeweile und Bedeutungslosigkeit erlöst. Wo mag die Unbekannte stecken?

Die Suche der Suche willen

In David Robert Mitchells Mix aus Mystery Thriller, Komödie und esoterischem TamTam geht's irgendwann nicht mehr so richtig weiter. Die mit seltsamen Subtexten und obskuren Verschwörungstheorien verzierte Story dreht sich im Kreis. Man hat bald genug von der Frage, welche versteckten Bedeutungen in Filmen, Zeitschriften und Musik zu finden sind, was man mit diesen überhaupt anfangen, wie man sie interpretieren soll.

Es geht nicht darum, dass er die Frau liebt, sondern um die Suche der Suche willen. Die führt ihn in die eigenartigsten Ecken von Los Angeles, zu religiösen Spinnern, total Durchgeknallten und auf dekadente Partys mit innerlich hohlen Schönheiten. Und nebenbei noch auf die Spur eines Hundekillers.

Andrew Garfiel als Symbol einer Generation ohne Ziel und Antrieb

Eine "Schatzkarte" sollte ihn zur Vermissten leiten und dass er immer wieder über die Band "Jesus and the Bridges of Dracula" oder einen Typen mit Augenklappe stolpert, signalisiert einen höheren Sinn für die männliche Figur, weniger für den Betrachter. Die filmischen Anspielungen sind Zuckerl für Cineasten und Andrew Garfield als Typ, der zwischen allen Seilen hängt, macht sich gut.

Wie er eine ganze Generation ohne Ziel und Antrieb repräsentiert, sich durch den Alltag wuselt, ist nett und unterhaltsam, aber auch nicht mehr. Da helfen auch die für Mitchell ikonischen Bilder einer Stadt, die auf Träumen und bewegten Bildern basiert, ziemlich wenig. Vielleicht muss man einfach mitschwimmen im Sog des Films und schauen was passiert. Sam fällt jedenfalls am Ende wie eine Katze wieder auf die Füße.


Kino: City sowie Cinema (OV), B&R: David Robert Mitchell (USA, 139 Min.)

 

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