AZ exklusiv Vilsmaiers Liebste: "Sepp ist stolz und erhaben gestorben"

"Wir haben uns toll ergänzt": Sepp Vilsmaier und Birgit Muth im Juli 2019. Foto: imago images/Spöttel Picture

Zehn Jahre lang war sie die starke Frau an der Seite von Star-Regisseur Joseph Vilsmaier († 81): TV-Journalistin Birgit Muth spricht exklusiv in der AZ über ihre besondere Liebe, schwierige Konstellationen und seine letzten Worte.

 

München - Wer sie zusammen erlebte, spürte schnell dieses flirrende einzigartige Gefühl zwischen ihnen – ihre Liebe. Star-Regisseur Joseph "Sepp" Vilsmaier († 81, "Stalingrad", "Comedian Harmonists") und TV-Journalistin Birgit Muth waren knapp zehn Jahre ein Paar.

Trotz des Größenunterschieds auf Augenhöhe, trotz der unterschiedlichen Temperamente eine Einheit. Exklusiv in der AZ spricht Vilsmaiers Liebste über den schweren Verlust, einen ganz besonderen Mann, ihre filmreife Liebe – und seine letzten Worte.

AZ: Liebe Birgit Muth, mein allerherzlichstes Beileid. Die wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen?
BIRGIT MUTH: In meiner ganzen Trauer hilft es mir gerade sehr, dass ich so viel wunderbare Anteilnahme bekomme. Meine beiden Kinder geben mir viel Kraft, aber auch Schauspieler, Politiker, Freunde, Kollegen schreiben mir, schicken Fotos vom Sepp und weinen mit mir am Telefon. Das tut gut und hilft. Der Sepp hat immer die Menschen umarmt – jetzt umarmen sie ihn.

Und damit auch Sie.
Ja, das ist schön. Ich sehe ihn die ganze Zeit vor mir, erinnere mich an die letzten zehn großartigen Jahre, etliche Anekdoten mit ihm – das macht es mir leichter, aber auch schwerer. Es läuft gerade ein richtiger Film mit ihm in meinem Kopf ab.

Das hätte ihn gefreut.
Und wie! Die letzten zehn Jahre mit diesem besonderen Mann werde ich nie vergessen und immer in meinem Herzen tragen. Das habe ich ihm immer vor seinem Tod gesagt – und er wusste es auch: Durch seine vielen Filme ist er eh unsterblich, aber im Herzen seiner drei Töchter – und in meinem Herzen sowieso – lebt er weiter.

Birgit Muth: "Sepp war ein extrem lebensfroher Mensch"

Ahnten Sie, dass er mit den Kräften am Ende war – oder hatten Sie die Hoffnung, dass er noch länger durchhalten würde?
Ich habe sehr für ihn gehofft, dass er noch seinen Film "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" zu Ende drehen kann. Das war ihm enorm wichtig. Glücklicherweise hat er es geschafft. Das war ja auch sein Thema, leider: der Tod.

Er hat auch privat kein Tabuthema daraus gemacht?
Nein, er wusste, dass er Krebs hatte, ich wusste es – und ganz wenige engste Vertraute. Aber er wollte es nicht an die große Glocke hängen. Und er wollte auch kein Mitleid.

Wie ist er mit der Krebs-Diagnose umgegangen?
Bemerkenswert stark. Der Sepp war immer ein extrem lebensfroher Mensch, voller Optimismus und Hoffnung, das habe ich an ihm bewundert und geliebt. Er hat nie gejammert oder mit dem Schicksal gehadert. Er hat es angenommen und das Beste daraus gemacht. Er hat es wunderbar gemeistert.

Birgit Muth: So dachte Joseph Vilsmaier über den Tod

Sicher auch dank Ihnen.
Ich wusste, dass er es liebt, Filme zu machen, dass er dann glücklich ist. Also habe ich ihn unterstützt, so gut es ging.

Haben Sie mit ihm über den Tod gesprochen?
Ja, es gab oft Momente, wo wir darüber sprachen, über Werte, die uns wichtig sind – und was am Schluss bleibt. Aber noch lieber hat er trotzdem über das Leben geredet und die Zukunft. Er konnte den Tod wunderbar zur Seite schieben, weil er das Leben und die Menschen so sehr geliebt hat.

Hat er einen letzten Wunsch geäußert?
Beerdigung und Trauerfeier waren nicht so seine Themen. Er wollte nicht groß verabschiedet werden, weil die Filme ja sein Vermächtnis sind. Einmal sagte er mir, dass er sich wünschen würde, dass seine Asche über dem Meer verstreut wird.

Am Dienstagnachmittag ist er friedlich daheim eingeschlafen – ist das für Sie ein Trost?
Ja, ins Krankenhaus wollte der Sepp auf keinen Fall. Und er wollte auch keine Schmerzen erleiden müssen. Seine letzten Worte waren: "Jetzt reicht's mir." Er hat es selbst beschlossen und für sich entschieden, dass er jetzt gehen wollte. Sepp ist stolz, erhaben und selbstbestimmt gestorben – und das ist trotz aller Traurigkeit ein Trost für mich. Außerdem bin ich dankbar, dass sich seine drei Töchter zum Schluss so toll um ihn gekümmert haben.

Birgit Muth über ihre zehn Jahre mit Joseph Vilsmaier

Als Sie sich in Sepp verliebt haben, mussten Sie sich da den Platz zwischen drei Töchtern und einer toten Ehefrau (Vilsmaiers Frau Dana Vávrová starb 2009 mit nur 41 Jahren, Anm. d. Red.) erkämpfen?
Ich wollte mir keinen Platz erkämpfen müssen. Ich wusste, dass ihm seine Töchter immer wichtig sein werden – und seine Ehefrau. Sepp sagte mir: "Ich liebe dich." Das hat mir gereicht, es war genug. Mehr musste ich nicht wissen. Aber sicherlich war die Konstellation für alle Beteiligten auch mal schwierig.

Sie haben seinen Heiratsantrag abgelehnt – warum?
Als Sepp mich fragte, ob ich ihn heiraten möchte, habe ich mich natürlich sehr gefreut. Aber ich wollte niemanden kränken. Er hat es, wie so oft, mit Humor genommen und gerne mit einen Augenzwinkern gesagt: "Die Birgit ist ja eine Studierte, ich bin ihr nicht gut genug, deshalb will sie mich nicht heiraten." Für unser Glück brauchten wir keinen Trauschein.

Wie waren die zehn Jahre mit Sepp Vilsmaier?
Unvergesslich, turbulent, liebevoll und amüsant. Wir haben viel erlebt, haben uns toll ergänzt, konnten über so vieles reden, diskutieren und lachen. Auf den ersten Blick waren wir sehr unterschiedlich: Er war irre spontan, herzlich, gesellig, brauchte aber auch mal seine Ruhe und wollte dann seine geliebten Tierdokus anschauen. Dank ihm weiß ich heute so ziemlich alles über so ziemlich jedes Tier. Ich neige oft zum Nachdenken, gehe auch mal rational an Themen ran. Wir haben uns da perfekt ausgeglichen.

Birgit Muth: "Sepp hat mich verzaubert"

Als er damals vor knapp zehn Jahren mit einem Rosenstrauß am Münchner Flughafen stand, um Sie zu erobern – was war Ihre erste Reaktion?
Das war wirklich wie eine Filmszene. Sepp hatte mich zuvor eines Abends in größerer Runde gesehen und offenbar ganz interessant gefunden. Also begann er zu recherchieren, wie für einen seiner Filme. Akribisch, bis ins kleinste Detail checkte er, wo ich arbeite – ich drehte damals für den BR eine Dokumentation in Japan – und wann ich zurückkomme und in München lande.

Und da stand er dann plötzlich mit einem Strauß Rosen. Und wie reagierten Sie?
Ich war zunächst etwas zögerlich. Aber seinem Charme erliegt irgendwann jeder Mensch – und so ging es mir dann auch sehr schnell. Sepp hat mich mit seinem ganzen großartigen Wesen total verzaubert.

Lesen Sie hier: Trauer um Joseph Vilsmaier (†81) - Servus, Sepp!

Lesen Sie hier: Joseph Vilsmaier - Darum hat ihn das Publikum so geliebt

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading