Australischer Sänger beim CSD AZ-Interview mit Luke Antony: "Das regt mich auf!"

Sonnyboy aus Sidney: Luke Antony singt den offiziellen Song des CSD München 2016. Foto: CSD

Der australische Sänger Luke Antony über Homophobie, seine Leidenschaft für den CSD und ein Musikvideo, in dem sich zwei Frauen ineinander verlieben.

 

Der 26-Jährige reist extra aus Australien zum Christoph Street Day an. Sein Lied "Separate Ways" ist der offizielle Song des CSD München 2016.

AZ: Herr Antony, wie kommt es, dass Sie um die halbe Welt fliegen, um auf dem Münchner CSD zu singen?
LUKE ANTONY: Ich habe eine große Leidenschaft für Pride-Festivals und schon auf einigen gespielt. Außerdem liebe ich Europa – und Deutschland.

Also waren Sie schon hier?
Ja. In Berlin. Allerdings war ich da noch sehr klein. Aber ich erinnere mich daran, dass es wunderschön war. Und jetzt ist es eine große Ehre für mich, beim Christopher Street Day in München auftreten zu dürfen.

Ihr Lied "Separate Ways" ist der Titelsong des Münchner CSD 2016. Im Video erzählen Sie von der Liebe zwischen zwei Frauen. Ist das nicht ein bisschen gewagt?
Ich schätze schon. Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist, aber in Australien ist noch nie ein lesbisches Paar im Fernsehen oder in Entertainment-Medien porträtiert worden. Aber ich wollte eine Liebe im 21. Jahrhundert zeigen – eine wahre Liebe, egal ob zwischen einem Mann und einer Frau, zwei Männern oder eben zwei Frauen. Ich wollte zeigen, wie wunderschön diese Beziehung ist und wie echt. Manche Leute sagen jetzt: Ich mag den Song, ich mag deine Stimme, aber das Video gefällt mir nicht. Das ist okay für mich: Ich wollte auch, dass die Leute ein bisschen geschockt sind.

Wie ist die Situation für Homosexuelle in Australien?
Ich lebe in Sidney, die Stadt ist ziemlich liberal und hat eine große Regenbogen-Community. Aber in Regionen, die etwas mehr rückwärtsgewandt sind, etwas traditioneller, da ist es schon anders. Da gibt es noch Schwulen-Klatschen und solche Dinge. Natürlich ist Australien nicht Russland. Aber ich komme zum Beispiel aus einer Kleinstadt, in der kaum Schwule leben. Als meine Eltern zum ersten Mal ein homosexuelles Paar gesehen haben, war das ein Kulturschock für sie.

Wie haben Ihre Eltern auf Ihr Outing reagiert?
Sie lieben mich – und unterstützen mich.

In Deutschland machen rechte politische Bewegungen Stimmung gegen Homosexuelle. Wie ist das in Ihrer Heimat?
Bei uns gibt es diese Gruppen leider auch und ihre Ablehnung wird mehr und mehr akzeptiert. Leider gibt es das im Moment überall auf der Welt: Dass Leute Angst vor etwas haben, das ihnen fremd ist, weil es nicht so ist wie sie selbst. Ich finde es frustrierend, dass diese Leute etwas ablehnen, ohne erst einmal zu versuchen, es zu verstehen. Das regt mich auf! Deswegen halte ich es für fantastisch, dass es so viele Organisationen gibt, die sagen: Homosexuell zu sein ist okay! Schwarz zu sein ist okay! Moslem zu sein ist okay! Du bist okay! Freundlichkeit und Liebe – das muss die Botschaft sein. Es ist wichtig, dass Minderheiten eine Stimme haben – und eine solche möchte ich ihnen mit meinen Liedern geben.

Hass auf Homosexuelle war offenbar der Auslöser für das Massaker von Orlando. Wie hat die australische Community darauf reagiert?
Es war vernichtend, absolut vernichtend. Es ist schier unglaublich, dass bis heute Menschen für das getötet werden, wer sie sind, was sie glauben oder wen sie lieben. Das ist barbarisch – und so rückwärtsgewandt. Ich kann einfach nicht verstehen, dass es in unserer Welt des 21. Jahrhunderts, in der so viele verschiedene Menschen, so viele Glaubensrichtungen und Hautfarben existieren, immer noch Menschen gibt, die andere nicht so akzeptieren können, wie sie sind.


Luke Antony tritt diesen Samstag um 21.15 Uhr auf der Marienplatz-Bühne auf.