AZ-Filmkritik "Rocca verändert die Welt": Eine moderne Pipi Langstrumpf

Casper (Fahri Yardim) und Rocca (Luna Maxeiner). Foto: Warner

Der gelungene Kinderfilm "Rocca verändert die Welt", der auch Erwachsenen etwas zu sagen hat.

Ein Flugzeug landet unsicher auf der Piste des Flughafens Hamburg. Einem Pilot war übel geworden. Ein 11-jähriges Mädchen hatte kurzerhand die Steuerung übernommen.

Rocca (Luna Maxeiner) ist ein merkwürdiges, witziges, einfühlsames Mädchen, aufgewachsen in Kasachstan, stark auf sich selbst gestellt, weil ihr Vater ein Astronaut auf der ISS ist. Jetzt kommt sie zurück nach Hamburg – und nichts macht ihr Angst, nicht mal die Mobber in der Klasse.

Rocca ist eine moderne Pippi Langstrumpf und wie sie sehr selbstständig. Das ist ihre Stärke, aber auch ihre Schwäche. Sie tritt den Menschen angstfrei, aber irgendwie auch naiv gegenüber. Mit dieser Persönlichkeit gewinnt Rocca die Zuneigung von Tieren und Menschen. Sie kümmert sich um ein Eichhörnchen, das Klitschko heißt, hat eine Lehrerin, die sie fördert, aber auch den strengen und bürokratischen Schulleiter zum Feind – und das Jugendamt, dem es ein Dorn im Auge ist, dass ein Mädchen alleine in einer Wohnung wohnt.

Auch Eltern können von "Rocca" einiges lernen

Da wird Caspar (Fahri Yardim) zur Bezugsperson und Hilfe für Rocca. Aber Caspar ist obdachlos. Das ungleiche Paar lernt voneinander: Caspar startet wieder ins Leben, Rocca begreift, wie die Welt wirklich tickt. Und es gibt noch die schwierige Beziehung zur Großmutter (Barbara Sukowa).

Elegant ist in dem Film auch das Leben der Jüngeren mit den Sozialen Medien eingebaut, in denen Erwachsenen sich schlechter auskennen und daher zwischen Durchwinken und strenger Kontrolle schwanken. Aber Rocca ist ohnehin ein Mädchen, das sich eine spannende Welt unabhängig vom Smartphone aufbaut.

Um nach den Sternen zu greifen, muss man zuerst sich selbst und die Welt um sich herum kennen. Das ist die schöne Idee hinter "Rocca verändert die Welt", ein Film, der mehr ist als ein Kinderfilm. Denn Eltern können hier eine Balance lernen aus Prinzipien, Offenheit und Sympathie mit der Welt der Kinder – gerade auch der modernen.


Kino: Cinemaxx, Mathäser

Regie: Katja Benrath (D, 97 Min.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading