"Axel's Musikcafé" Ein Denkmal im Kleinkunstgedächnis

Vor gut 60 Jahren entstand dieses Gruppenfoto des Theatervereins vor der "Tafernwirtschaft am Tiefenbach". Mit auf dem Foto (rechts, stehend) Altbürgermeister Georg Schmerbeck. Foto: Privat

Mit Georg Danzer, Hans Söllner oder Byron bereicherte "Axel’s Musikcafé" einst die Landshuter Kultur.

 

Von Ralf Gengnagel Das verlassene "Gasthaus zum Tiefenbach" prägt seit vielen Jahren das Ortsbild der Gemeinde. Heute schenkt niemand mehr, der an der Hauptstraße an dem leerstehenden Wirtshaus vorbeikommt, dem heruntergekommenen Gebäude einen zweiten Blick. Seit 2011 steht es leer und wird nun abgerissen. Es ist lästig geworden – doch das war nicht immer so.

In seiner Blütezeit war es nicht nur ein Gasthaus, sondern auch "Kunst- und Kulturhaus", das in der Kleinkunst-Szene wegen den dort auftretenden hochkarätigen Künstlern weit über die Landkreisgrenzen hinaus eine besondere Adresse war. Der ehemalige Besitzer Alexander Lübbe eröffnete 1987 die Kleinkunstbühne "Axel’s Musikcafé" und erinnert sich noch heute an die gute alte Zeit.

Hier hörte man den Zither-Mäna, Polt und seine Biermösl Blosn

Für Kulturbegeisterte galt das Musikcafé seit Mitte der 80er Jahre als Geheimtipp, der sich herumgesprochen hatte und sich zu einem etablierten Namen in der Szene entwickelte. Es gehörte überregional zu den renommiertesten Kabarett-Adressen. Viele bekannte Künstler sind dort aufgetreten.

Lübbe lebt inzwischen in Mecklenburg. In seinem Haus gibt es ein Musikzimmer – an der Wand hängen Erinnerungen von Künstlern, die damals in Tiefenbach bei ihm auftraten: Es waren bekannte Gesichter wie Georg Danzer, Bettina Wegner oder Hans Söllner und natürlich nicht zuletzt Byron, zu dem Lübbe sich sehr verbunden fühlt. Die Kleinkunstbühne war bekannt für eine gute Mischung aus Unterhaltung aber auch aus gesellschaftspolitischem Kabarett. So standen beispielsweise Stephan Krawczyk und Stefan Distelmann nach der Wende auf der Bühne und ließen ihr Publikum teilhaben an den Schikanen des DDR-Regimes. Aber auch Künstler wie der "Zither-Manä", Gerhard Polt und seine Biermösl Blosn, Willy Astor oder Franz Josef Degenhardt traten live auf und schafften sich ein Denkmal im Kleinkunstgedächtnis der Tiefenbacher.

Den kulturellen Stein ins Rollen brachte Lübbe, nachdem er 1987 seinen Traum verwirklichte und aus dem einstigen Gasthaus "Axel’s Musikcafé" machte: "Ich war damals Manager einer Münchner Firma für Mikroelektronik. Nach der Tschernobyl-Katastrophe überkam mich die Sinnfrage und ich erkannte, dass andere Dinge im Leben viel wichtiger sind", erinnerte sich Lübbe. Lübbe lebt heute in Boddin (Mecklenburg) und führt dort einen Kunstverlag. "Ich denke heute noch oft und gerne an die Zeit in Tiefenbach zurück, es war für mich eine einzige Bereicherung und wird es immer sein", erzählte Lübbe. Lübbe zog nach sieben Jahren (1993) einen Schlussstrich: "Nach der Wende kaufte mein Vater unser früheres Gutshaus zurück, und ich zog mit ihm dorthin, um die alte Bruchbude wieder wohnlich zu machen", verriet Lübbe. Bereits in Tiefenbach gründete er den Kunsthausverlag, gab vier Bücher heraus und erweiterte den Verlag in Boddin, der heute ein stattliches Unternehmen mit eigener Druckerei ist.

Als Lübbe Tiefenbach verließ, drohte das jähe Ende der Kleinkunst-Szene vor Ort. Doch ein Retter war in Sicht, und Lübbe freute sich damals, dass mit Rainer Schmals ein Nachfolger gefunden werden konnte. Schmals führte zuvor das Münchner Kabarett "Unterton"– und unter "neuer Regie" ging am 1. Oktober 1993 der erste Veranstaltungsabend mit Christian Überschall und der Vorstellung seines damaligen neuen Programms über die Bühne und setzte die Ära des Kunsthauses noch viele Jahre weiter fort. Aber auch schon vor gut 60 Jahren, als das alte Wirtshaus noch den Namen "Tafernwirtschaft am tiefen Bach" trug, spielten sich darin regelmäßig kulturelle Veranstaltungen ab, wie ein altes Foto zeigt.

Darauf zu sehen sind die knapp 30 Mitglieder des früheren Theatervereins – unter ihnen Altbürgermeister Georg Schmerbeck in jungen Jahren. Mit den regelmäßigen Aufführungen versorgten sie die Tiefenbacher nicht nur mit unterhaltsamen Theaterstücken, sondern belebten damit das Dorfleben und das Gemeinschaftsgefühl.

 

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