AZ-Filmkritik "The Birth of a Nation": Und die Bibel hat doch recht

Klare Verteilung: Die weißen Herrschaften speisen, die Schwarzen dienen. Foto: Fox

Nate Parkers "The Birth of a Nation" ist ein kraftvolles Plädoyer für die Gleichberechtigung, verliert mit der Zeit aber durch seine Brutalität.

 

Er möchte so gerne Bücher lesen, aber die weiße Lady gibt ihm nur die Bibel, alles andere sei für Schwarze sowieso unverständlich. Der achtjährige Nat Turner vertieft sich also in die Heilige Schrift und predigt als Erwachsener mit mächtigen Worten vor den anderen Sklaven, die in den Häusern der Plantagenbesitzer oder wie er selbst auf den Baumwollfeldern schuften.

Als ihn sein von der Pleite bedrohter Besitzer an andere Plantagenbesitzer verleiht, damit er mit seinen religiösen Texten die geschundenen Arbeiter friedlich hält, wird er mit brutaler Unterdrückung konfrontiert und setzt sich bald an die Spitze der beginnenden Revolte. Nate Parker, Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller erinnert an den Baptisten und Anführer des Sklavenaufstandes von 1831 in Virginia. Mit dem Titel stellt er sich bewusst gegen D. W. Griffiths gleichnamigen rassistischen Klassiker aus dem Jahre 1915, der zum Wiedererstarken des Ku-Klux-Klans führte.

Je mehr der religiöse Mann die Gräuel der Sklavenhalter gegen ihr "Eigentum" mit erlebt, umso mehr ist er überzeugt, dass Gott auf der Seite der Unterdrückten steht. Kaum auszuhalten eine Szene, in der Hungerstreikenden mit dem Hammer zur Zwangsernährung die Zähne ausgeschlagen werden. Der manchmal wie ein sanfter Mystiker wirkende Redner wird – nachdem er es gewagt hat, einen Weißen zu taufen – ausgepeitscht und gefoltert, was ihn endgültig in den Widerstand treibt.

Wie er dann mit einer Horde Äxte schwingender Rächer loszieht und die Peiniger ersticht, köpft oder zerhackt, das erinnert an eine Gewalt-Orgie à la Quentin Tarantino. Und nimmt dem Drama die anfängliche Kraft. Wobei die Sklavenherren ebenso grausam zurückschlagen, Männer, Frauen und Kinder aufhängen oder verbrennen.

Der Regiedebütant zeichnet in konventioneller Erzählform, aber mit großer Empathie das ambivalente Bild des Wegbereiters der ersten schwarzen Rebellion, eine umstrittene, aber auch inspirierende Persönlichkeit und mehr als eine historische Randnotiz. Im Gegensatz zu "12 Years a Slave" oder "Glory" geht es nicht nur um Leid, sondern auch um Auflehnung gegen ein scheinbar vorbestimmtes Schicksal. Das beim Sundance Film Festival mit Preisen dekorierte Drama galt als Oscar-Favorit, ein Traum, der aufgrund der publik gemachten Vergewaltigungsklage gegen Parker von 1999 zerplatzte. Dennoch, es ist sein Verdienst, diese Geschichte wuchtig auf die große Leinwand gebracht zu haben.


Kinos: Mathäser, Museum-Lichtspiele;

R: Nate Parker (USA), 120 Min.

 

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