AZ-Filmkritik "Dinky Sinky" - (Ei)sprung in der Schüssel

Katrin Röver als überspannt-hysterische Gegenwartsfrau. Foto: 24 Bilder

36 Jahre alt, wieder Single, will Kind: Katrin Röver in Mareille Kleins "Dinky Sinky".

Der Englische Garten als von der Sonne durchflutetes Idyll, Ort gemeinsamer Ausflüge, Picknicks und Romanzen. Und vielleicht sogar Heiratsanträge, was sich in der Natur gut macht, wenngleich gerade durch die Berechnung – schöner sonniger Tag, Englischer Garten – die Romantik flöten geht.

Frida steht unter Druck, macht sich Druck, gerät in einen Strudel ständiger Planung: Sie ist 36 Jahre alt, Sportlehrerin, ihr Kinderwunsch ist groß. Weshalb der Geschlechtsverkehr mit ihrem Freund Tobias zu einer fast sportlichen Unternehmung wird, angetrieben von der Angst, im Wettrennen mit der biologischen Uhr zu spät zu kommen, flankiert von Berechnungen, was den Eisprung angeht.

Freund Tobias fühlt sich als "Zuchthengst" missbraucht, will eine Pause machen, aber dann sind sie im Englischen Garten: Frida macht ihm einen Heiratsantrag, was Frau eben auch dem Mann macht, aber hier zur Trennung führt. Frieda hat daraufhin noch mehr Stress. Denn nun muss sie einen neuen Partner suchen, mit dem sie möglichst bald aufs Ganze gehen möchte. Um sie herum befreundete Paare, die bereits Kinder haben. Und um sie herum pubertierende Jugendliche im Sportunterricht, was Frida zu recht merkwürdigem Verhalten animiert, irgendwo zwischen Fürsorge für die Kleinen und Identifikation mit den ebenfalls schon fruchtbaren Mädchen.

Differenziertes Psychogramm einer Frau mit Torschlusspanik

Mit ihrem Debütspielfilm "Dinky Sinky" zeichnet HFF-Absolventin Mareille Klein ein differenziertes Psychogramm einer Frau mit Torschlusspanik, findet dabei, auch als Drehbuchautorin, zum souveränen Tonfall einer Komödie, in der jede Figur nachvollziehbare, unterhaltsame Schwächen hat. Die Männer, die Frida datet, wirken nicht gerade durch die Bank weg angenehm, sondern werden humorvoll überzeichnet. Aber Frieda selbst wird zur tragikomischen Figur, indem sie ihrem Ziel allzu verbissen nachläuft. Da lernt sie einen Mann zum ersten Mal kennen, und in den Augen von Katrin Röver zeigt sich schon die Hoffnung auf einen neuen Lebensgefährten, Retter vor der Einsamkeit.

Röver hat einige Jahre im Ensemble des Residenztheaters gespielt, war zuletzt in der BR-Serie "Hindafing" zu sehen und macht sich diese erste Kinohauptrolle mit jenem natürlichen Understatement zu eigen, mit dem sie auch auf der Bühne für sich einnimmt. Keine Theatralität, aber viel Theater im Leben von Frida. Deren verwitwete Mutter hat sich per Internet-Dating recht locker einen Neuen geangelt. Die Alten machen vor, wie’s geht, aber können es auch entspannter angehen, weil die Sache mit dem Kinderkriegen vom Tisch ist.

Kleins Komödie ist letztlich eine übers Loslassenkönnen: vom Partner, der nicht mehr will. Von der Sehnsucht nach einem Neuen. Vom Kinderwunsch. Das ist keine leichte Mission. Frida kann da von der Komödie lernen: Spannung wird aufgebaut, und wenn sie abgebaut wird, entsteht das Lachen als Befreiung. Einfach mal laufen lassen.


Kino: Arena; Buch & Regie: Mareille Klein (D, 95 Min.)

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