AZ-Filmkritik Stan & Ollie statt Dick & Doof

Steve Coogan (l.) als Stan Laurel und John C. Reilly als Oliver Hardy. Foto: Aimee Spinks/SquareOne Entertainment/dpa

Der Film "Stan & Ollie" erzählt vom schwierigen Bühnen-Comeback des Komikerduos Laurel und Hardy, in Deutschland bekannt als "Dick und Doof". Wie der Film war erfahren Sie in der AZ-Kritik.

 

Sie begeisterten Generationen und sind das beliebteste Duo der Filmgeschichte: Stan Laurel und Oliver Hardy, bekannt als Laurel & Hardy – in Deutschland unter dem etwas dümmlichen Namen Dick und Doof. Von 1926 bis 1951 drehten sie zusammen 106 Filme. Noch heute sind sie Kult.

Hardy ist der Komiker - Laurel der kreative Kopf

Der Titel "Stan & Ollie" ist bewusst gewählt, weil sich die Handlung auf die "privaten" Männer hinter den Kulissen konzentriert – von denen man, Hand aufs Herz, nichts weiß. Es geht um ein Künstlerleben mit Höhen und Tiefen, mit Kontroversen und Kompromissen. Aber: The Show must go on.

Hardy markierte den Komiker vor der Kamera, Laurel galt als kreativer Kopf, er schrieb die Gags. Im Jahr 1937 sind sie auf dem Zenit ihres Schaffens, nichts kann sie stoppen. Glauben sie. Schließlich hatten sie den Sprung vom Stumm- zum Tonfilm geschafft. Ein Streit zwischen Stan und Produzent Roach, Repräsentant des alten Hollywoods, um mehr Geld eskaliert, es kommt zum Bruch.

Ein Sprung ins Jahr 1953. Die Karriere des einst so erfolgreichen Duos neigt sich dem Ende zu. Trotzdem wollen die angejahrten Herren es noch mal wissen. Knapp bei Kasse hoffen sie, dass ihre Tour durch England mit bewährten Auftritten ein Erfolg wird. Aber halbleere Theatersäle machen nicht nur den Impresario nervös. Dann kommt nach Werbeauftritten die Wende, volle Häuser, Anerkennung und Applaus.

Laurel & Hardy Biopic entspricht nicht immer der Wahrheit

Doch ihre Freundschaft wackelt. Jon S. Bairds Film basiert in Teilen auf A.J. Marriots Anfang der 1990er erschienenem Buch "Laurel and Hardy: The British Tours" und geht weit über ein Biopic hinaus, auch wenn nicht alles unbedingt der Wahrheit entspricht.

Baird zieht in zärtlichen Momenten den Hut vor diesen Legenden, großartig dargestellt von Steve Coogan als Stan und John C. Reilly als Ollie, die den Originalen und ihrer Magie in Gesten und Sprache sehr nahe kommen. Eine Kombination vom Feinsten, wie auch ihre Frauen, die ihnen den Rücken stärken (Shirley Henderson als liebevolle Kümmerin, Nina Arianda mit Hang zur Drama-Queen).

"Stan & Ollie": Wie ein altes Ehepaar

Hinreißend sind die Szenen, in denen man sieht: Diese beiden alten Show-Männer sind eigentlich wie ein altes Ehepaar, wenn sie etwa nebeneinander im Liegestuhl an Deck eines Schiffes sitzen und die Damen verschwinden.

Ganze Arbeit leisteten die Maskenbildner für den Look der beiden Männer. Coogan mit anderem Kinn, falschen Zähnen und Ohrspitzen, Reilly musste täglich vier Stunden in der Maske verbringen und steckte über die Zeit in verschiedenen Fettanzügen. Trotz Dialogwitz und Slapsticks grundiert eine massive Melancholie die Tragikomödie.

Wenn am Ende die echten Laurel & Hardy zu "At the Ball, that‘s all" ihren berühmten Tanz hinlegen, weiß man, warum das Publikum sie liebte.


Kinos: Arena (OmU), City-Atelier, Museum-Lichtspiele (OV), Münchner Freiheit
Regie: Jon S. Baird (USA, 97 Min.) 

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