AZ-Filmkritik "Greatest Showman" - Der amerikanische Freak-Traum

Menschen, Tiere, Sensationen: Hugh Jackman als "Greatest Showman" P.T. Barnum inmitten seiner Theaterarena in New York. Foto: Fox

Ein Zirkus als Musical: Die Geschichte des "Greatest Showman" P.T. Barnum mit Hugh Jackman, Zac Efron und Michelle Williams.

 

"Nein, Donald Trump ist nicht P.T. Barnum!“ witzelte die New York Times, auch wenn der US-Präsident sich gerne mit dem Zirkusvisionär vergleicht: "Träume mit weit geöffneten Augen“ hieß das Lebensmotto des Impresarios und Egozentrikers, der es von ganz unten nach ganz oben schaffte. Mit seiner spektakulären Zirkusshow begeisterte er erst die New Yorker, dann war sogar in London die Queen Victoria amused – auch von der auf Etikette pfeifenden Unbekümmertheit der amerikanischen Besucher. Der arme Schneidersohn Barnum (Hugh Jackman) verliebt sich in ein großbürgerliches Mädchen (gespielt von der hier blassen Michelle Williams), die ihr dünkelhaftes Oberschichtsmilieu verlässt und Barnum in eine wirtschaftlich unsichere Zukunft folgt: Liebe geht über alle Klassengrenzen, das ist die erste Kitschbotschaft des Films.

Barnum ist ein typisch amerikanischer Selfmade-Man. Wenn er scheitert, dann scheitert er eben das nächste Mal besser. Und nach der Entlassung als Buchhalter und einem Wachsfigurenkabinetts-Flop, wagt er als liberaler, aber geldgieriger Menschensammler einen Zirkus mit Schwarzen, Transgender, Zwergen, Riesen und einer Frau mit Bart, einer Art dicken Conchita Wurst: Menschen, Tiere, Sensationen!

Es knistert zwischen Zac Efron und der Trapezkünstlerin

Zur Gruppe gehört auch die – leider nur sehr leicht – farbige Trapezkünstlerin Anne. Bei deren erster Begegnung mit Zac Efron als seriösem Co-Zirkusdirektor und Spross reicher Eltern knistert es gewaltig. Aber Funken schlägt dieser glitzer-sterile Film aus der Rassenspannung nicht.

Überhaupt wirkt der Film mit seiner Freakshow und seinen rassen- und klassenüberspannenden Liebesgeschichten wie vom Political-Correctness-Beauftragten bestellt, er wagt wenig. Was ihm die Spannung raubt, auch wenn im Film elitäre, freudlose Feuilletonisten das "ordinäre“ Spektakel verdammen und rassistische und puritanische Demonstrationen die beim Publikum beliebten Aufführungen stören.

Zugrunde liegt eine wahre Geschichte

Der freien Musical-Adaption zugrunde liegt die wahre Erfolgsstory von P. T. Barnum, der bis zu seinem Tod 1891 ein für seine Zeit sensationelles Unterhaltungsuniversum schuf und als Vorläufer des modernen Showbusiness gilt. Wobei weder Jackman, Efron oder Williams gut singen oder tanzen können, und der Film auch hier eher konventionelle Choreografien zeigt. Wer den aufgedrehten "Moulin Rouge“ von Baz Luhrmann gesehen hat, wird merken, wie einfallslos im "Greatest Showman“ die behauptete Wildheit der Tanzszenen ist. Regisseur Michael Gracey, wie Luhrman Australier, setzt auf die kitschig-süße Schokoladenseite der Geschichte. Und bei den nötigen Nachdrehs und der Postproduktion des 84-Millionen-Dollarprojekts soll ihm Hollywood-Regisseur James Mangold geholfen haben. Von ihm stammen auch die Action-Fantasy-"Wolverine“-Filme, ebenfalls mit Hugh Jackman.

Die Ambivalenz von P.T. Barnum, der sich sozial und tolerant gibt, aber vor allem sein Ego fütterte, kann Jackman leider nur in manchen Momenten aufblitzen lassen. Und wenn Barnum die Chance hat, auf einer Tournee eine Affäre mit einer Opern-Diva einzugehen, verweigert er den Kuss und kehrt brav zu Frau und Familie zurück: Das ist Neo-Victorianismus und zwar prüder als es die Epoche von vor 150 Jahren gewesen sein kann. Opulenter Schauwert, Choreographie und die Songs der Oscarpreisträger Benji Pasek und Justin Paul ("La La Land“) sollen das wettmachen – vergeblich, auch wenn der Ohrwurm "This is me“ Golden-Globe-nominiert ist. 


Kino: CinemaxX, Münchner Freiheit, Rex, Royal sowie Arena (OmU), Museum-Lichtspiele, Cinema (beide OV), Mathäser, Gloria (beide auch OV), Regie: Michael Gracey (USA, 105 Min.)

 

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