AZ-Filmkritik "Jane Got A Gun": Emanzipation sieht anders aus

Jane (Natalie Portman) und Dan (Joel Edgerton) waren sich einst versprochen, wurden aber durch den Bürgerkrieg getrennt. Foto: Jack Englisch

Ein Western von Rosamunde Pilcher? Natalie Portman in "Jane Got A Gun".

 

München - Es ist ambitioniert, was Natalie Portman mit „Jane Got A Gun“ auf den Weg bringen wollte. Ein femininer Western sollte der Film werden, eine Hommage an die starken Frauen, die in der Literatur über die Besiedlung des Westens und in den Filmen darüber meistens Randnotizen blieben. Doch bei der Vorbereitung des Films gab es Streit. Lynne Ramsey warf die Regie hin. Die geplanten Darsteller Jude Law, Bradley Cooper und Michael Fassbender sprangen ab.

Ob Natalie Portman, die den Film auch mitproduzierte, mit dem Ergebnis zufrieden ist? „Jane Got A Gun“ ist ein Western mit schönen Bildern und einer anmutigen Hauptdarstellerin. Aber er ist weder kunstvoll noch interessant.

Portman spielt eine Frau, die irgendwo in der Abgeschiedenheit von New Mexiko mit Mann (Noah Emmerich) und Tochter das Leben von Pionieren führt. Ein hartes Dasein. Als Janes Gatte eines Tages schwer verletzt nach Hause kommt, bringt er die Vergangenheit mit. Und mit der hat Jane noch eine Rechnung offen.

Hilfe sucht und bekommt Jane nach einigem Widerstand von ihrem Ex-Lover: Dan (Joel Edgerton) ist ein Guter, und Jane trotz schwieriger Vergangenheit noch immer in Liebe zugetan.

Eine Frau im Western-Mittelpunkt - schön, aber nicht emanzipiert

Dass eine Frau im Mittelpunkt eines Westerns steht, ist löblich. Nur hat Jane keineswegs die Hosen an, sondern ziemlich voll. Anstatt sich zu emanzipieren, legt sie ihr Schicksal doch wieder in die Hände eines Mannes: Dan hat das titelgebende „Gun“, mit denen Jane dann doch nicht umzugehen weiß. Hätte das Drehbuch und Regisseur Gavin O’Connor etwas mehr Wert auf die Beweggründe der Figuren gelegt und sich ernsthaft mit ihren biografischen Brüchen und inneren Verletzungen auseinandergesetzt, dann wäre „Jane Got A Gun“ vielleicht ein spannender Film geworden. Aber statt sich ernsthaft mit den Konflikten zu beschäftigen, werden sie in rührseligen Rückblenden banalisiert.

So ist ein konventioneller Film entstanden, der nur so tut, als wäre er ein Western. Der Film hat zu viele Rosamunde-Pilcher-Momente, inklusive adretter Hauptdarsteller, die so gar nicht in die harte Wirklichkeit eines Vergewaltigungs- und Rachedramas von 1871 passen. Was am Ende übrigbleibt, sind schöne Landschaftsbilder. Und das glückliche Ende, das niemandem verwehrt sein soll, erst recht nicht Natalie Portman. Nur dass es hier unpassend scheint, weil „Jane Got A Gun“-Geschichten im Leben eben nicht gut ausgehen. Das Kino jedoch, insbesondere der Western, ist immer dann am stärksten, wenn es sich den Realitäten stellt ohne den Schwanz einzuziehen.


Kino: Gabriel, Mathäser, Monopol | R: Gavin O’Connor (US, 98 Min.)

 

0 Kommentare