Auswirkungen der Corona-Krise Gasthäuser vor dem Abgrund: Wirte rufen um Hilfe

Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
Angela Inselkammer und Jürgen Lochbihler ermuntern dazu, sich wieder in einer Wirtschaft oder in einem Restaurant mit Getränken und Speisen verwöhnen zu lassen. Foto: Daniel von Loeper

Umsatzeinbußen machen in der Stadt den großen Gaststätten mehr zu schaffen als den kleinen. Wirte schlagen Alarm und kritisieren: Debatten um eine zweite Corona-Welle seien Panikmache.

 

München - Angela Inselkammers Gasthof in Aying gibt es schon seit 200 Jahren. Sie selbst kennt den elterlichen Betrieb, so lange sie denken kann. Doch noch nie hat sie solch eine Krise erlebt, vor allem während des Lockdowns war es schlimm.

"Von heute auf morgen war da nur noch Stille", sagt sie am Mittwoch im Presseclub, "keine Touristen keine Spaziergänger, keine Radler, die uns besuchen – nichts!"

Das habe ihre Kollegen finanziell extrem getroffen, so Inselkammer, eine leidenschaftliche Gastronomin und bayerische Landespräsidentin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Der Lockdown ist mittlerweile zwar vorbei. Auf dem Land erhole sich das Gastgewerbe langsam. Doch in der Stadt sehe es dramatisch aus, so Inselkammer. 50 bis 70 Prozent betrage der aktuelle Umsatzeinbruch bei Münchner Wirten.

Corona-Krise: Münchner Hotelbranche nur zu 20 Prozent ausgelastet

Bei Übernachtungen sei die Lage noch dramatischer. "Die Münchner Hotelbranche hat derzeit eine Auslastung von 20 Prozent. Das ist auf Dauer tödlich", sagt Inselkammer. Niemand habe die Corona-Krise vorhersehen können. Alle seien deshalb schlecht vorbereitet gewesen. Kommt bald das große Hotel- und Wirtshaussterben?

In den letzten Wochen hieß es, rund 70 Prozent der bayerischen Wirtshäuser seien gefährdet. Diese Zahl will Inselkammer nicht bestätigen: "Das kann keiner vorhersagen." Schließlich sei das Insolvenzrecht bis September ausgesetzt. Aber man könne sicher sagen, dass die aktuellen Debatten nicht dazu beitrügen, die Lage zu entspannen. Inselkammer ärgert, "das permanente Gerede von der zweiten Welle".

Sie appelliert auch an Politiker, keine Panik zu verbreiten: "Das Virus wird uns noch eine ganze Weile begleiten. Und wir müssen damit umgehen", sagt Inselkammer, "wir haben doch Hygiene-Standards." Sie vergleicht das mit dem Straßenverkehr. Der sei statistisch deutlich gefährlicher als Corona – "aber wir steigen doch trotzdem alle ins Auto".

Wirtshaus-Chef: "Wir tun alles dafür, dass ein Besuch sicher abläuft"

Ihr Kollege Jürgen Lochbihler, Chef des Wirtshauses "Der Pschorr" am Viktualienmarkt, hakt ein. Er zählt auf: "Abstandsregel, Maskenpflicht, Nachverfolgbarkeit: Die Wirte tun alles dafür, dass ein Besuch in Gaststätten so sicher wie möglich abläuft", sagt Lochbihler. Ob alle Gäste ihre richtigen Daten hinterlassen? "Im Pschorr hat sich noch niemand Mickey Maus, Donald Duck oder Markus Söder genannt."

Inselkammer nennt noch ein Phänomen, das vor Corona umgekehrt gewesen sei: "Vor allem große Betriebe haben nach wie vor wenige Gäste." Das ist auch für Lochbihler seltsam. Da könne er verstehen, wenn Kollegen sagen: "Wegen drei Schnitzeln und zwei Getränken mache ich erst gar nicht auf."


Neues Video: "Gehts wieder ins Wirtshaus!"

Zwei Kurzvideos des Münchner Künstlers und neu gewählten SPD-Stadtrats Roland Hefter auf Facebook sowie eines der Vereinigung der Innenstadtwirte auf Youtube rufen zur Solidarität mit Münchner Wirten auf.

"Gehts wieder ins Wirtshaus!", heißt es da in etwa, "auf eine Abstandshalbe", wie es im Clip mit Kabarettistin Monika Gruber genannt wird. Alle Clips sind prominent besetzt: Dieter Reiter mit seiner Frau Petra, Ilse Aigner, Manni Schwabl sowie Alfons Schuhbeck sind dabei. Auch Kabarettist Christian Springer ruft dazu auf, auszugehen.

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