AZ auf Baustellenbesuch Thomas-Wimmer-Ring: Riesen-Garage unter der Erde

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Bis zu 13 Meter tief wird die Garage. Damit der Zeitplan eingehalten wird, passieren viele verschiedene Arbeitsschritte parallel zueinander. Foto: Petra Schramek

520 Autos sollen ab Frühling 2021 unter dem Thomas-Wimmer-Ring Platz haben. Die AZ hat die Baustelle besucht.

 

München - Mit einem Presslufthammer meißelt der Bagger Gestein aus dem Boden. Er will sich weiter in die Tiefe arbeiten.

Ein aufwendiger Prozess, denn hier, zirka zwölf Meter unter der Erde, hat er es mit festem Mergelgestein zu tun. "Hier unten gibt es fast ausschließlich felsähnlichen Untergrund. Da hilft nur noch, alles mühsam wegzumeißeln", erklärt Bernhard Deurer, Projektleiter der Mega-Baustelle am Thomas-Wimmer-Ring.

Mit Hilfe eines Seilbaggers werden pro Tag zirka 200 Kubikmeter Erdreich an die Oberfläche befördert. Insgesamt müssen 18.000 Kubikmeter aus der Erde gehoben werden. Wieder aus den Tiefen der Baustelle auf der Straße angekommen, deutet Deurer auf den Wohnblock an der benachbarten Knöbelstraße. "Das Volumen, das wir aus der Erde holen, würde ausreichen, den gesamten Block bis zum Dach mit Erde zu füllen", sagt er.

Wöhr + Bauer baut eine 140 Meter lange und 30 Meter breite Tiefgarage. Jedes der drei Geschosse wird 5.900 Quadratmeter messen, 520 Autos sollen hier insgesamt unterirdisch Platz finden.

Straffer Zeitplan: Tiefgarage soll im Frühjahr 2021 fertig sein

"Der Zeitplan ist eng getaktet", sagt Bernhard Deurer. Viele Arbeitsschritte finden parallel zueinander statt. Auf der einen Seite wird noch tief in die Erde gegraben, auf der anderen wird bereits an den Wänden und der Decke gearbeitet.

Im Frühjahr nächstes Jahr soll die Tiefgarage bereits fertig sein, dann wird noch die alte Fahrbahn wieder hergestellt – inklusive beidseitigen Radlstreifen im Zuge des Altstadt-Radlringes. Hier muss Wöhr + Bauer jedoch vermutlich auf die Sommermonate warten. Für die Neu-Asphaltierung der Straße müssen die richtigen Witterungsverhältnisse herrschen.

Damit der straffe Zeitplan eingehalten wird, sind insgesamt fünf Bagger gleichzeitig im Einsatz. "Allein die Geräte kosten uns 40.000 Euro pro Woche", sagt Deurer. Vor allem der felsähnliche Boden treibt jetzt die Kosten des Bauprojektes noch weiter in die Höhe. "Wir hatten mit vier Metern Stein gerechnet – jetzt sind es zirka acht bis neun", sagt Deurer. Kosten wird das gesamte Projekt insgesamt 50 Millionen Euro.

Nicht nur für Autos, auch für E-Scooter und Fahrräder ist Platz

Dass nicht alle von dem Bauprojekt begeistert sind, ist den Investoren bewusst. "Wir wissen, dass Tiefgaragen ein negatives Image haben", sagt Deurer. Unter anderem deshalb wird das unterirdische Bauwerk am Thomas-Wimmer-Ring von den Investoren auch deutlich schicker klingend "Mobilitätshotspot" genannt. Deurer erklärt: "Die Idee ist, dass Menschen ihr Auto hier abstellen und von hier aus auf Alternativen umsteigen."

Zu dem Konzept passend: Gebaut wird auch eine Fußgängerunterführung. Hier soll Platz für etwa 200 Fahrradstellplätze und für E-Scooter geschaffen werden. "Wir sind mit den Anbietern dazu im Gespräch", erklärt Deurer. Geplant sind zudem Gespräche mit Carsharing-Unternehmen. Bislang entstehen zunächst nur acht Stellplätze mit Ladestation für Elektro-Fahrzeuge. Die Garage sei jedoch so entworfen, dass langfristig deutlich mehr – wenn nicht sogar alle – Stellplätze mit Lademöglichkeiten ausgestattet werden könnten.

Auto-Fahrbahn bleibt trotz Altstadtradlring vierspurig

Im Stadtrat befasste man sich zuletzt mit einem anderen Problem rund um die Baustelle am Thomas-Wimmer-Ring. Nach Ende der Bauarbeiten sollte die Straße insgesamt nur noch drei- statt derzeit vierspurig sein.

Der Grund sind die geplanten Radlspuren für den Altstadtradlring. Sie müssen gemäß der Forderungen des Radlbegehrens mindestens 2,30 Meter breit sein. Wöhr + Bauer hat eine Lösung gefunden, bei der die Auto-Fahrbahn zweispurig pro Richtung bleiben kann – und die Radlwege 2,40 bis 3,50 Meter breit sein werden.

Allerdings führt der Radlweg direkt über einen Notausgang der Tiefgarage. Doch auch hierfür gibt es mittlerweile eine Lösung. "Das Treppenhaus wird jetzt einfach abgedeckelt, im Falle eines Brandes öffnet sich der Deckel automatisch", sagt Deurer. Und zwar mit einer solchen Kraft, dass er im Notfall sogar ein illegal darauf parkendes Auto in die Höhe hieven würde.

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