Autokinos in der Coronakrise Geschützt im eigenen Wagen

Besucher schauen „Die Känguru-Chroniken“ in einem Autokino. Foto: Jan Woitas/dpa

Die Autokinos feiern bundesweit eine kleine Renaissance – in Bayern bleiben sie geschlossen

 

Für die meisten gelten sie als ein Relikt der Fünfziger Jahre, doch in der Corona-Krise sind auf einmal die Autokinos wieder en vogue. Nur in Bayern natürlich nicht, denn im Freistaat ist der Betrieb untersagt wie etwa beim Autokino in Aschheim. Das Geschäft läuft dennoch, die Firma DriveIn Autokinos hat noch vier weitere Standorte in Hessen, Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg.

Heiko Desch, der das Autokino Gravenbruch bei Frankfurt leitet, fungiert derzeit als Sprecher der Gruppe. Er spricht von enormen Zuwächsen, die die Kinos derzeit machen und das, obwohl sie sich selbst strengsten Hygienevorschriften unterworfen haben. „Wir haben beschlossen, auch wenn das gar nicht mehr überall gefordert wird, dass wir die Autos mit einem Abstand von 1,5 Metern parken lassen“, sagt Desch.

Nicht auf die leichte Schulter

Zwar könnten so nur gut ein Viertel der maximal möglichen Autos auf die Parkplätze vor den Leinwänden, aber dafür waren sehr viele Vorstellungen in den letzten Wochen ausverkauft. Und einen Vorteil hatte der Mindestabstand bei dem heißen Wetter auch: Die Kinobesucher konnten ihre Fenster öffnen. Zusätzlich haben die Autokinos Personal beschäftigt, das eine Schlangenbildung vor den Toiletten verhindert und diese andauernd desinfiziert. Denn auf die leichte Schulter nimmt die Firma das Corona-Virus natürlich nicht.

Neue Filme allerdings können auch die DriveIn Autokinos nicht anbieten. Am Anfang setzten sie auf die „abgebrochenen“ Kinoerfolge wie „Die Känguru Chroniken“ und unterhaltsame Blockbuster wie „Das perfekte Geheimnis“, dazu viele Kinderfilme am Nachmittag und neben dem „Joker“ auch Gruselfilme nach Mitternacht. Aber auch mit regionalen Zuschnitten hat die Gruppe sehr gute Erfahrungen gemacht. So liefen im Ruhrgebiet die Pottklassiker „Manta Manta“ und „Bang Boom Bang“ ganz ausgezeichnet.

„Wir sind derzeit ein bisschen die Krisengewinnler des Kinos“, sagt Desch und bezeichnet das Geschäft trotz reduzierter Autozahl und höherem Personalaufwand als lukrativ. „Immerhin können wir im Gegensatz zu allen anderen Kinos überhaupt Umsatz machen.“ Ebenso wichtig aber sei es, ein schon verlorenes Publikum nun wiederzugewinnen.

Ohne raschelnde Chipstüten

„Wir hatten viele Berichte im Fernsehen und in der Presse“, sagt Desch, „und viele Menschen, die uns nun zum ersten Mal besuchen.“ Auch mangelnde Konkurrenz belebt das Geschäft. Als Vorzüge preist er die Intimität der Vorstellung ganz ohne die lästigen Gespräche der Sitznachbarn mit raschelnden Chipstüten, zudem kann im Autokino jeder den Film so laut oder leise hören wie er möchte.

Desch hofft daher, dass die Autokinos sich derzeit ein neues Stammpublikum erobern, das auch dann treu bleiben wird, wenn die anderen Kinos eines Tages wieder öffnen dürfen. Und natürlich haben sich die DriveIn Autokinos auch um eine Öffnung in Aschheim bemüht. Vorgestern kam ein Standardschreiben vom Landesgesundheitsamt, das auf das geltende Veranstaltungsverbot bis zum 3. Mai verwies, gestern wurde die Frist von der Bayerischen Staatsregierung noch einmal um eine Woche verlängert.

„Bayern ist ja immer etwas strenger als der Rest des Landes“, sagt Desch, „insofern akzeptiere ich die Entscheidung, auch wenn ich sie nicht verstehe.“ Das Publikum nämlich verhalte sich äußerst diszipliniert. Das allerdings wird man in Bayern gar nicht erst überprüfen können.

 

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