AZ-Filmkritik "Gundermann": Ostalgisch gestimmt

Echte, proletarische Liebe: Gundermann (Alexander Scheer) und seine neue Freundin (Anna Unterberger). Foto: Peter Hartwig / Pandora Film

Andreas Dresen verfilmt das Leben des DDR-Liedermachers und Baggerfahrers Gerhard Gunderman - eine interessante Figur mit vielen Widersprüchen.

"Gundi" steht auf dem schlichten weißen Grabstein in Hoyerswerda. Da liegt seit 1998 Gerhard Gundermann begraben. Baggerfahrer, Poet und Sänger, Idealist und Stasi-Informant. Wer glaubt, das passt alles nicht zusammen, wird in Andreas Dresens Drama, das etwas willkürlich zwischen den 1970er und 1990er Jahren hin- und herspringt, eines Besseren belehrt.

Er setzt sich auf die Spuren dieses umstrittenen Weltverbesserers, zeigt Kontraste auf und lässt uns etwas ratlos zurück. Wer war der Mann, der mit Texten wie "Von jedem Tag will ich was haben, was ich nicht vergesse. Ein Lachen, ein Sieg, eine Träne, ein Schlag in die Fresse" begeisterte?

Gundi, wie ihn die meisten nannten, war ein Werktätiger, nach dem Geschmack der SED. Eigentlich. Er flog allerdings von der Offiziershochschule und zweimal aus der SED. Der erste Ausschluss 1978 wegen "unerwünschter eigener Meinung" wurde in eine strenge Rüge umgewandelt, 1984 erneuter Rauswurf auch von der Stasi wegen "prinzipieller Eigenwilligkeit".

Zu unangepasst, zu aufmüpfig

Gundermann war ein überzeugter Kommunist, aber nicht für die Parteibonzen. Zu unangepasst, zu aufmüpfig. Einer, der die Klappe aufriss und sagte, wo Planungsfehler lagen, welche Anordnungen von oben grundfalsch waren. Gundermann, ganz wirklichkeitsnah von Alexander Scheer dargestellt, ist dabei kein Sympathieträger. Der Texter und Schlagzeuger der "Brigade Feuerstein" war in der Singebewegung der DDR in den 1970er Jahren aktiv, machte nach Auflösung der Gruppe als Solokünstler weiter.

Nach der Wende tourte er mit seiner Band "Seilschaft" durch die Lande, nach Schließung des Tagebaus sattelte er auf Tischler um. Nur nicht die Bodenhaftung verlieren. Seine Songs über den Niedergang der Braunkohle-Reviere, das Leben nach der Wende, über Liebe und Tod berühren.

Dass er seinem besten Kumpel und Musikerkollegen die Frau ausspannt, geschenkt. Aber dass die Stasi-Spitzelei fast als Petitesse behandelt wird, irritiert. Niemand scheint daran wirklich Anstoß zu nehmen, es fällt aber mal der Satz: "Man kann auch Kommunist sein, ohne ein Schwein zu sein". Gundermann, am Ende selbst bespitzelt, gibt seine Verstrickung und Schuld zu.

Verrat an Freunden und Kollegen - vergessen

Die Bandmitglieder schauen nach der Enthüllung nur bedröppelt, sein öffentliches Bekenntnis bei einem Konzert löst kurz Verblüffung aus, dann geht's weiter, als wenn nichts gewesen wäre. Verrat an Freunden und Kollegen, Denunziation - vergessen.

Dass Dresen, der wunderbare Filme über die DDR gedreht hat ("Stilles Land", "Als wir träumten") nicht den Finger auf diese Wunde legt, erstaunt, wie auch die leichte Ostalgie, die Wehmut über Vergangenes. Wie so viele Stasi-Spitzel rechtfertigt sich Gundermann damit, nichts Nennenswertes verraten zu haben.

So ist es verständlich, dass er sich weder als Opfer noch als Täter sieht. Ein Tagebuchzitat: "Ich gehöre zu den Verlierern. Ich habe aufs richtige Pferd gesetzt, aber es hat nicht gewonnen".


Kino: City, Münchner Freiheit, Breitwand Seefeld R: Andreas Dresen (D, 125 Min.)

 

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