AZ-Filmkritik "Die Nile Hilton Affäre“ - Ein Land fest in korrupter Hand

Kommissar Noredin (Fares Fares) findet kompromittierende, intime Fotos und stellt Nachforschungen an. Foto: Port au Prince Pictures

Ein sehenswerter ägyptischer Politkrimi und Film Noir aus dem kurzen Arabischen Frühling: "Die Nile Hilton Affäre“.

 

Kairo im Jahr 2011, die Zeit des Arabischen Frühlings. Eine Stadt der Reichen und Mächtigen, der Dekadenz und Korruption. Als in einer Luxussuite des schicken Nile Hilton eine berühmte Popsängerin mit durchschnittener Kehle aufgefunden wird, landet der Fall schnell als "Selbstmord“ in die Akten. Aber Spuren weisen in die höchsten Kreise und Polizist Noredin beißt sich fest, legt sich mit einflussreichen Politikern an, auch wenn die Staatssicherheit im Hintergrund die Fäden zieht. Keiner will reden, auch nicht die Zeugin, eine sudanesische Putzfrau, die sich aus Angst versteckt.

In einem undurchsichtigen Netz aus Lügen und Gewalt sucht der Ermittler mit Hilfe der schönen Freundin der Ermordeten nach Wahrheit. Als plötzlich sogar der verdächtige Politiker Aufklärung fordert, weiß man, es stinkt gewaltig hinter der feinen Fassade.

Aus Sicherheitsgründen musste das Team das Land verlassen

Die ägyptischen Behörden fanden das Filmthema wohl gar nicht gut: Trotz Drehgenehmigung musste das Team das Land verlassen: Weil im Nachhinein eine Unterschrift des Ministeriums fehlte und die Sicherheit nicht garantiert werden könne. Und erst einen Tag vor dem um drei Wochen verspäteten Dreh in Marokko bekamen die Produzenten das Equipment aus Ägypten zurück.

Tarik Saleh, Schwede mit ägyptischen Wurzeln, inszeniert den Mix aus Polit-Thriller und Film Noir ruhig und mit sicherer Hand. Seine Hauptfigur ist kein strahlender Held, sondern korrupt wie alle anderen, steckt das Geld des Opfers ein und hält auch sonst gerne die Hand auf.

Schauspieler Fares Fares brilliert in diesem Drama

Der im Libanon geborene und seit seinem 14. Lebensjahr in Schweden lebende Schauspieler Fares Fares war schon Assistent Assad von Kommissar Carl Mørck in den Jussi Adler-Olsen Romanverfilmungen "Erbarmen“, "Schändung“ und "Erlösung“. Jetzt brilliert er in diesem atmosphärisch dichten Drama als melancholischer und desillusionierter "Gesetzeshüter“, in einem Land ohne Gesetze. Eine brüchige Figur mit umwerfender Leinwanpräsenz.

Wenn er durch die Viertel illegaler Einwanderer streift, im Kommissariat mit seinen Recherchen auf Schulterzucken stößt, oder Superreiche beim Golfen trifft, entsteht das Panorama einer zutiefst ungerechten Gesellschaft. Beim Showdown auf dem Tahir Platz, wo das Militär die Protestierenden zusammenschießt, ahnt man bereits das Ende der jungen Demokratiebewegung.


Kino: Arena, Monopol, Rio
Buch & Regie: Tarek Saleh (S/D/DK, 111 Min.)

 

 

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