AZ-Filmkritik "A Beautiful Day": Ein Film wie ein Hammerschlag

Joes (Joaquin Phoenix) Auftrag: Die junge Nina (Ekaterina Samsonov) retten. Foto: Constantin Film

"A Beautiful Day" ist ein nervenaufreibendes Filmerlebnis mit einem herausragenden Joaquin Phoenix.

Dieser Film beginnt mit Blut. Unvorbereitet steht der Zuschauer vor einer Leiche. Der Täter verlässt das Zimmer und wirft seine Waffe – einen Hammer – in die nächste Mülltüte. Noch ein kurzer Anruf, dass der Job erledigt ist, dann ist Feierabend. Mit diesem Mann wird das Publikum die nächsten eineinhalb Stunden verbringen. Und er ist "der Gute".

Von Anfang an wird klar, dass Lynne Ramsays "A Beautiful Day" kein leichter Ritt ist. Die Verfilmung von Jonathan Ames Buch "You were never really here" ist ein schmerzhafter und doch faszinierender Blick in die seelischen Abgründe seiner Hauptfigur Joe (Joaquin Phoenix). Vom Krieg ist er traumatisiert, sein Körper und seine Seele sind übersäht von Narben. Seine Berufung sucht er nun im Glück anderer: Joe setzt seine Militär- und FBI- Kenntnisse bei der Suche nach entführten Kindern ein.

"A Beautiful Day": Ein Film wie ein Hammerschlag 

Und hier kommt regelmäßig der Hammer zum Einsatz. Die einzigen friedlichen Momente verlebt er zusammen mit seiner Mutter im gemeinsamen Heim. Im Vergleich zum Arbeitsalltag sehen selbst deren Streitereien aus wie unerschütterliche Harmonie. Joe ist weder ein cooler Antiheld, noch ein unberechenbarer Psychopath a lá Travis Bickle aus "Taxi Driver". Er ist eine vielschichtige Figur, die zwischen Härte und Zerbrechlichkeit pendelt. Joaquin Phoenix spielt diese Zerrissenheit mit unglaublicher Hingabe. Sogar eine Kleinigkeit wie die Lieblingsfarbe der Geleebohnen scheint auf einmal einen psychologischen Hintergrund zu haben.

Und als der Zuschauer dann mit der unnahbaren Hauptfigur des Films vertraut ist, stürzt er mit ihm zusammen in den nächsten Abgrund. Joe soll Nina (Ekaterina Samsonov), die Tochter eines New Yorker Senatoren aus den Fängen eines Bordells befreien. Was wie ein normaler Auftrag beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Sumpf aus politschen Machtspielen und Perversionen.

Und so sieht sich Joe nun selbst als Gejagten. Dabei ist es nur konsequent, dass Lynee Ramsay diesen Polit-Thriller-Plot eher am Rande spielen lässt. Lieber konzentriert sie sich weiter auf ihren Protagonisten, dem nun die letzten Haltepfeiler wegbrechen und für den die Rettung Ninas die einzige Möglichkeit ist, selbst zu überleben. "A Beautiful Day" ist ein Film wie ein Hammerschlag. Es lohnt sich ihn einzustecken.


Kino: Münchner Freiheit sowie Atelier, Monopol (auch OmU) und Museum (OV) R: Lynee Ramsay (GB, 90 Min.)

 

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