AZ-Filmkritik "Denk ich an Deutschland in der Nacht": Aufgedreht

Die Schweizer Musikerin und DJane Sonja Moonea. Foto: REM

Romuald Karmakars Dokumentarfilm über die DJ-Szene: "Denk ich an Deutschland in der Nacht" – und eine Party.

Der DJ Ata beschreibt die elektronische Musiklandschaft mit einem Teppich. Einem, der so riesig ist, dass man sein Ende nicht mehr sehen kann. "Erst wenn man sich damit beschäftigt, erkennt man im Teppich eine Struktur." Wie macht man nun einen Dokumentarfilm über Techno- und House, auch für Leute, die sich noch nicht in den Teppichfasern verloren haben? Romuald Karmakars "Denk ich an Deutschland in der Nacht" ist ein wunderbares Beispiel.

Der Regisseur konzentriert sich hier weder auf musikhistorische Diskurse, noch auf Genre-Wissenschaften. Er begleitet fünf DJs beim Auflegen im Club und beim Komponieren am Heimcomputer. Vor allem aber lässt er sie selbst sprechen. Über ihre Vergangenheit, ihre Zukunft, aber auch über den Platz der Party in Zeiten des Terrors. Auch hier wird es nicht nur für die Rave-Spezialisten interessant. Es geht vor allem um das Wahrnehmen und Wirken von Geräuschen und Klängen, um die geheimnisvolle Energie der Musik überhaupt.

Viel Platz für die Musik

Und da liegt schon der nächste Pluspunkt von Karmakars Film. Er räumt der Musik den gebührenden Platz ein, was paradoxerweise in vielen Musikdokus untergeht. Zahlreiche minutenlange Aufnahmen bieten die Chance, sich ganz auf die elektronischen Töne zu konzentrieren - wahlweise aber auch auf ihre Erzeuger hinter dem Mischpult.

"Denk ich an Deutschland in der Nacht" ist ein philosophischer Ausflug in die Welt der synthetischen Sounds. Vor allem empfehlenswert für Leute, die immer noch Denken, elektronische Musik sei nichts als Bumm-Bumm und Knöpfchen-drücken.


Kino: täglich im Atelier

 

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