AZ-Doppelinterview Stephan Hain & Dominik Stahl: "Zum Aufstieg sagen wir nicht nein"

Tragende Säulen im Hachinger Spiel: Stürmer Stephan Hain (links) und Mittelfeld-Mann Dominik Stahl. Foto: imago; Montage:AZ

Stephan Hain und Dominik Stahl von der SpVgg Unterhaching im Doppelinterview: Sie sprechen über die gute Hinrunde des Aufsteigers und über Ex-Klub 1860: "Am Ende hat man seine Werte verkauft."

AZ-Interview mit Stephan Hain und Dominik Stahl: Der 29-jährige Hain spielte von 2013 bis 2016 beim TSV 1860, dann wechselte er zur SpVgg Unterhaching. Mit seinen 32 Toren war er mitverantwortlich für den Wiederaufstieg in die 3. Liga. Stahl (29) wiederum war von 2007 bis 2016 ein Löwe, dann wurde auch er ein Hachinger.

AZ: Herr Hain, Herr Stahl, Sie haben die Hinrunde mit der SpVgg Unterhaching nach dem Last-Minute-Sieg gegen Werder Bremen II auf Rang fünf abgeschlossen – dank des Siegtreffers eines gewissen Stephan Hain in der Nachspielzeit.
DOMINIK STAHL: Der Stephan weiß eben, wo das Tor steht!
STEPHAN HAIN: Kann man lassen, oder? Wenn uns einer gesagt hätte, dass wir nach 20 Spielen schon 34 Punkte haben, hätte ich sofort unterschrieben. Ich bin brutal froh, dass ich verletzungsfrei bin und so im Rhythmus bleibe. Das macht viel aus. Ein bisserl Qualität ist zum Glück auch vorhanden. (lacht)

Wie fällt das Fazit für das Jahr 2017 aus?
STAHL: Wenn man das Kalenderjahr als Maßstab nimmt, war es sehr erfolgreich. Erst der Aufstieg, dann haben wir als Neuling eine gute Marke gesetzt. Wir haben etwas gebraucht, bis wir angekommen sind, weil es doch ein anderer Fußball ist als in der Regionalliga. Aber wir haben uns gut entwickelt.

Letzte Saison wurde Stephan Hain mit sensationellen 32 Toren in 28 Spielen Torschützenkönig, nun sind’s schon wieder zwölf Saisontore: Wie wichtig ist er für Hachings Erfolg, Herr Stahl?
STAHL: Er ist ein Garant dafür. Es ist Wahnsinn, was er geleistet hat. Es freut mich sehr, dass er so explodiert, vor allem weil ich weiß, was er alles dafür tut. Da kann man ihn nur in den höchsten Tönen loben.
HAIN: Domi Stahl kann man aber auch ganz gut gebrauchen. Nicht nur wegen seiner unbestrittenen fußballerischen Fähigkeiten. Seine bescheidene Art kommt in der Mannschaft brutal gut an, auf demPlatz geht er voran. Wir haben uns bei 1860 schon gut verstanden, das hat sich bei Haching nicht verändert.

Verbietet sich der Vergleich des Giesinger Traditionsklubs mit dem Vorstadt-Verein?
STAHL: Das ist kein Vergleich, in keinster Weise. Hier steht der Fußball im Vordergrund, die Nebenkriegsschauplätze – sofern es welche gibt – werden ferngehalten. Sechzig hat immer deklariert, dass es familiär zugeht. So war es lange Zeit, aber man muss ganz klar sagen: Am Ende hatte es nicht mehr viel mit Giesing und Tradition zu tun, man hat seine Werte verkauft. Dazu die vielen Trainerwechsel. Vielleicht musste es auch mal so kommen, dass Sechzig absteigt. Das ruhige Arbeiten hier ist sehr heilsam für mich, ich denke, auch für Stephan.

Stahl (r.) und Hain als Löwen im Jahre 2015.
Stahl (r.) und Hain als Löwen im Jahre 2015. Foto: Sampics/Augenklick

Haching ist sportlich betrachtet Münchens Nummer zwei im Fußball. Würde man sich nicht die große Fanbasis und ein Stück dieser riesigen Aufmerksamkeit wünschen?
HAIN: Nein, man muss es so akzeptieren, dass Haching keine solche Tradition hat. Manchmal erhofft man sich sicherlich mehr Zuschauer, aber unsere Fans machen trotzdem eine super Stimmung. Wir haben hier enorm viel Spaß, eine absolute Wohlfühloase.

In der vergangenen Saison haben Sie gegen Elversberg in der Relegation den Aufstieg gepackt, derzeit fehlen nur zwei Punkte zu Rang drei. Haben die Aufstiegsspiele Lust auf mehr gemacht?
HAIN: Die Liga ist ziemlich ausgeglichen. Wir müssen nach wie vor erstmal 45 Punkte zusammenkriegen. Lieber ein bisschen Demut an den Tag legen.
STAHL: Der Aufstieg hat sich schon verdammt gut angefühlt. Verstecken brauchen wir uns vor keinem. Wenn es sich gar nicht verhindern lässt, sagen wir nicht Nein. (lacht)

Irgendwelche Relegationstipps für die Löwen, sollten sie es ebenfalls soweit schaffen?
STAHL: Schwierig, weil es auf den Gegner ankommt. Ich denke, dass Sechzig früh Meister wird, wie wir letztes Jahr. Dann muss Trainer Daniel Bierofka zusehen, die Konzentration hochzuhalten. In der Relegation steht’s 50:50, aber im Grünwalder Stadion muss der Gegner erstmal bestehen.

Sie beide vereint, dass Ihr Abschied von Sechzig nach längerer Verletzungsmisere denkbar unwürdig ausfiel. Können Sie sich irgendwann eine Rückkehr vorstellen?
HAIN: Ich muss ehrlich sagen: nein. Ich habe einen langfristigen Vertrag und würde gerne meine Karriere hier beenden. Sechzig neigt dazu, sich immer wieder selbst in die Bredouille zu bringen. Ich habe das dort ein wenig unterschätzt, aber ich bin ein ruhiger, sensibler Typ, der sich viele Gedanken macht. Bei Sechzig prasselt so vieles auf dich ein, für diese Umgebung bin ich nicht geschaffen.
STAHL: Für mich war es brutal, dass ich damals gehen musste. Das mache ich aber nicht am Verein fest, eher an den handelnden Personen. Ich fühle mich total wohl bei Haching, also ist das jetzt kein Thema. Aber ich werde mein Leben lang viel mit Sechzig verbinden und ich hoffe, dass sie die Kurve kriegen. Der Fußball schreibt die verrücktesten Geschichten – man sollte also nichts ausschließen.

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