AZ-Filmkritik "Augenblicke - Gesichter einer Reise": Regisseurin Agnès Vardas feiert Jubiläum

Tierisches Augenmerk: Auch eine Ziege zählt zu Vardas und JRs Fotosujets. - eine Filmszene aus „Augenblicke: Gesichter einer Reise“. Foto: Agnès Varda-JR-Ciné-Tamaris, Social Animals 2016/dpa

Zum 90. Geburtstag der Regisseurin kommt Agnès Vardas neuer Film "Augenblicke - Gesichter einer Reise" in die Kinos.

 

Goldener Löwe, Ehren-Oscar, Ehrenleopard, Palme d’honneur: Agnès Varda ist in ihrer über 60-jährigen Karriere mit Ehrungen und Auszeichnungen überhäuft worden.

Zu Kopf gestiegen ist ihr das jedoch nicht. Sie sei eine kleine Königin am Rande des Kinos, sagte sie. Die Ehren-Oscars bekämen Leute, die keine Hollywood-Stars und Blockbuster-Filmemacher seien. Dass man sie jedoch wahrgenommen habe, habe sie sehr berührt.

Filmemacherin Agnès Vardas feiert 90. Geburtstag

Es ist schwer, die französische Filmemacherin und Installationskünstlerin, die am Mittwoch 90 Jahre alt wird, nicht zur Kenntnis zu nehmen. Seit ihrem Film "Augenblicke: Gesichter einer Reise", den sie mit dem Streetart-Künstler JR gedreht hat, ist ihr Name in aller Munde. In Frankreichs Medien ist sogar von einer "Vardamania" die Rede. Die Doku erhielt weltweit zahlreiche Preise und wurde für einen Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert. Nun kommt der Film einen Tag nach ihrem Geburtstag in die deutschen Kinos.

Für den Film ist Varda zusammen mit JR in einem Fotomobil durch das ländliche Frankreich gereist. Dabei sind sie Fabrikarbeitern und Bauern begegnet, deren Porträts sie auf Fassaden und Schiffscontainern anbrachten. Die Regie-Ikone mit der ewig gleichen, helmartigen Pagenfrisur hat sich schon immer für einfache Menschen interessiert. Sie lerne sehr viel von ihnen, sagte sie. Und betonte: "Ich habe noch nie Reiche und Wohlhabende gefilmt."

"Augenblicke - Gesichter einer Reise": im Wohnmobil durch Frankreich

So erzählt ihr Film "Vogelfrei" (Originaltitel: "Sans toit ni loi") die Geschichte einer Frau, die als Landstreicherin durch Südfrankreich zieht und den Kältetod stirbt. Für den Film wurde Varda 1985 als erste Frau in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Varda gilt als Pionierin des Autorenkinos und als "Großmutter der Nouvelle Vague", jener Bewegung, die in den 60er Jahren gegen das herkömmliche Erzählkino Sturm lief. Noch immer gehört sie mit ihren Werken, die zwischen Wirklichkeit, Fiktion und Poesie schwanken, zu den eigenwilligen Cineasten unserer Zeit.

Die Tochter eines Griechen und einer Französin hat mehr als 30 Filme gedreht, die halbe Welt fotografiert und ist mittlerweile auch als Installationskünstlerin international bekannt.

Ihren Durchbruch schaffte sie jedoch erst 1962 mit "Cleo - Mittwoch zwischen 5 und 7" - einem Spielfilm über objektive und subjektive Zeit. Zeit, die für sie immer kostbarer werde, wie sie sagte. Denn sie wolle noch viel unternehmen.

Was ihr Geheimnis sei, dass sie noch immer so fit ist? Ihre Antwort: "Ich trinke jeden Tag zwei Tassen heißes Wasser. Und das schon seit mehr als 50 Jahren."


R: Agnès Varda und JR Kinos: Atelier (OmU), Münchner Freiheit, Kino Solln (OmU), Studio Isabella (OmU), Theatiner Film (OmU), Neues Maxim (OmU)

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