AZ-Filmkritik „Die Mitte der Welt“: Leichte schwere Fragen

Louis Hofmann, Jannik Schümann. Foto: T. Trambow

„Die Mitte der Welt“ erzählt herrlich unverkrampft von einem jungen Schwulen.

 

Es könnte so viel schiefgehen: Eine alternative Mutter aus besserem Hause kommt schwanger aus den USA zurück. Jetzt sind Phil und seine Zwillingsschwester 17 Jahre, wurden antiautoritär erzogen und haben nie erfahren, wer ihr Vater ist. Und Phil ist schwul.

Das wäre eine Fundgrube für jeden Psychoanalytiker. Aber „Die Mitte der Welt“ nach dem Bestseller von Andreas Steinhöfel ist eben kein Problemfilm, sondern einer, der anhand vom Erwachsenwerden wunderbar leicht große Lebensfragen durchspielt und dabei große Tiefe entwickelt. Dass der junge Lebens- und Alltagsheld (gespielt von Louis Hofmann) in seiner Umwelt mit seinem „Nicht Hetero“-Sein auf keine Probleme mehr stößt, ist der unverkrampften Modernität der Geschichte geschuldet.

Der junge Regisseur Jakob M. Erwa findet für die Liebe wunderbare ironische Hochglanz-Kitschbilder, die aber eben nicht nur in Teenie-Köpfen so sind, spielt mit Sommer und Sonne und erzeugt so eine Entspanntheit, ohne zu leugnen, dass das Leben einem auch böse mitspielen kann.


Regie: Jakob M. Erwa (D, 115 Min.)

Kinos: Arena, Atelier, Mathäser

 

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