AZ-Filmkritik "Joy – Alles außer gewöhnlich": Wischmopp-Idee

Spitzenbesetzt mit Jennifer Lawrence und Robert De Niro. Foto: Fox

Starbesetzte Biopic-Komödie mit Jennifer Lawrence, Robert De Niro und Bradley Cooper: „Joy – Alles außer gewöhnlich“.

 

Wimpern, Lippen, Lachen – alles falsch! Wer an Homeshopping denkt, hat schnell die Bilder von grotesk entstellten, dauerquasselnden TV-Verkäufern im Kopf. Und dabei sicher nicht, dass sich hier Jennifer Lawrence, die so unverfälscht und ungekünstelt wie kaum eine andere Schauspielerin ihrer Generation ist, hier wohlfühlen würde. Umso spannender also, die Oscarpreisträgerin und „Tribute“-Amazone in der Rolle von Joy Mangano zu besetzen: in den 90ern als US-Queen des Homeshoppings bekannt.

Und so ist diese sehr frei erzählte Biografie dann am stärksten, wenn diese Joy alias Lawrence vor der Kamera in bemüht heimeligen Kitsch-Kulissen ihre große Erfindung, den „Miracle Mop“, verkaufen will. Grandios zeigt Lawrence in diesen Szenen, dass sie ihr Wischsystem, mit dem man sich nicht mehr die Hände schmutzig macht, nur dann gut verkauft, wenn sie sich wie eine Raupe von der Künstlichkeit im Kostüm entpuppt.

Dabei steht ihr mit Bradley Cooper als hibbeliger Trash-TV-Macher zur Seite. Und wie schon in „Silver Linings“ stimmt zwischen den beiden Hollywood-Stars die Schwingung, lässt man sich von beider Energie und Charme mitreißen. Nur leider zerfällt David O. Russells Feminismus-Version des amerikanischen Traums zu arg in seine Einzelteile. Besonders die ersten 40 Minuten sind zu lang als karikierende Familienaufstellung.

Wie Wes Anderson, nur ohne stilisierte Ästhetik und klugen Dialogwitz

Da wäre Joys Mutter Terry (Virginia Madsen), die eigentlich nur noch in einer Telenovela-Parallelwelt lebt, während der Vater (Robert De Niro), ein verschrobener Autoteilehändler, erneut bei ihnen einzieht, weil mal wieder eine Beziehung gescheitert ist.

Dumm nur, dass im Keller bereits Joys Ex-Mann (Edgar Ramirez), ein talentfreier Musiker, lebt. Unerfreulich auch, dass mit Joys Stiefschwester (Elisabeth Röhm) ein nichts könnender Miesepeter für Dauerstunk sorgt. Und da wären ja noch ihre zwei Kinder und die Oma, die einzige, die an Joys Talente glaubt und quasi nebenbei den Film erzählt.

Bei diesem Trubel fühlt man sich bald wie in einem Werk von Wes Anderson („Die Royal Tennenbaums“), nur ohne stilisierte Ästhetik und klugen Dialogwitz. Da hängt es an Lawrence, diese Familie und den Film mit ihrem Anpacker-Stehaufmädchen-Geist zusammenzuhalten. Und so ist es dem Regisseur Russell durchaus anzurechnen, dass er mit „Joy“ eine Ode an junge, kreative Erfinderinnen im Sinn hatte, die trotz vieler harter Kompromisse und Einschnitte an ihrem Lebensglück festhalten. Nur fehlt ihm dabei ein Einfall der Marke „Miracle Mop“, wie er die sprunghafte Geschichte auf Dauer glaubwürdig zusammenhalten soll.


Kino: Monopol, Cinemaxx, Leopold, Mathäser, sowie Atelier (OmU), Museum (OV) | R: David O. Russell (USA, 107 Min.)

 

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