AZ-Filmkritik Star Wars Episode VII: Fortsetzung mit aller Macht

Star Wars bekommt jetzt die Farbe des 21. Jahrhunderts mit den Figuren Finn (links: John Boyega) und Poe Dameron (Oscar Isaac). Foto: David James / Lucasfilm Ltd

Sprung vom Prequel zum Sequel ist vollauf gelungen: „Star Wars VII“ von J. J. Abrams schließt jetzt an die frühen 80er an und bleibt groß. Star-Wars-Feeling vom Feinsten ist garantiert!

 

Ist die Macht mit J. J. Abrams? Auf diese Frage lässt sich der beängstigende Hype um den siebten „Star Wars“-Teil reduzieren. Und die Antwort: Ja, dieser 49-jährige Spielberg-Zögling kann nicht nur neues Leben den „Mission Impossible“- und „Star Trek“-Reihen einhauchen. Er vitalisiert auch den berühmtesten Science-Fiction-Film-Kosmos. Sein Ansatz ist dabei so schlicht wie gewinnversprechend.

Nach so vielen Jahren helfen Augenzwinkern und Humor

Abrams vermeidet erst einmal alle Fehler der ungeliebten Prequels: keine unglückliche Besetzung oder alberne Kreaturen, nicht zu viele künstliche Computereffekte, keine verkitschte Liebesgeschichte. Und er verbeugt sich sehr tief vor dem George-Lucas-Original von 1977.

Von der vertrackten Familiengeschichte, über die Schauplätze bis hin zu den großen Schlachten samt Todesstern ähnelt sein Fan-Film dem „Krieg der Sterne“. Doch auch die Stärken von Abrams, das Gefühl für spannende Charaktere, wuchtige Actionszenen in spektakulärem 3D und einen augenzwinkernden Humor zeichnen „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ aus.

 

Rey, eine weibliche Hauptfigur als Multi-Talent

Der stärkste, dem Zeitgeist geschuldete Einschnitt ist die Wahl der weiblichen Hauptfigur. Luke Skywalker, der unsichere Einzelgänger, der seine Macht entdeckt, Han Solo, der coole Abenteurer und Droiden-Technikgenie R2-D2 – ihre Eigenschaften finden sich alle in der jungen Rey (Typ Natalie Portman: Newcomerin Daisy Ridley).

Sie ist es, die den an einen Baseball mit Ufo-Aufsatz erinnernden Droiden BB-8 samt geheimnisvoller Karte vor dem faschistischen neuen Imperium, der Vereinigung „Erste Ordnung“, beschützt. Sie ist es auch, die später ganz lässig dem gealterten Han Solo (Harrison Ford) erklärt, wie man denn sein Raumschiff, den Millennium Falken, auf Betriebstemperatur bringt.

Logisch, dass so eine Power-Frau im Showdown selbst das Lichtschwert in die Hand nimmt, um den Darth Vader Nachfolger Kylo Ren (Adam Driver) ins Schwitzen zu bringen. Doch Rey ist keine Maschine, sie sucht wie fast alle Kriegs traumatisierten Filmfiguren eine Heimat, ein Zuhause.

Finn, ein Stormtrooper mit Moral

Das verbindet sie mit der zweitstärksten Person, Finn (John Boyega). Eigentlich eine Marionette des Bösen, schert dieser mutige Mann aus der gleichgeschalteten Stormtrooper-Armee aus, als er sich weigert, an einer Massenerschießung teilzunehmen, um lieber den Rebellen-Piloten Poe (Oscar Isaac) zur Flucht zu verhelfen. Mit Finn gibt es nach der Nebenfigur Lando Calrissian auch einen farbigen „Star Wars“-Helden. Wenig verwunderlich auch, dass zwischen diesem wackeren Krieger und Rey bald die Liebesfunken fliegen.

Während sich Abrams Zeit lässt, uns ihr von Flucht geprägtes Schicksal nahezubringen, fiebern Fans den angekündigten Auftritten von Prinzessin Leia (Carrie Fischer), Luke (Mark Hamill) und Han Solo entgegen. Und wirklich: Harrison Ford, dem einzigen der drei, dem nach „Star Wars“ eine Karriere vergönnt war, bekommt samt Kompagnon Chewbacca viel Raum für knorrigen Sprüche.

Und auch wenn der Film-Einstieg trotz legendärer Fanfare und einfliegendem Schriftzug noch holprig wirkt, so muss man Abrams am Ende hoch anrechnen, dass er dem enormen Druck standgehalten hat. Ihm gelingt es, Nostalgie-Gelüste mit vielen handgemachten Effekten, wunderlichen Aliens und epischen Bildern zu befriedigen, gleichsam aber mit Rey und Finn auch mit Traditionen aus der „Star Wars“-Filmwelt zu brechen. Einem Einspielrekord und vielen Fortsetzungen dürfte keine Macht mehr entgegen stehen.

 

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