AZ-Filmkritik "Avengers: Endgame": Hält das große Finale, was es verspricht?

Tony Stark, alias Iron Man, schwebt noch immer im Weltall. Foto: Marvel Studios/Walt Disney Germany/dpa

Der Mega-Blockbuster "Avengers: Endgame" lockt ab dem 24. April Millionen von Marvel-Fans in die Kinos. Hält der lange erwartete Film, was er verspricht? Lesen Sie es hier – in der AZ-Filmkritik.

 

Wieviel bist du bereit ganz persönlich zu opfern, um einem höheren (Superhelden-)Zweck zu dienen? Diese Frage geistert – in all ihrem Pathos – durch 22 Marvel-Comic-Verfilmungen, die seit 2008 unter der Ägide von Studioboss Kevin Feige entstanden sind. Nie aber stand das Märtyrertum mehr im Zentrum als in "Avengers: Endgame", dem vorläufigen Höhepunkt der Marvel-Reihe. Der Blockbuster, dem zugetraut wird, den Einspiel-Rekord von "Avatar" zu brechen, schließt unmittelbar an "Avengers: Infinity War" an.

Iron Man und Captain America wieder vereint?

Oberschurke Thanos (Josh Brolin) hat dank der Macht der Infinity-Steine die Hälfte der Menschheit ausgelöscht, darunter auch die Marvel-Helden Spider-Man (Tom Holland) und Doctor Strange (Benedict Cumberbatch). Diese bedrückende Tatsache des dauerhaften Verlusts zieht sich nun durch die ganze erste Stunde von "Endgame". Bewundernswert ist dabei die Ernsthaftigkeit, mit der die Regisseure Anthony und Joe Russo die je nach Held grundverschiedene Trauerarbeit zeigen.

Während der pflichtschuldige Captain America (Chris Evans) mit verkleinertem Team verzweifelt nach Lösungen sucht, zieht sich der zweite Anführer, Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.) völlig ins Private zurück. Hawkeye (Jeremy Renner) gibt dahingegen undercover den Auftragskiller, während Thor (Chris Hemsworth) mit Bier-Plauze beim Computerspielen zu vergessen versucht und damit für ein wenig Heiterkeit sorgt.

Kommen Spider-Man, Doctor Strange und Black Panther zurück?

Und als Tony endlich einen Weg findet, mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit zu reisen, um den Genozid von Thanos rückgängig zu machen, kommen die Macher wieder zurück zur Einstiegsfrage. Die Landhausruhe aufgeben, das eigene Kind gefährden, nur für den gewagten Versuch die Vergangenheit zu ändern?

Wie die Antwort bei Tony dann aussieht, ist nicht überraschend, liegt die Essenz von Comic-Helden doch in erster Linie darin, selbstlos die Schwachen zu schützen und das Gute (und seine Werte) zu bewahren.

Die Avengers gegen Thanos

Geschickt verknüpfen die Russo-Brüder in der nächsten Zeitreise-Stunde die Großereignisse der letzten Verfilmungen mit dem Ist-Zustand der Helden, inklusive amüsanter Begegnungen mit dem eigenen, jüngeren Ich.

Erst im Schlussabschnitt bedient "Avengers: Endgame" den Hunger nach Action, wenn in der großen Schlacht mit Thanos und seinen Häschern die jeweiligen Avengers ihre unterschiedlichen Kräfte einsetzen können. Und doch liegt auch hier der Fokus nicht auf der Materialschlacht, sondern auf dem Einzelschicksal. Diese Konsequenz rechtfertigt auch die enorme Laufzeit von drei Stunden, denn nur so können auch Nebenfiguren wie die traumatisierte Thanos-Tochter Nebula (Karen Gillan) oder der herrlich naive und bespöttelte Ant-Man (Paul Rudd) glänzen.

Insofern widerspricht der ungewohnt emotionale, zurückhaltende "Avengers: Endgame" auf positive Weise dem häufig fatalen Blockbuster-Motto: Mehr ist mehr.


Kino: Cadillac, Cinemaxx (auch 3D), Cincinnati (3D) und Arri (3D auch OV), City (OmU) sowie Cinema (OV, 3D) | Regie: Anthony und Joe Russo (USA, 181 Min.)

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