AZ-Filmkritik "Intrigo - Tod eines Autors": Das Husten der Toten

David (Benno Fürmann) ermittelt in einem Verbrechen, das er glaubt entdeckt zu haben. Foto: Twentieth Century Fox

"Intrigo – Tod eines Autors", die Verfilmung einer Kurzgeschichte von Håkan Nesser, ist ein komplexer Thriller mit vielen Fährten.

 

Håkan Nesser ist mit seinen dunklen Romanen auch außerhalb Skandinaviens kein Unbekannter, zählt neben Henning Mankell und Stieg Larsson zu den wichtigsten schwedischen Krimi-Autoren. Sein Markenzeichen: Weniger Action, mehr Psychologie und Lebensphilosophie. Die finden sich auch in der Verfilmung seiner Kurzgeschichte "Rein", Beginn der geplanten Intrigo-Anthologie, die um Schuld und Rache kreisen soll, um menschliche Schwächen und von ihren Frauen verlassene Männer.

Der Film "Intrigo – Tod eines Autors" entpuppt sich als verzwickter Thriller mit vielen Fährten, eine Verquickung von diffusen Fragmenten aus dem Leben eines Übersetzers und eines verstorbenen Schriftstellers, dessen letztes Werk er bearbeitet.

Wenn die verstorben geglaubte Frau im Radio auftaucht

Es beginnt skurril. Der Deutsche David Moerk (Benno Fürmann) hört am Ende der Radio-Aufzeichnung eines Konzerts ein Husten, das ihn elektrisiert. Das Husten seiner Frau Eva (Tuva Novotny), die er seit drei Jahren tot glaubte. Der Übersetzungsauftrag führt ihn in eine nicht näher definierte Stadt, in der sie wohnen könnte. Dahin, wo er bald zur Überzeugung gelangt, ein Verbrechen aufzudecken.

Denn plötzlich scheint es unklar, ob der berühmte Literat Germund Rein wirklich Selbstmord begangen hat und auf dem Grund des Meeres liegt. Oder haben vielleicht dessen verführerische Frau und Reins Verleger, ein geheimes Liebespaar, nachgeholfen? Das mutmaßt David nach der Lektüre des oft schwer verständlichen Textes mit verschlüsselten Hinweisen.

Psychologische Spannung

Parallel zu diesem Fall taucht er in seine Vergangenheit ein, erinnert sich an die Tage in den Schweizer Bergen, als er aus Rache über die Untreue seiner Frau die Autobremsen manipulierte, bevor sie zu einem Ausflug aufbrach.

Der Mann kann bald in einem Strudel aus Geheimnissen nicht mehr zwischen Fiktion und Wahrheit unterscheiden. Daniel Alfredson, Regisseur von "Verdammnis" und Vergebung" aus der "Millennium"-Trilogie, macht daraus ein verrätseltes Vabanquespiel.

Außerdem diskutieren David und der mysteriöse Autor Henderson (Ben Kingsley) zwischendrin lange auf einer griechischen Insel zum Thema "Wie schreibt man einen Roman?". Das etwas enervierende Lavieren zwischen verschiedenen Zeitebenen und Orten endet mit einem emotionalen Paukenschlag. Der Film entfaltet psychologische Spannung. Zugleich irritieren die abrupten Handlungsvolten, die sehr ausgedehnten Wortwechsel und zahlreichen philosophischen Anmutungen.


Kinos: Cinemaxx, Gabriel, Leopold, Neues Rottmann, R: Daniel Alfredson (S/USA/D, 106 Minuten)

 

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