AZ-Filmkritik "The Founder": Die Religion der goldenen Bögen

Michael Keaton als Ray Kroc. Foto: Splendidfilm

Michael Keaton im geschmeidig amüsanten Film "The Founder" als Mann, der sich und McDonald’s groß gemacht hat.

Wie sagte Andy Warhol so schön provokativ: "Das Schönste in Florenz ist McDonald’s. Peking und Moskau haben noch nichts Schönes." Diese Zeiten sind vorbei. Nicht nur, weil die beiden Städte längst Dutzende Filialen haben, sondern weil der Kulturkampf um McDonald’s seit langem an Brisanz verloren hat: Fastfood ist die allgemeine Essensunkultur geworden, und schlecht bezahlte Minijobs sind akzeptierter Teil unseres Arbeitsmarkts.

Da passt der Film "The Founder" von John Lee Hancock wunderbar, der noch einmal pastellfarben in die frühen 50er zurückspringt, als Ray Kroc (erneut oscarreif gespielt von Michael Keaton) als Handelsreisender für Multimixer durchs amerikanische Wirtschaftswunder-Land fährt. Er kommt dabei im kalifornischen San Bernardino vorbei, hat Hunger und stößt auf einen größeren Kiosk: McDonald’s. Der Kulturschock: Zwar kommt keine Rollschuhbedienung in Hotpants ans Autofenster, vielmehr muss man aussteigen. Aber Kroc bekommt schon 30 Sekunden nach der Bestellung seine Lunch-Tüte in die Hand. Ray Kroc ist klar, dass er hier gerade eine Time-is-Money- und Umsatz-Revolution erlebt.

"Die Geschichte wird immer vom Sieger geschrieben", lautet der Untertitel des charmant-witzigen American-Dream-Films. Denn Kroc war eben nicht der Erfinder von McDonald’s. Vielmehr musste er über Finten und gefährliche Auseinandersetzungen den stolzen Fastfood-Brüdern Mac (John Carrol Lynch) und Dick (Nick Offerman) mit ihrem einzigen Schnellrestaurant die Idee abtrotzen, das ganze landesweit aufzuziehen. Die konservativen Bremser, die Coca-Cola als Sponsor ablehnen und keinen Milchshake ohne Milch auf der Karte wollen, sind – durchaus auch gerissene – Traditions- und Qualitätsfetischisten.

Eine amüsante Bebilderung des amerikanischen Traums

Aus diesem Konflikt zweier uramerikanischer Unternehmer-Typen schlägt "The Founder" Funken. Und beide Seiten sind keine reinen Sympathieträger, was den Film aufregend macht. Überhaupt hält der Film eine schöne Schwebe zwischen der amüsanten Bebilderung des amerikanischen Traums, des subtilen Klassenkonflikts zwischen einem Neureichen und konservativer Elite in Krocs Heimat Illinois und seinen hasardeurhaften finanziellen Abenteuern. Dabei ist der Film niemals zynisch oder ideologisch, allenfalls etwas zu zahnlos, wo es doch letztlich auch um Raubtierkapitalismus geht.

Denn schon nach wenigen Jahren ist Kroc Multimillionär, geschieden, neu verheiratet, Herr über eine Erfolgskette und wird gefragt, warum er sein Imperium nicht nach sich selbst benannt hätte: "Kroc? Das klingt slawisch und nicht nach Erfolg. Aber McDonald’s – da steckt alles drin: ganz Amerika und Familienwerte!"

Die zwei gelben Betonbögen, die den Prototyp seiner Fresstempel-Pavillons überspannen und sich erst später zum "M" vom McDonald’s-Logo formen, sind für ihn die "Goldenen Bögen". Er sieht sie in einer Vision bei seiner Fahrt durch Dörfer und Kleinstädte überall zwischen Kirche und Flagge vor dem Schulhaus. Aber seine "Symphonie der Effizienz", wie er McDonald’s nennt, soll nicht nur sonntags erklingen oder werktags, sondern jeden Tag der Woche.


Kino: City, Monopol, Rio sowie Atelier (OmU), Museum (OV)

R: John Lee Hancock (USA, 112 Min.)

 

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