AZ-Filmkritik "Battle of the Sexes" - Der Kampf geht weiter

Auf der Pressekonferenz vor dem großen Geschlechterkampf: Billie Jean King (Emma Stone) und Bobby Riggs (Steve Carell). Foto: 20th Century Fox

In ihrem Siebziger-Jahre-Kolorit "Battle of the Sexes" thematisieren Jonathan Dayton und Valerie Faris den zeitlosen Kampf der Geschlechter. Kurzweilig und liebevoll, doch die Realität fügt sich nicht immer den Bedürftnissen Hollywoods.

 

Billie Jean King hat über 120 Tennisturniere gewonnen. Aber ihren wichtigsten Sieg errang sie 1973 im „Battle of the Sexes“, dem Kampf der Geschlechter. Da schlug sie den Ex-Wimbledon-Sieger und Dauer-Macho Bobby Riggs haushoch. Und bewies, dass Frauen Männern gewachsen sind. Riggs war zwar schon 55, doch der Sieg war von großer Bedeutung, weil die Medien das Match zum Mega-Ereignis pushten – und weil King darum kämpfte, dass weibliche Profis die gleiche Bezahlung erhalten wie männliche.

Das Thema ist somit zeitlos. Drehbuchautor Simon Beaufoy („Slumdog Millionaire“) und das Regieduo Jonathan Dayton und Valerie Faris erzählen von Billie Jean Kings Kampf um Gerechtigkeit ganz leicht, ohne jede Verbissenheit. Zum Glück: Denn was richtig und falsch ist, ist aus heutiger Sicht zu offensichtlich, um bierernst davon zu erzählen.

Die Regisseure stellen die Machos von damals auch nicht anachronistisch als Ungeheuer hin. Bobby Riggs’ Gockeleien („Klar gehören Frauen auf den Tennisplatz, wer soll denn sonst die Bälle aufheben?“) werden eher als PR-Gags dargestellt, und auch sonst kann man dieser Figur nicht allzu böse sein, diesem etwas albernen Hazardeur, diesem Zocker, der anderen Spielsüchtigen bei einer Therapiesitzung erklärt: Euer Problem ist nicht, dass ihr spielt, sondern dass ihr zu schlecht spielt. Steve Carell macht aus diesem Mann eine Komödien-Figur.

Realität ringt Dramaturgie nieder

Die Geschichte ist kurzweilig erzählt, und der liebevolle Siebziger-Jahre-Kolorit – samt grobkörniger Bildauflösung – schön anzusehen. Aber „Battle of the Sexes“ will zu viel. Er erzählt auch von den turbulenten Privatleben von King und Riggs, und vor allem letzterer Erzählstrang ist zu rudimentär.

Die Liebesgeschichte von Billie Jean King (Oscar-Gewinnerin Emma Stone) und ihrer verführerischen Friseurin Marilyn (Andrea Riseborough) wird etwas ausführlicher erzählt. Sie geht traumhaft los, als die glücklich verheiratete Tennisspielerin beim Haareschneiden plötzlich spürt, wie diese Frau sie anzieht. Mit Nahaufnahmen inszenieren die Filmemacher diesen Schlüsselmoment kunstvoll. Doch die heimliche Liebe rückt im Laufe des Films wieder in den Hintergrund. Womöglich schob die Realität der Dramaturgie einen Riegel vor: Billie Jean King verließ zwar ihren Mann, doch die Liebe ihres Lebens wurde später eine andere Frau. Und auch das historische Match fügt sich nicht so recht in die Hollywood-Logik.

Wie in jedem Sportfilm wird es am Ende ausführlich ausgefochten. Doch ein Tennisspiel, das 6:4, 6:3, 6:3 ausgeht, taugt nicht so recht als dramatischer Höhepunkt eines Films, die Spannung wirkt aufgesetzt. Das Drumherum aber ist schön anzusehen, der pompöse Einzug ins Stadion etwa oder die originale Fernseh-Vorberichterstattung von 1973, in die die Schauspielerin Natalie Morales (als Tennis-Spielerin Rosie Casals) montiert wurde. Sie spricht mit dem echten Moderator von damals, Howard Cosell – und der nimmt sie, ganz machohaft, in den Arm wie ein Kind.


Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris (GB/USA, 122 Minuten)
Kinos: Mathäser, Monopol (OmU)

 

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