AZ-Filmkritik Creed - Rocky's Legacy: Ergreifend die Seite wechseln

Sylvester Stallone (als Rocky) und Michael B. Jordan (als Adonis) sind zwei, die es sich, den anderen und den Härten des Lebens noch einmal zeigen wollen. Foto: Warner

Die „Rocky“-Reihe intelligent fortgesetzt: Der Veteran Sylvester Stallone wird zum Trainer und bekommt ein junges Gegenüber in „Creed“

 

Muskelbepackt, tätowiert, um keinen dümmlichen Macho-Spruch verlegen. So sieht das Klischee-Bild vom schwarzen Boxer aus der Gosse aus. Wie gut, dass der erst 29-jährige Regisseur Ryan Coogler in „Creed – Rocky’s Legacy“ damit bricht – und ihm damit sowohl bei Kritik als auch an US-Kassen Wirkungstreffer gelangen.

Der Jungfilmer hatte die Idee, den sieben Filme starken Rocky-Mythos um eine cineastische Perspektive zu erweitern. Der illegetime Sohn des populären Rocky-Gegners Apollo Creed sollte dabei die Hauptrolle spielen. Völlig klar, dass Sylvester Stallone als würdig gealterte Kino-Boxlegende mit dabei sein musste. Der zögerte lange, gab nach Cooglers starkem Debüt „Fruitvale Station“ aber grünes Licht. Eine weise Entscheidung, denn Stallone wurde für seine lässig-einfühlsame Leistung mit dem Golden Globe geehrt. Und auch der Oscar – 40 Jahre nach „Rocky“ – scheint realistisch.

Spannend, weil noch ganz andere Schlachten des Lebens geschlagen werden

Der Fokus liegt aber auf Adonis Johnson (Michael B. Jordan). Ein nach außen hin gut situierter, in sich ruhender Angestellter mit Karriere-Perspektive. In dem Vollwaisen – Papa Apollo starb in „Rocky IV“ im Ring, die Mutter war „nur“ eine seiner Affären – lodert das Boxfeuer. Der Schnösel will allen beweisen, dass er kein „Fehler“ seines Vaters war, sehr zum Gram seiner Pflegemutter, Apollos Witwe (Phylicia Rashad). Und so kommt es, wie es in solchen Dramen häufig kommen muss: Adonis schmeißt alles hin, fährt inkognito nach Philadelphia, um sich von Rocky, dem Ex-Rivalen seines Vaters, stählen zu lassen.

Der bereichterte Aufbau des Originals

Ganz ähnlich wie jüngst der neue „Star Wars“-Hit folgt die Geschichte dann haargenau dem Aufbau des Original-Kultfilms. Der alte Rocky, ein Idol in der Stadt und Betreiber eines kleinen Restaurants, ziert sich zuerst, treibt den Heißsporn dann aber zu Höchstleistungen an. Und nach vielen kuriosen Trainingseinheiten (darunter einer Hühnerjagd) kommt es trotz Rückschlägen (Hitzkopf Adonis prügelt sich in den Knast) am Ende zum großen Kampf, zur unverhofften Titel-Chance.

Was ist an „Creed“ also so besonders? Zum einen die filmische Klasse, das Gefühl für Atmosphäre, der Mut zum Pathos und die teilweise ohne Schnitt brillant inszenierten Boxzenen. Vor allem aber die berührenden, mit sich und ihren Krankheiten ringenden Charaktere. Rocky, vom Krebs gezeichnet, muss nun ganz andere Schlachten schlagen, Adonis’ Freundin, eine aufstrebende Sängerin, droht die Taubheit, während der in sich gekehrte Antiheld seinen Kampfgeist im Überwinden des Vaterkomplexes erst noch finden muss.


Kino: City, Münchner Freiheit, Mathäser sowie Cinema und Museum (OV) R: Ryan Coogler (USA, 131 Min.)

 

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