AZ-Filmkritik "Tully": Charlize Theron ist Mutter ohne Freude

Tully (Mackenzie Davis, links) rettet Marlo (Charlize Theron) als leicht wahnsinnige Mary-Poppins-Figur aus der Mutterschafts-Hölle. Foto: DCM/dpa

In "Tully" hadert Charlize Theron als gequälte Mutter mit ihrem Schicksal.

 

Kindererziehung kostet Nerven und Zeit und macht Stress. Für Regisseur Jason Reitman bietet der oft banale Alltag zwischen Babybrei und Kindergeschrei Stoff für den dritten Film zum Thema. Schon in "Juno" und "Young Adult" nahmen sich Reitman und seine Co-Autorin Diabolo Cody den Untiefen der Mutter- und Elternschaft an. Mit "Tully" gehen sie noch einen Schritt weiter. Elf Jahre nach "Juno" zeigen sie, dass die vermeintliche Traumberufung Mutter auch eine ziemliche Hölle sein kann.

Marlo (Charlize Theron) ist 40, als sie unerwartet ihr drittes Kind bekommt. Die erneute Schwangerschaft kommt für die Mutter einem seelischen Todesurteil gleich, denn auch ohne den Säugling bestimmen die verunsicherte Tochter und der leicht autistische Sohn ihren Alltag.

Für die drei Kinder gibt Marlo sich, ihren Körper und ihr eigenes Leben endgültig auf. Erst ihr Bruder hat die rettende Idee: Er bestellt eine Nachtschwester, die Marlo entlasten und sich um das Baby kümmern soll. Zunächst ist Marlo skeptisch, doch Tully (Mackenzie Davis) entpuppt sich schnell als Segen. Sie beginnt aber auch, Marlos Leben Stück für Stück umzukrempeln.

Charlize Theron verkörpert in "Tully" eine überforderte Mutter

Jason Reitmans Comeback-Film lebt von Charlize Therons und Mackenzie Davis’ intensivem Zusammenspiel. Der Zuschauer spürt die Erleichterung, die Therons Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs überkommt, wenn das Kindermädchen ihr die Sorgen abnimmt und ihr Leben auch jenseits von Pubertätswahnsinn und Drei-Monats-Koliken wieder in die Gänge bringt.

In jedem anderen "Eltern"-Film wäre Tully die Mary Poppins, die das Leben bunter macht, in Reitmans Komödie darf ihr Charakter einen Hang zum Wahnsinn ausleben, der ihr eine bedrohliche Note gibt. Was diese Frau mit sich herumträgt, verrät der Film in einer interessanten Wendung. Wenn "Tully" einen Makel hat, dann, dass er das Thema einer depressiven Mutter zu leicht nimmt. Hierfür musste der Regisseur nach der Premiere des Films auf dem Sundance Filmfestival Kritik einstecken. Abgesehen davon ist "Tully" eine gut gemachte Mischung aus Drama und Komödie, die einen erfrischend ehrlichen Blick auf das Thema Eltern- und Mutterschaft wirft. Nicht ganz so gut wie "Juno", aber sehenswert.


Kinos: Cinemaxx, Filmtheater Sendlinger Tor, City, Museum Lichtspiele (OV), Leopold, Monopol B&R: Jason Reitman (USA, 94 M)

 

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