AZ-Filmkritik Singend aus der Katastrophe

Traumhochzeit, aber nicht konfliktfrei: Baron von Trapp (Matthew Macfadyen) heiratet das Kindermädchen (Yvonne Catterfeld). Foto: Concorde

Für Filme, Musicals und Bücher hat die Geschichte der österreichischen Trapp-Familie Stoff geliefert. Ben Verbong inszeniert sie nun erneut und sorgt für emotionale Film-Momente.

 

Was die österreichische Alpenlandschaft, Sonnenschein und adrett in Dirndl gekleidete Mädchen doch alles bewirken können. Ein früher Tod der Mutter, ein finanzieller Ruin und die drohende Machtübernahme der Nazis werden da fast zur Nebensache - zumal kristallklare Kinderstimmen das Geschehen begleiten.

Die Geschichte der österreichischen Adelsfamilie von Trapp ist in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Male verfilmt worden. Regisseur Ben Verbong versucht sich nun erneut daran. In „Die Trapp Familie – Ein Leben für die Musik“ fühlt man sich in die heile Welt der Heimatfilme versetzt – allen Schicksalsschlägen zum Trotz.

Agathes Flucht vor den Nazis und die Musik-Karriere in den USA

Verbong erzählt diese Geschichte in langen Rückblenden: Die 15-jährige Kirsty von Trapp (Lauren Canny) sitzt in einem Provinzbahnhof im verschneiten Montana. Sie ist vor den Weihnachtsvorbereitungen der neuen Familie ihres Vaters geflüchtet. Ihre Großtante Agathe (Rosemary Harris) kommt hinterher und beginnt, dem Mädchen ihre eigene Geschichte zu erzählen, von dem Gefühl, verlassen zu sein und nicht mehr gebraucht zu werden.

Agathe ist die älteste Tochter jener Trapp-Familie, die vor den Nazis in die USA flüchtete und von dort singend die Welt eroberte.

Rückblende mit Tränen-Momenten

Schon wenig später drückt Verbong in der ersten Rückblende kräftig auf die Tränendrüse. Ausgerechnet zur Weihnachtszeit muss Agathes Mutter ins Krankenhaus - zum Sterben, wie die damals achtjährige Agathe (Eliza Bennett) ahnt. Nicht einmal den von ihr liebevoll eingepackten Schutzengel kann die Mutter noch auspacken. Agathe schwört, nie wieder zu singen und übernimmt fortan die Mutterrolle in der großen Trapp-Familie.

Als störrischer Teenager verscherzt sie es sich schon mal mit ihren Geschwistern und vergrault so manches Kindermädchen - sehr zur Sorge ihres verständnisvollen Vaters Georg (Matthew Macfayden), einem ehemaligen U-Boot-Kommandanten, der noch der Tradition der Donau-Monarchie verhaftet ist. Da taucht die freundlich-naive Novizin Maria (Yvonne Catterfeld) auf, die als Kindermädchen nicht nur den Platz Agathes - zunächst nur am Esstisch - einnimmt, sondern auch das Herz des Vaters erobert. Agathe fühlt sich zurückgedrängt. Die Idylle am Familiensitz Erlhof in Zell am See bröckelt.

Die Rückkehr zur Musik verbindet

Mit dem Zusammenbruch der Banken nach der Machtergreifung Hitlers verliert die Familie, inzwischen in Salzburg lebend, ihr komplettes Vermögen. Durch glückliche Umstände und das Geschick des Haushälterinnen-Enkels Sigi (Johannes Nussbaum) trifft Agathe bei den Salzburger Festspielen die weltberühmte Sopranistin Lotte Lehmann (Annette Dasch) und beginnt wieder zu singen.

Die wirtschaftliche Not ebenso wie die politischen Umstände machen es nötig: Agathe ersinnt zusammen mit Lotte die Idee, als singende Familie aufzutreten und in die USA auszuwandern. Plötzlich hat sie auch ihre pragmatische Stiefmutter Maria an ihrer Seite.

Verbong greift für seine Verfilmung auf die Autobiografie von Agathe von Trapp zurück und bedient sich in den Rückblenden arg bemüht der Parallelen des Vater-Tochter-Konflikts. Alles andere – Patchworkfamilie, Vertreibung, Verlustängste – erstickt in der Alpenidylle. Von Modernisierung keine Spur, stattdessen strahlende Glückseligkeit.

 

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