AZ-Filmkritik Großes Kino: "Film Stars Don't Die in Liverpool"

Annette Bening spielt Gloria Grahame, eine einst gefragte Schauspielerin nach ihrem Zenit. Foto: Sony

Paul Mc Guigan zeigt in "Film Stars Don‘t Die in Liverpool" das bewegende Schicksal eines alternden Hollywoodstars.

 

Sie spielte an der Seite von Humphrey Bogart und James Stewart, mit 29 gewann sie den Oscar als Beste Nebendarstellerin in Vincente Minellis "Stadt der Illusionen", eine Superkarriere schien zum Greifen nah. Aber Illusionen hatte Gloria Grahame bald keine mehr, ihre vier Ehen sorgten für bösen Klatsch. Dass sie den Sohn ihres zweiten Ehemannes Nicholas Ray als Minderjährigen verführte und heiratete, kam im nach außen schillernden und innen prüden Hollywood nicht gut an.

Nach 1956 verblasste ihr Ruhm, sie schlug sich mit kleineren Rollen durch. Dann das Alter. Ein Sex-Symbol mit Falten? Keine Chance in der US-Filmindustrie. So spielte sie in London Theater und lernt 1978 ihren jungen Zimmernachbarn Peter Turner (Jamie Bell) kennen, einen aufstrebenden Schauspieler aus einer Arbeiterfamilie in Liverpool, der sich mit kleinen Engagements durchboxt.

Erst leiht er ihr ein T-Shirt, dann ist er Sparring-Partner beim Tanzen zu den Klängen von "Stayin’ Alive" und plötzlich bricht die Liebe aus. Basierend auf Turners Memoiren inszeniert Paul McGuigan die Geschichte einer späten Leidenschaft zwischen der 55-Jährigen und dem 26-Jährigen. In Rückblenden entwirft der Regisseur die intensive Beziehung mit Höhen und Tiefen, in der Turner zu ihrem einzigen Vertrauten wird. Auch wenn sie sich lieber von ihm trennt, statt über ihre Krebserkrankung zu sprechen.

Basierend auf den Memoiren von Peter Turner

Im Endstadium kommt sie zu seiner chaotischen Familie nach Liverpool, um Ruhe und Respekt zu finden. Spannend ist die Ambivalenz zwischen dem glamourösen Leben in Los Angeles und New York und dem Rückzug in das einfache Häuschen im Norden Englands, der Kontrast zwischen dem strahlenden Leinwandstar  und der Frau im abgetragenen Nachthemd, die mit ein bisschen Schminke versucht, gegen den Tod zu kämpfen.

Annette Bening verkörpert diese Figur mit Würde, Stolz und Verletzbarkeit, dass den Zuschauern die Tränen kommen. Und der Brite Jamie Bell beweist als naiver Lover mit großem Herzen, dass er den Sprung vom Kinderstar aus "Billy Elliot – I will dance" schon lange geschafft hat.

"Film Stars Don‘t Die in Liverpool" ist ein zärtlicher und brutaler Film über das Leben und Sterben, die verdammt nahe beieinander liegen. Und aktueller könnte dieses bewegende Drama nicht sein: Gloria Grahame beugte sich nicht dem alltäglichen Sexismus in Hollywood. Schon 1950 weigerte sie sich, unbegleitet in einer Limousine beim für seine Eskapaden berühmt-berüchtigten Produzenten Howard Hughes mitzufahren. Die Quittung für dieses damals wohl unziemliche Verhalten: die Hauptrolle in George Cukors "Die ist nicht von gestern" bekam sie nicht.


Kino: Münchner Freiheit, Arena (OmU) sowie Cinema und Museum (OV) R: Paul McGuigan (GB, 105 Min.)

 

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