AZ-Filmkritik „Bob, der Streuner“: Neun Leben – um eines zu retten

Luke Treadaway (James) mit dem „originalen“ Bob und einem Passanten (gespielt von Regisseur Roger Spottiswoode). Foto: Concorde

„Bob, der Streuner“ ist ein Film, der niemanden kalt lassen kann. Er erzählt von der engen Freundschaft zwischen einem Straßenmusiker und einem Kater – und beruht auf einer wahren Begebenheit.

 

Auf den ersten Blick scheint „Bob, der Streuner“ von dem amerikanischen Regisseur Roger Spottiswoode ein bisschen stark auf die Tränendrüse drücken zu wollen: James (Luke Treadaway) schlägt sich mehr schlecht als recht als Straßenmusiker in Covent Garden durch. Er ist am Wendepunkt seines Lebens angekommen.

Mit elf Jahren war er das letzte Mal nüchtern. Nun will er seine letzte Chance nutzen. Seine Betreuerin Val (Joanne Froggatt) hat ihm eine kleine Sozialwohnung verschafft, der ehemals Obdachlose muss aber auch ein strenges Methadon-Programm befolgen. Jetzt will James nur eines: endlich clean werden und ein richtiges Leben führen.

Das Letzte, was er dabei braucht, ist ein Haustier, aber Straßenkater Bob, der eines Tages einfach in James’ Wohnung schlüpft, ist da ganz anderer Ansicht. Denn manchmal braucht man neun Leben, um eines zu retten.

Bob jedenfalls lässt sich von James’ Abwehrversuchen nicht beirren. Er folgt ihm auf Schritt und Tritt und erntet Neugier und Bewunderung von Touristen und Passanten, wenn James in Covent Garden als Straßenmusiker auftritt. Und er gibt James etwas, was dieser bisher nicht kannte; das Gefühl, Verantwortung zu übernehmen.

„Bob, der Streuner“ basiert auf einer wahren Geschichte!

Fast unglaublich, dass „Bob, der Streuner“ auf einer wahren Geschichte basiert: James und Bob begegneten sich zum ersten Mal im Jahr 2008 und sind seitdem unzertrennliche Freunde. Sie wurden berühmt, als ihre Geschichte 2012 in dem Buch „Bob, der Streuner“ ein Weltbesteller wurde.

London erlebt man in diesem Film gleich in doppelter Bedeutung von unten: die Misere der Obdachlosigkeit und der Kampf ums Clean-Werden ist der Drehpunkt des Films, der auch häufig die Perspektive von Bob einnimmt und die Menschenwelt aus Katzenhöhe betrachtet. Spottiswoode inszeniert seine ungewöhnliche Freundschaftsgeschichte mit viel Sensibilität, nie aber gerät der Film in Kitschgefahr.

Für die Rolle des Bob – und das ist ein weiteres Märchen dieses Films – wurden Dutzende von Katzen gecastet, bis sich das Team schließlich doch entschloss, in den meisten Szenen mit dem Original-Bob zu drehen. Sein Charme ist nicht kopierbar. Für James hingegen springt der Schauspieler Luke Treadaway ein, der auch als einfühlsamer Interpret der britischen Songs überzeugt.

Der einfach gestrickte Film hat eine starke Botschaft: Freundschaft ist der sicherste Weg zum Glück, wenn das Leben mal nicht so richtig mitspielt.


Kino: Mathäser, Münchner Freiheit, Museum Lichtspiele, Cineplex Germering

Regie: Roger Spottiswoode (GB, 103 Min.)

 

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