Autobombe detoniert Mindestens 32 Tote bei Angriff in Kabul

Aus einem Regierungsgebäude steigen nach einer Explosion Flammen auf. Foto: Rahmat Gul, AP/dpa

Die afghanische Hauptstadt Kabul wird erneut von einem Anschlag erschüttert. Dutzende Menschen sterben. Bei dem mehrere Stunden andauernden Angriff sind zeitweise mehrere Hundert Beamte in den Regierungsgebäuden gefangen.

 

Kabul - Bei einem Angriff auf Regierungsgebäude in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Montag mindestens 28 Zivilisten und ein Polizist ums Leben gekommen.

Drei Angreifer seien ebenso getötet worden, bestätigte Nadschib Danisch, ein Sprecher des Innenministeriums, am Abend. Mindestens weitere 16 Zivilisten und ein Polizist seien verletzt worden. Die Situation sei inzwischen unter Kontrolle der afghanischen Sicherheitskräfte. Ob sich noch Angreifer in den Gebäuden aufhielten, war unklar. Die Sicherheitskräfte hätten insgesamt 357 Menschen, die meisten von ihnen Beamte, während der stundenlangen Schießerei in Sicherheit gebracht.

Vor dem Ministerium für öffentliches Bauwesen war am Nachmittag eine Autobombe detoniert. Danach stürmte laut Rahimi eine unbekannte Anzahl von Angreifern nahe gelegene Gebäude des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Märtyrer und Behinderte. Von diesen aus feuerten die Angreifer auf weitere Regierungsgebäude in der Umgebung.

Menschen, die offensichtlich in den Regierungsgebäuden festsaßen, posteten im sozialen Netzwerk Facebook: "Sie töten alle. Ich weiß nicht, was ich tun soll? Es gibt kein sicheres Versteck", schrieb ein Nutzer. Man solle für ihn beten, bat der Mann. Eine unabhängige Überprüfung war nicht möglich.

Bisher bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Es handelt sich um den 22. große Anschlag in der afghanischen Hauptstadt in diesem Jahr. Dabei starben insgesamt mehr als 500 Menschen. Den Großteil der Anschläge reklamierte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich.

Erst am Sonntag wurden in Afghanistan der Verteidigungs- und Innenminister ausgetauscht. Die Sicherheitslage hatte sich in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert. Die afghanische Regierung kontrolliert nur noch wenig mehr als die Hälfte der Bezirke des Landes. Weitere 30 Prozent sind umkämpft.

Asadullah Chalid und Amrullah Saleh, die das Verteidigungs- und Innenressort bis zu ihrer Bestätigung im Parlament geschäftsführend übernehmen, gelten als Anti-Taliban-Hardliner. Beide haben in der Vergangenheit bereits den Geheimdienst NDS geleitet.

Sie kritisierten in den vergangenen Monaten aber auch die Kriegsführung unter Präsident Aschraf Ghani stark. Die radikalislamischen Taliban setzen den Sicherheitskräften der Regierung stark zu, Militärkreisen zufolge sterben im Durchschnitt täglich 35 Soldaten und Polizisten in Gefechten und Anschlägen.

Am Donnerstag waren zudem Berichte in US-Medien erschienen, wonach die US-Regierung die Hälfte ihrer 14.000 Soldaten aus Afghanistan abziehen wolle. Die bisher unbestätigten Berichte hatten für Unruhe bei der afghanischen Regierung, Bevölkerung sowie bei den Nato-Bündnispartnern gesorgt, die ebenfalls Soldaten in Afghanistan stationiert haben, darunter auch Deutschland. Gleichzeitig laufen Bemühungen, den Krieg politisch zu beenden. Dazu gab es jüngst mehrere Direktgespräche zwischen den USA und Vertretern der Taliban.

 

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